Bezahlmethoden im E-Commerce: Worauf Händler achten müssen

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Das e-commerce magazin sprach mit Ferry Hötzel, Product Manager Germany bei Shopify, über aktuelle Entwicklungen bei den Bezahlmethoden im E-Commerce und neue Herausforderungen für Händler.
PSD2Quelle: Ivan Kislitsin - Shutterstock

e-commerce magazin: Wie ist derzeit der Stand bei Bezahlmethoden in Deutschland: was sind die beliebtesten Zahlungsmittel der deutschen Konsumenten?

Ferry Hötzel: Deutschland ist recht konservativ, wenn es um Bezahlmethoden geht. In der Bundesrepublik werden vor allem Bargeld, EC-Karten und in seltenen Fällen auch Kreditkarten akzeptiert. Wer allerdings per App oder kontaktlos bezahlen möchte, ist häufig mit zahlreichen Einschränkungen konfrontiert. Wo in Barcelona, London oder Paris das sogenannte „Plastikgeld“ oder auch das Smartphone als Zahlungsmittel vollkommen akzeptiert sind, herrscht in Deutschland noch Misstrauen. Anders sieht es hingegen beim Onlineshopping aus. Laut Statista sind vor allem Paypal, Kauf auf Rechnung und Lastschriftverfahren und Kreditkarten die beliebtesten Bezahlmethoden der deutschen im Netz.

e-commerce magazin: Wie reagieren Online-Händler auf diese Präferenzen? Welche Bezahlmethoden bevorzugen Händler, zum Beispiel wegen ihrer niedrigen Kosten?

Ferry Hötzel: Hierzulande haben sich Online-Händler gut auf die Präferenzen eingerichtet – wenngleich es noch Luft nach oben gibt. Wir wissen, dass branchenweit ein Viertel der Kunden den Einkauf beim Bezahlvorgang abbrechen. Daher ist es für Händler besonders wichtig, den Kunden eine große Auswahl an Zahlungsoptionen anbieten zu können. Dabei bevorzugen sie natürlich die gängigen Zahlungsmethoden, wie etwa Vorkasse, Sofortüberweisung, Kreditkartenzahlung, Kauf auf Rechnung oder Paypal. Die Gebühren variieren selbstverständlich: Bei Vorkasse entfällt eine Gebühr quasi (bis auf die Kontoführungsgebühren des Händlers) und bspw. elektronische Bezahlverfahren behalten eine Grundgebühr sowie eine variable Gebühr pro Zahlungsempfang ein.

Interessanterweise sollten nicht unbedingt die geringsten Kosten pro Methode den entscheidenden Ausschlag dafür geben, welche Zahlungsmethoden ein Shop anbietet – sondern der Weg mit dem geringsten Risiko. Bei „Kauf auf Rechnung“ beispielsweise sind zwar die Kosten für den Shop sehr gering und Kunden bevorzugen diese Bezahloption – aber durch potentielle Mahngebühren oder gar der Beauftragung eines Inkassounternehmens steigen dann die indirekten Kosten wieder. Zusätzlich zu Zeit und Nerven, die Händler aufwenden, um an ihr Geld zu kommen.

Deshalb sollten Händler versuchen, neue und elektronische Bezahlmethoden anzubieten. Ein gutes Beispiel ist etwa Apple Pay: Dieses Verfahren ermöglicht es den Käufern in Shops via Smartphone oder Smartwatch sowie über Safari auf macOS zu bezahlen. Gleichzeitig erweitert es dementsprechend die Zahlungsmöglichkeiten, was die Verbraucher begrüßen und sogar Vertrauen bildet. Ein Shop, der mit dem Konzern kooperiert und Apple Pay akzeptiert, ist auf dem neuesten Stand und die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Fake-Shop ist, ist eher gering. Grundsätzlich empfehlen wir aber immer so viele Bezahloptionen wie möglich anzubieten.

e-commerce magazin: Was ändert sich durch die neue Zahlungsrichtlinie PSD2, die im September eingeführt wird?

Ferry Hötzel: Die überarbeitete Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD2) reguliert die Zahlungsverkehr-Branche in der Europäischen Union. Konkret soll durch diese EU-Richtlinie die Sicherheit im Zahlungsverkehr erhöht, der Verbraucherschutz gestärkt, Innovationen gefördert und der Wettbewerb gesteigert werden.

Bereits zum 13. Januar 2018 trat ein Teil der EU-Richtlinie in Kraft. Damals wurde unter anderem die Haftungsobergrenze auf 50 Euro bei Kartenmissbrauch gesenkt, zusätzliche Gebühren beim Bezahlen mit den meisten Kreditkarten wurden abgeschafft und der Anwendungsbereich auf Zahlungen mit Staaten außerhalb der EU und in Fremdwährungen erweitert.

Eine der größten Änderung, die im September dieses Jahres in Kraft tritt, ist der nochmals erhöhte Schutz der Kunden, die mit Kreditkarten oder anderen Zahlungsmethoden online einkaufen. Über eine besondere Form der Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA), der sog. Strong Customer Authentication (SCA), muss mit Inkrafttreten der PSD2 jede Online-Zahlung bestätigt werden. Die geläufigste SCA ist für viele vermutlich die Kombination von Kontokarte und Pin. Kunden sollen so beweisen, dass ausschließlich sie selbst hinter der Zahlung stecken.

Eine Authentisierung erfolgt nur, wenn der Kunde sich über zwei von drei definierten Merkmalen identifiziert. Diese Merkmale müssen aus den Bereichen Wissen (Passwort, Pin), Besitz (Kontokarte, Smartphone, Token) und Inhärenz (Irisscan, Fingerabdruck, Stimme, Bewegungsmuster) stammen.

e-commerce magazin: Wie lassen sich Kaufabbrüche wegen fehlender Zahlungsoptionen vermeiden?

