Besser als sein Ruf: Worin der stationäre Handel Zalando & Co. noch überlegen ist

Anfassen, anprobieren, also „live erleben“ – nicht nur damit punkten stationäre Händler gegenüber Online-Händlern. Auch in bisher dem Online-Handel zugeschriebenen Kernkompetenzen hat der stationäre Handel aufgeholt, das Ende seiner Entwicklung aber noch lange nicht erreicht.

Auch wenn der traditionelle Handel noch viel Nachholbedarf hat, ist es ihm an verschiedenen Stellen bereits gelungen, sich nicht nur an die hohen Standards im Online-Handel anzupassen, sondern ihn teilweise sogar zu überflügeln. Das sind die Ergebnisse der Studie „Fashion Future“ von elaboratum, BBE Handelsberatung und IFH Köln, für die über 2.000 Fashion-Shopper  nach ihren Erfahrungen mit traditionellen Händlern, Online-Händlern, Herstellern und sogenannten Vertikalisten, die sowohl Produktion als auch Warenvertrieb selbst verantworten, befragt wurden.

 

 

Die höchste Relevanz beim Mode-Shopping besitzen aus Konsumentensicht zwei Kriterien: kulante Retourenabwicklung und schnelle Lieferzeiten bei der Online-Bestellung. Bei beiden Kriterien erzielen traditionelle Händler ebenso wie Online-Händler hohe Zufriedenheitswerte. In puncto Lieferzeiten ist Galeria Kaufhof gegenüber vielen anderen traditionellen Händlern schon weiter und erzielt sogar höhere Zufriedenheitswerte als der Versender OTTO. Dies zeigt, dass aus dem stationären Geschäft stammende Händler sehr wohl auch bei Online-Services führend sein können.

Kaufhof liefert schneller als Otto

Auch beim Thema Cross-Channel haben die traditionellen Händler die Nase vorn: Bei der Möglichkeit, den stationären Einkauf im Online-Shop vorzubereiten, teilen sie sich den ersten Platz mit den Vertikalisten. Beim umgekehrten Fall – die Online-Bestellung in der Filiale vorzubereiten – liegen sie in der Gunst der Kunden vorn. Hier ist jedoch mit Konkurrenz seitens der Online-Händler zu rechnen. Viele ehemalige Pure Player eröffnen inzwischen Ladengeschäfte in Innenstädten, um ihren Kunden ebenfalls die Vorteile von Cross-Channel-Services bieten zu können.

Zeit, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, haben traditionelle Händler dadurch aber nicht. Um langfristig im Fashion-Markt erfolgreich zu sein, ist es notwendig, Kunden eng an sich zu binden und für sie zur ersten Adresse beim Modekauf zu werden. Dafür muss ein starkes Händlerimage aufgebaut und den Kunden in jedem Kanal ein begeisterndes Kauferlebnis geboten werden. Hier ist noch viel „Luft nach oben“.

Zusammengefasst ist es für traditionelle Händler unabdingbar, bestehende Stärken herauszustellen und auszubauen: Sichtbarkeit des eigenen Online-Vertriebs erhöhen – online und in den Filialen – und die Cross-Channel-Positionierung schärfen, indem die Händler ihre Filialen modernisieren und digitalisieren. Außerdem sollten die eigenen Prozesse, Strukturen und das Geschäftsmodell in Hinblick auf die Themen Eigenmarken und Vertikalisierung überprüft werden, um auch in Zukunft im umkämpften Modemarkt wettbewerbsfähig zu sein.

Über die Studie

Für die vorliegende Studie wurde im November 2015 eine internetrepräsentative Online-Umfrage unter 2.125 deutschen Fashion-Shoppern durchgeführt, die 20 in Deutschland aktive Anbieter unterschiedlichen Ursprungs bewertet haben: Stationärer Handel („Händler“), Versandhandel und Online-Pure-Player („Online-Händler“) sowie Hersteller und Vertikalisten mit Online-Vertrieb hinzugezogen. Die Kernfragestellungen sind:

1. Wo liegen die spezifischen Stärken von Vertikalisten, Online-Händlern, traditionellen Händlern und Herstellern?

2. Was können Anbieter vom Wettbewerb lernen, um ihre Geschäftsmodelle und Marketing-Strategien optimal auszurichten und gezielt weiterzuentwickeln?

3. Welche Themen müssen Anbieter auf der Agenda haben, um für die Zukunft gerüstet zu sein?

(jm)

0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

CAPTCHA
Diese Frage stellt fest, ob du ein Mensch bist.

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags