Arbeitslose stürmen Blogs und Social Networks

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Die zunehmende Arbeitslosigkeit treibt immer mehr Menschen ins Internet. Während vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise die Zahl der Arbeitslosen steigt, nimmt gleichzeitig auch die Nutzung von Web-2.0-Angeboten zu. Jobsuchende, die unfreiwillig über deutlich mehr Freizeit verfügen, stürmen Blogs, soziale Netzwerke und Online-Games, um sich Ablenkung zu verschaffen. Wie das Wall Street Journal berichtet, spielen Online-Angebote für Arbeitslose eine wichtige soziale Rolle. Laut Psychologen stillen sie mittels Internet ein Eskapismus-Bedürfnis. Die Jobsuchenden versuchen Frustrationen aus dem realen Leben im Netz auszugleichen beziehungsweise für bestimmte Zeiträume der Wirklichkeit zu entfliehen.

Jobportale und Business-Netzwerke erleben bereits seit Monaten einen Boom, weil sich zunehmend mehr Arbeitssuchende online nach neuen Berufsoptionen umsehen. Doch abseits dessen wird das Internet auch immer stärker als Instrument zur Ablenkung von jenem Stress und Druck genutzt, der durch die Arbeitslosigkeit entsteht. “Es gibt Belege dafür, dass diese Ablenkungen einen psychologischen Nutzen haben, weil sie der Abwärtsspirale des ständigen Nachgrübelns entgegenwirken”, meint Robert Kraut, Professor für Sozialpsychologie an der Carnegie Mellon University. Der Trend wird auch damit verglichen, dass die Menschen während der Weltwirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts vermehrt in Kinos gingen und versuchten, sich mit Charlie Chaplin und der Wochenschau von der bitteren Realität abzulenken.

“Wir können bisher keinen direkten Zusammenhang zwischen Internetnutzung und Arbeitslosigkeit messen. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass arbeitssuchende Menschen mehr Zeit im Internet verbringen. Wir gehen davon aus, dass Arbeitssuchende mit Internetanschluss einen Groß;teil ihrer hinzugewonnenen freien Zeit damit verbringen, einen neuen Job zu suchen”, sagt Christian Hallerberg, Pressesprecher des Branchenverbandes BITKOM. Darüber hinaus dienten Medien immer auch ein wenig zum Entfliehen aus dem Alltag. “Das gilt zum Beispiel für Jugendbücher, Fernsehsendungen, Kinofilme und daher in logischer Konsequenz auch für das Internet”, so Hallerberg weiter. Der Unterschied des Internets gegenüber anderen Medien sei, dass Menschen hier direkt mit anderen Kontakt aufnehmen könnten.

In den USA verzeichneten viele Online-Unterhaltungsangebote im Verlauf der vergangenen Monate überdurchschnittlich starke Zuwächse. Dies ist laut Beobachtern keineswegs allein auf die Präsidentschaftswahlen zurückzuführen. Das Internet eigne sich vor allem deshalb als Freizeitvertreib, weil es überwiegend kostenlos zugänglich ist, meint Gary Handman, Direktor des Media Resources Center an der Universität von Berkeley. Wenngleich die Wirtschaftskrise natürlich auch in Deutschland zu spüren sei, zeige sich in den USA jedoch eine verschärfte Situation, gibt Hallerberg zu bedenken. “Die Arbeitslosenzahlen schnellen in den USA viel stärker nach oben als in Deutschland. Hier sorgen Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten und Ähnliches dafür, dass Unternehmen ihre Stammbelegschaft nicht so stark reduzieren.”

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