Cloud Computing: „Hypes werden überbewertet“

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Cloud Computing: „Hypes werden überbewertet“

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
wolke

IT-Analysten stellen in ihren Jahresprognosen immer wieder ein ITK-Thema besonders in den Vordergrund. Das e-commerce Magazin wollte daher von Hosting- und Cloud-Anbietern wissen, ob die Analysten mit ihren Prognosen richtig lagen und welche Themen in der Praxis wirklich und in welchem Umsetzungslevel nachgefragt werden.

ECM: Immer wieder tauchen Hype-Themen auf, die dann einige Zeit brauchen, bis sie von Unternehmen als relevant akzeptiert und auch umgesetzt werden. Welches Thema ist Ihrer Ansicht nach derzeit ein Hype-Thema und was hat sich vom Hype-Thema zu einem Thema in der Umsetzung weiterentwickelt?

Peter Müller: Cloud Computing/Cloud Hosting ist ein gutes Beispiel für ein Thema, um das es lange einen Hype gegeben hat. Es hat einige Zeit gedauert, bis die Anbieter gelernt haben, was die Kunden tatsächlich erwarten, bis sie sich für ein Cloud-Angebot entscheiden – etwa im Blick auf Serverstandort/Rechtssicherheit und Service Level Agressment. Nun ist der Markt gerade dabei, reifer zu werden. Die Akzeptanz steigt sowohl im gewerblichen als auch im privaten Umfeld.

Lars Gurow: Das „Internet der Dinge“ wird dank IPv6 immer wichtiger, immer mehr Anwendungen tauchen auf. Hier wird es Zeit für alle IT-Admins, sich in diesem Thema fit zu machen, und zwar nicht nur in der Theorie. Es geht darum zu lernen, wie man mit dem neuen Protokoll arbeitet, es sicher implementiert und die Vorteile nutzt. Rund um die „Cloud“ ist es etwas ruhiger und professioneller geworden – trotzdem ist die Cloud noch nicht im Alltag der Menschen angekommen. Dabei sollte jeder, der mit wichtigen Daten hantiert, für Backups auch die Cloud nutzen.

Jens Tamm: Hype-Themen? Nach meinen Erfahrungen werden die so genannten Hypes stark überbewertet und in der betrieblichen Praxis unserer Kunden schon länger nicht mehr sonderlich beachtet. Unternehmen sind meines Erachtens längst in der Realität angekommen und fragen sich ständig, wie und wo sie effizient und sicher zugleich ihre IT-Konzepte umsetzen können.

Thomas Strohe: Wenn man an das Internet beziehungsweise das Hosting denkt, fällt einem als Hype-Thema natürlich sofort die Cloud ein. Dies ist aber nur bedingt richtig, denn lediglich als Marketingbegriff taucht „die Cloud“ erst seit einigen Jahren auf. Das eigentliche Konzept war hingegen keineswegs neu, denn im Grunde gibt es mit den Shared-Hosting-Produkten bereits seit rund 15 Jahren Cloud-Lösungen auf dem Markt, die nur nicht so bezeichnet wurden. Der Prozess, die aktuell unter dem Begriff Cloud vertriebenen Produkte als zuverlässige Lösung zu etablieren, ist bis heute noch nicht gänzlich abgeschlossen. Dazu entwirft das Bild der Cloud häufig eine zu vage Vorstellung davon, welche Technik dahinter steckt und wo sich die Daten letztendlich befinden beziehungsweise wer alles darauf zugreifen könnte. Diese Zweifel scheinen aber zunehmend an Bedeutung zu verlieren und immer mehr Kunden ziehen Cloud-Lösungen als Alternative zumindest in Betracht. Somit werden in Zukunft viele weitere Applikationen und Lösungen „as a Service“ in der Cloud angeboten werden. Und da sie zumeist preislich attraktiv sind, werden sie auch auf gute Akzeptanz stoßen.

ECM: Capgemini hat für 2012 prognostiziert, dass IT-Alignment, also die stärkere Vernetzung von Fach- und IT-Bereich, eines der spannendsten Themen sein wird. Was ist Ihre Erfahrung? Haben das Ihre Kunden wirklich nachgefragt?

Thomas Strohe: Tatsächlich haben wir diesen Trend speziell bei unserer Managed-Hosting-Marke PlusServer in letzter Zeit sehr stark beobachten können. Es sind zunehmend direkt die Fachabteilungen – nicht mehr die IT-Leiter – die mit ihren speziellen Anforderungen an uns herantreten und für die wir entsprechende Lösungen konzipieren und umsetzen. Dabei werden vermehrt ganzheitliche Lösungen angefragt, das heißt alle IT-Services und  die Infrastruktur inklusive Hosting werden aus einer Hand bereitgestellt. Der Kunde hat damit nur einen einzigen Ansprechpartner, statt sich wegen unterschiedlicher Fragen an verschiedene Dienstleister wenden zu müssen. Der Managed-Hosting-Anbieter rückt damit immer mehr in die Position, die vor einigen Jahren noch die IT-Systemhäuser bekleideten. Unsere Dienstleistung erstreckt sich heute vom Consulting über die Konzeption bis hin zur Implementierung und späteren Betreuung individueller Kundenlösungen. Der Kunde erhält auf diese Weise eine Lösung, die optimal der Erfüllung seiner Unternehmensziele dient.

Lars Gurow: Strato spricht ja traditionell die „Selbermacher“ an, also die Selbständigen, die ohnehin die meisten Dinge selbst machen. Bei den Profi-Kunden ist es aber eher so, dass Admins weiterhin sehr fokussiert sind auf Technik. 

Jens Tamm: Nein, aus meiner täglichen Praxis lässt sich nicht bestätigen, dass Kunden das nachfragen. Viel eher ist es so, dass der Fachbereich bestimmt, was die IT-Abteilung umsetzen soll. Ein Beispiel: Die Marketing-Abteilung einer Fluggesellschaft entwickelt eine neue Marketingkampagne, die darauf zielt, online mehr Tickets zu verkaufen. Die IT-Abteilung hat nun die Aufgabe, das entsprechend skalierbar abzubilden. Deren Entscheidung ist lediglich, wie und wo dies umgesetzt wird. Unsere Erfahrung im gehobenen Mittelstand sieht jedenfalls so aus, dass beide Abteilungen wenig zusammenarbeiten. Eher bleibt es eine Herausforderung, diese beiden Bereiche zusammenzubringen, da sie unterschiedliche Interessen verfolgen.

ECM: Big Data und Cloud – welche Herausforderungen teilen sich beide Konzepte und wie können sich Unternehmen hier inhaltlich vorbereiten?

Lars Gurow: Sicherheit und Datenschutz sind immer ein Thema. Beides muss immer mit auf der Agenda stehen.

Jens Tamm: Big Data ist ja im Grunde nur ein neuer Begriff für das Problem der Unternehmen, mit den weiter enorm wachsenden Datenmengen und den daraus folgenden Herausforderungen an Storage umzugehen. Ein weiterer Aspekt ist, dass sie weiterhin Zugriff auf die „alten“, archivierten Daten haben wollen und müssen. Das kann nur mit schnellen Antwortzeiten der IT-Systeme funktionieren. Auch Cloud-Lösungen benötigen schnelle Antwortzeiten, um einen reibungslosen IT-Betrieb zu gewährleisten. Unternehmen sollten sich bei beiden Modellen fragen, wie ihr Betreibermodell aussieht, was sie nach außen verlagern wollen und an wen. Und letztlich müssen in beiden Fällen auch die gesetzlichen Anforderungen bedacht und der Datenschutz berücksichtigt werden.

ECM: Im Internet findet man immer wieder Vergleichsportale, die beispielsweise auch einzelne Hosting-Angebote vergleichen. Wie gut lassen sich solche Angebote anhand von Standardkriterien vergleichen und welche Fragen sollten potenzielle Kunden immer stellen?

Peter Müller: Unabhängige Vergleichsportale bieten eine gute Einstiegsmöglichkeit für Anwender, denen ein Marktüberblick fehlt. So ist eine erste Orientierung dazu möglich, welche Anbieter und welche Formen von Angeboten es überhaupt gibt. Natürlich muss sich jeder Kunde selbst fragen, welche Faktoren ihm persönlich bei der Auswahl eines Dienstleisters wichtig sind und sich dabei nicht auf die Standardkriterien beschränken. Besonders wichtig sind dabei „weiche“ Faktoren wie die Servicequalität. Sie lassen sich nicht in einer Tabelle vergleichen und spielen in der Praxis oft eine viel größere Rolle als ein paar GByte mehr Speicherplatz oder ein paar Euro beim Preis. Besonderen Mehrwert bieten deshalb Portale, auf denen sich die Anbieter bewerten lassen. Eine relevante Anzahl an Bewertungen vorausgesetzt, hat der Interessierte so die Möglichkeit, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen. Er bekommt zumindest einen Eindruck, wie gut die technischen und die Service-Dienstleistungen eines Anbieters tatsächlich sind.