Ferry Hötzel: Da gibt es nur einen wirksamen Ausweg: Händler sollten ihren Kunden so viele Zahlungsmethoden wie möglich anbieten. Es gibt eine Studie von Statista aus dem Jahr 2014 in dem 57 Prozent der deutschen Käufer ihren Einkauf abgebrochen haben, weil die Versandkosten zu hoch waren und ganze 53 Prozent beenden ihren Einkauf vorzeitig, weil die Bezahlmöglichkeiten nicht ausreichend sind.

Wenn ein Shopbesitzer nicht die Vielzahl von Bezahloptionen bieten kann oder will, empfehlen wir, den Checkout-Prozess so kurz wie möglich zu halten, damit der Käufer nicht die Geduld verliert. Wer weniger Zeit hat, sich seinen Kauf noch einmal zu überlegen, schickt die Bestellung meistens ab – denn oft tätigen wir Impulskäufe im Internet. Grundsätzlich empfehlen wir aber, dass zumindest Vorkasse, Kreditkarte, Sofortüberweisung und Paypal im Shop angeboten werden sollten.

e-commerce magazin: Welche Funktionen beziehungsweise Merkmale muss ein Online-Shop bieten, um einen schnellen und transparenten Checkout-Prozess zu ermöglichen?

Ferry Hötzel: Der wichtigste Aspekt beim Checkout ist, dass der Kunde auf einen Blick alle Versandgebühren und Kosten sieht – und natürlich, dass die Ware ohne viel Aufwand bestellt werden kann. Das bedeutet, dass der Händler auf dem Weg zum Checkout nicht noch umständlich nach zusätzlichen Services wie Geschenkoptionen oder schnellem Versand fragt – sonst verliert man den Kunden eventuell.E

in weiterer wichtiger Punkt ist, dass Online-Stores nicht zwingend eine Registrierung verlangen. Gerade Neukunden möchten oft erst einmal als Gast bestellen, ohne direkt ein Kundenkonto anlegen zu müssen. Kunden, die einmal kaufen und zufrieden sind, legen sich bei einer zweiten Bestellung vielleicht eher einen Account an.

e-commerce magazin: Sprechen wir über zukünftige Trends: Wie wird sich der Markt für mobile Bezahlungen per App in Deutschland entwickeln? Welches Potenzial sehen Sie bei den Kryptowährungen? Sind die Online-Händler in Deutschland auf die Herausforderungen durch neue Technologien ausreichend vorbereitet?

Ferry Hötzel: Die Möglichkeiten für Bezahlung im Internet wandeln sich stetig. Dabei ist Mobile Payment natürlich ganz vorne mit dabei. Wo vor einigen Jahren noch Skepsis gegenüber führenden Anbietern herrschte, ist es heute schon selbstverständlich online Geld zu senden oder direkt mit dem Smartphone an der Kasse zu zahlen. Auch sehen wir, dass mehr und mehr “neue” Bezahlmethoden dank Smartphone Wallet akzeptiert werden. Weitere wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Kryptowährungen beobachten wir bei Shopify schon länger und sind gespannt, wie sich Bitcoin, Ethereum und Co in den nächsten Monaten bis Jahre entwickelt. Diese Technologie steckt natürlich noch in den Kinderschuhen, aber wieso sollte es nicht bald möglich sein mit Bitcoin zu bezahlen? Schließlich arbeiten die großen Tech-Firmen und sogar Länder wie China an ihrer eigenen Kryptowährung. Wenn es sich mehr etabliert hat ist das auch für den E-Commerce interessant. Bis dies allerdings in Deutschland angekommen ist, dauert es bestimmt noch lange Zeit.

Das zeigt auch die Antwort auf die Frage, ob Deutschland auf solche Innovationen vorbereitet ist – nämlich nicht genügend. Kunden sind hierzulande eher konservativ und manchmal auch abweisend gegenüber neuen Bezahlmethoden. Händler sollten daher bei allen neuen Zahlungsmethoden immer darauf achten, auch die gängigen Optionen wie “Kauf auf Rechnung” oder Lastschriftverfahren mit anzubieten.

Vor allem, wenn deutsche Händler auch international aktiv sind, müssen sie sich natürlich den Vorlieben in anderen Ländern anpassen. Dafür bietet Shopify Hunderte von Zahlungs-Gateways auf der ganzen Welt, die es Händlern ermöglichen, Zahlungen auf jede gewünschte Weise zu erhalten.

Wir von Shopify wollen die deutschen Shop-Betreiber auf jeden Fall ermutigen, dass sie sich mit neuen Erfindungen und Wegen im E-Commerce beschäftigen und diese Dinge kennenlernen. Es kann nur von Vorteil sein, wenn Shops an der Front mit dabei sind, wenn neue Bezahlmethoden ihren Weg in den Mainstream sind. Denn wer will schon bei einem aus der Zeit gefallenen Shop einkaufen?

Ferry HotzelQuelle: Shopify

Ferry Hötzel ist Country Product Manager Germany bei Shopify, dem Anbieter einer Cloud-basierten Multichannel-Commerce-Plattform für Unternehmer und Online-Shopbesitzer. In dieser Rolle ist Hötzel federführend an der Strategieentwicklung für den deutschsprachigen Markt beteiligt und verantwortet die Produktentwicklung und -anpassung. (sg)

Lesen Sie zum E-Commerce-Markt auch: Wachstum schwächst sich ab – das könnte der Grund sein

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