Bürgerinitiativen gegen die Logistikbranche – 5 Anforderungen für mehr Akzeptanz

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Bürgerinitiativen gegen die Logistikbranche – 5 Anforderungen für mehr Akzeptanz

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Vor etwas über einem Jahr sorgte der erste coronabedingte Lockdown für eine spontane Nachfrage nach einer Million Quadratmeter Lager- und Logistikfläche. Während es sich hierbei eher um einen vorübergehenden Effekt handelte, zeigen sich inzwischen die langfristigen Folgen.
Bürgerinitiativen gegen die Logistikbranche

Quelle: Aquila chrysaetos/shutterstock

Angesichts des konstanten Wachstums und der stetig steigenden Servicequalität im Onlinehandel sind E-Commerce-Unternehmen inzwischen die relevanteste Nachfragebranche auf dem deutschen Logistikimmobilienmarkt. Häufig hängen die Expansionsmöglichkeiten in neue Regionen von der Verfügbarkeit entsprechender Flächen ab.

Neben dem inzwischen chronischen Grundstücksmangel ergibt sich dabei jedoch auch eine politische Herausforderung. Nie wurde deutlicher, wie notwendig eine perfekte Logistik für die Versorgung der Menschen ist, wie in dieser Coronakrise. Dass dadurch aber die Akzeptanz der Branche in der Bevölkerung gestiegen ist, lässt sich leider nicht feststellen. Im Gegenteil: Das Image der deutschen Logistik ist eher noch schlechter geworden. So formieren sich immer öfter und mit zunehmendem Maße auch immer professioneller Bürgerinitiativen gezielt gegen ein Projekt. Konfrontation statt Dialog ist oft die Folge, die keine der beiden Seiten zufriedenstellt.

Bürgerinitiativen gegen die Logistikbranche entstehen oft aus Unkenntnis

Die zahlreichen Bürgerinitiativen gegen Logistikzentren entstehen aber unter anderem dadurch, weil die Menschen dort nicht frühzeitig informiert und aufgeklärt werden. Ein Problem: Nach wie vor werden Logistikimmobilien mit Transport, Verkehr und damit einhergehenden  Staus sowie Lärm in Verbindung gebracht.

Ein weiterer Kritikpunkt der Bürger an der Logistikbranche ist: Die Gebäude verschandeln die Landschaft und zerstören Fauna und Flora. Dagegen hilft nur: Kommunikation. Alle Marktteilnehmer, also Investoren, Projektentwickler, Vermieter, Verlader, Mieter, müssen auf die Menschen vor Ort zugehen und ihnen zuhören. Denn nur über den Austausch können alle Teilnehmer ein gegenseitiges Verständnis schaffen und gemeinsam Lösungen für mögliche Probleme erarbeiten.

Und auch mit den Vorbehalten von Vertretern der Kommunen müssen sich die Verantwortlichen auseinandersetzen. Diese beklagen oft, dass die Zahl von Arbeitsplätzen in einem Logistikzentrum viel zu gering ist im Verhältnis zur versiegelten Fläche. Wenn etwa auf einem Grundstück mit 60.000 Quadratmeter Fläche eine Halle mit 30.000 Quadratmeter gebaut wird, im Betrieb dann aber nur 70 Mitarbeiter benötigt werden, von denen nur zehn qualifizierte Fachkräfte sind, dann äußern Bürgermeister häufig Bedenken.

Gemeinsam mit der Politik nach Lösungen suchen

  1. Würde die Verkehrsinfrastruktur mit den Erfordernissen der Zeit mitwachsen, dann hätten wir in Ballungsgebieten wie München, Stuttgart oder auch in Nordrhein-Westfalen nicht das Problem der täglichen Staus. Kreisverkehre, verkehrstechnische Lösungen sowie der Ausbau von Straßen können viel bewirken.
  2. Die Professionalisierung von interkommunalen Gewerbegebieten muss vorangetrieben werden. Eine gezielte Abstimmung der benachbarten Kommunen und eine gemeinsame Ansiedlungspolitik in Bezug auf Gewerbe- und vor allem Logistikbetriebe ist auch im Sinne der Bürger.
  3. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, ansonsten sucht sich die Wirtschaft eigene Lösungen. Das Ergebnis ist dann oft ein Flickenteppich von Logistikimmobilien. Wichtige Aspekte, wie die Möglichkeit einer Drittverwendung lassen sie dabei oft außer Acht.