Thomas Strohe: Die meisten Kriterien von Hosting-Angeboten eignen sich durchaus für direkte Vergleiche, etwa die Hardwareausstattung oder der enthaltene Traffic. Hier beschränken sich die Angaben in der Regel auf bestimmte Werte, die einander gegenübergestellt werden können. Bei anderen Kriterien muss der Kunde etwas genauer hinschauen, um die Angaben gegeneinander abzuwägen. Zum Beispiel bei Informationen zum Rechenzentrum – wo steht es, wie ist es ausgestattet und wie ist seine Anbindung an das Backbone? – oder zum Support. Als einer der wenigen Hosting-Anbieter bietet zum Beispiel unsere Marke Serverloft einen 24/7-Support sowohl für die Hardware als auch für die Software zu jedem dedizierten Server an. Zudem sind für den künftigen Kunden noch die Vertragsbedingungen relevant: Wie lange läuft die Mindestvertragsdauer, gibt es eine Kündigungsfrist oder kann er jederzeit seinen Vertrag beenden? Neben die reinen Fakten treten aber auch Kriterien, die schwer in solchen Übersichten zu erfassen sind. Die meisten Interessenten möchten auch wissen, welche Erfahrungen andere mit dem Unternehmen gemacht haben, ob es neu auf dem Markt ist oder über umfassende Erfahrung und finanzielle Stabilität verfügt. Schlussendlich mag auch die persönliche Sympathie eine Rolle spielen, wenn zwei Unternehmen relativ ähnliche Angebote bewerben.

Lars Gurow: Qualität und Preis sind die wichtigsten Kriterien. Qualität hat viele Dimensionen: Aktuelle, sinnvolle Anwendungen, sehr gute Infrastruktur und Performance, Erfahrung, Service – hier gibt es unabhängige Prüfer wie den TÜV, die die Qualität transparent machen. Preise sind ja immer leicht zu vergleichen – und das sollte man auch immer tun.

Jens Tamm: Sinnvoll könnte dies dann sein, wenn Standard-Hostingpakete verglichen werden und vergleichbare Standards enthalten sind. Aber auch das ist selten der Fall. Wir wissen aus der Praxis, dass Kunden solche Portale nicht annehmen, weil es einfach nicht passt. Alle haben unterschiedliche Anforderungen und erwarten, dass der Hoster darauf mit individuellen Lösungen antwortet. Wir bei Interoute haben zwei, drei Keranforderungen von Kunden, die immer wieder wichtig sind. Dazu gehören zertifizierte Lösungen nach Sicherheits- und Verfahrensstandards wie ISO, BSI oder PCI bei E-Commerce-Anwendungen. Daran schließt sich die Frage an, ob Zertifizierungen in diesen Standardpaketen enthalten sind. Oder auch, ob Audits vor Ort möglich sind und wie qualifiziert der Hoster in diesem Bereich ist.  Potenzielle Kunden fragen auch: Wo liegen meine Daten? Wer ist noch beteiligt, welche Drittanbieter gibt es? Wer ist der Betreiber oder Besitzer und wo sitzt dieser? Nach welchen Standards wird das Rechenzentrum betrieben? Abschließend halte ich es für wichtig, darauf hinzuweisen, dass zu viel Wert auf Hardwareaspekte gelegt wird und zu wenig auf die Gebäudeleittechnik (BMS Building Management Systems). Fragen nach dem Brandschutz, Früherkennungssystemen und ähnlichem sollten viel mehr Beachtung finden.

Die Interviewpartner:

Peter Müller, Leiter Produktmanagement und -strategie Domainfactory.

Lars Gurow, Pressesprecher Strato.

Jens Tamm, Country Manager Interoute in Deutschland und Österreich.

Thomas Strohe, Vorstand PlusServer.

 

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Das Mahnen offener Rechnungen ist wichtiger Bestandteil des Forderungsmanagements von B2B-Onlinehändlern. Es unterstützt einen zügigen Zahlungseingang und sichert so die Liquidität. Florian Kappert von Bilendo erklärt, wie sich ein automatisiertes Verfahren umsetzen lässt.

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wir wollen immer besser werden!

Deshalb fragen wir SIE, was Sie wollen!

Nehmen Sie an unserer Umfrage teil, und helfen Sie uns noch besser zu werden!

zur Umfrage

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Social Commerce

Neue Trends im Onlinehandel

Mehr erfahren

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

* Jederzeit kündbar

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.