Für mehr Akzeptanz – Die Logistikbranche muss ihren Beitrag leisten

1. CO2-neutral und grün

Aber auch die Logistikbranche selbst muss ihren Beitrag leisten um mehr Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung zu erfahren. Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang das Thema Nachhaltigkeit. Eine Logistikimmobilie muss heute kein klimanegativer Energiefresser mehr sein. Moderne Immobilien, die den steigenden Nachhaltigkeitsstandards entsprechen, können beispielsweise mit umweltfreundlicher LED-Beleuchtung inklusive Tageslichtsteuerung, einer Photovoltaik-Anlage und einem begrünten Außenbereich konzipiert werden. Gerade letzteres kann zudem dazu beitragen, dass sich die Immobilie auch optisch besser in das Landschaftsbild einfügt.

Gerade Investoren legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit und die Zertifizierung der Projekte nach ESG-Richtlinigen. Aber auch für Nutzer sind nachhaltig gebaute Objekte lukrativ. Denn moderne Technik können langfristig Betriebskosten reduzieren.

2. Drittverwendbar und langfristig nutzbar

Ein Aspekt, der beim Thema Nachhaltigkeit oft vergessen wird, ist die Drittverwendbarkeit des Objektes. Nur eine Immobilie, die sich nach dem ersten Nutzungszyklus (in der Regel nach circa zehn Jahren) nachvermieten lässt, ist auch langfristig nachhaltig. Auf diese Weise entstehen keine Leerstände. Außerdem muss und bei einer geplanten Neuansiedlung keine zusätzliche Fläche versiegelt werden.

3. Vollautomatisiert und ressourcenschonend

Noch ein Konzept für ein nachhaltiges, ressourcenschonendes Logistikzentrum: Automatisierung. Die Ängste, dass diese Art der Prozessoptimierung Arbeitskräfte vernichtet, sind dabei unbegründet. Eine klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten kann diese Ängste von Anfang an entkräften. Vor der Corona-Krise hatten wir in der deutschen Logistikbranche einen enormen Arbeitskräftemangel, abgesehen von den Regionen Leipzig und Bremen. Das mag sich mittlerweile etwas nivelliert haben. Doch grundsätzlich können viele Kommunen die von uns benötigten Arbeitskräfte gar nicht bieten.

4. Verkehrsoptimiert und staufrei

Mit der wichtigste Punkt im Ringen um mehr Akzeptanz ist aber eine durchdachte Verkehrsplanung. Hier gilt es, die Belastung für das Wegenetz so gering wie möglich zu halten. So kann beispielsweise ein wegeoptimiertes Konzept für reduzierten Verkehr sorgen und die Situation von vorne weg entschärfen. Die Zusammenarbeit mit Stadt- und Verkehrsplanung sowie die Einbindung der Bürger von Beginn an, hat hier oberste Priorität.

5. Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg

Die Logistikbranche unternimmt bereits viel, um Sorgen von Bürgerinnen und Bürgern zu zerstreuen. Wichtig ist, dass alle Planungen transparent kommuniziert und mögliche Bedenken im Dialog besprochen und entkräftet werden. Nur so entstehen Vertrauen und Akzeptanz. Denn für unser aller Alltag, für Wirtschaftskreislauf und Warenversorgung, ist eine funktionierende Logistik zwingend notwendig. Die Logistik ist systemrelevant – nicht nur in der Corona-Krise.

Lesen Sie auch: Die letzte Meile in der Logistik – Innovatives Konzept oder unlösbare Hürde?

Bürgerinitiativen gegen die Logistikbranche, Kuno Neumeier
Bild: Logivest GmbH

Der Autor Kuno Neumeier ist CEO der Logivest Gruppe.

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