Cloud-Telefonie im Aufwind

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Cloud-Telefonie im Aufwind

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
wolke

Cloud Computing ist nach wie vor das Thema Nummer eins – der zukunftsweisende IT-Trend, auch für den Mittelstand. Wurden bislang insbesondere CRM-, ERP- und CMS-Lösungen sowie Online-Shops oder Social Media-Angebote in die Cloud ausgelagert, ist es seit einiger Zeit auch möglich, Telefonie-Anwendungen in der Wolke zu betreiben. Die Rede ist von „IP Centrex“, „Hosted PBX“ oder auch „Virtual Phone“. Dabei werden Telefonanlagen virtuell über einen Anbieter bereitgestellt und vom Anwender gemietet. Um zu telefonieren, muss das Anwenderunternehmen dann nur noch ein geeignetes Endgerät – ein IP-Telefon – über ein Ethernet-Kabel an das Firmen-Netzwerk anschließen. Neben einigen kleineren Anbietern wie die Münchner nfon AG oder auch die Sipgate GmbH aus Düsseldorf haben bereits erste große Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom, Vodafone, Mobilkom Austria und Telefónica O2 erste Lösungen auf den Markt gebracht oder befinden sich kurz vor Abschluss ihrer Pilotprojekte.


Die einzige Voraussetzung: Schnelle Internetverbindung und ein IP-Telefon


Die technischen Voraussetzungen, um die Telefonie in die Cloud auslagern zu können, sind denkbar einfach: Man braucht nur eine schnelle und stabile Internetverbindung – nach Möglichkeit eine symmetrische DSL-Leitung (SDSL) für gleichgroße Down- und Upload-Bandbreiten – sowie ein IP-Telefon. Die Deutsche Telekom etwa nutzt für ihr Angebot das snom 870, ein IP-Telefon mit hochauflösendem Touch-Farbdisplay. Vodafone bietet seinen Kunden nahezu die komplette Produktpalette von snom. Handelsübliche IP-Telefone wie die von snom zu nutzen, ist deshalb möglich, weil Cloud-Telefonie und snom Telefone auf dem offenen SIP-Standard beruhen und damit auf technischer Ebene dieselbe Sprache sprechen.


Administration über das Web


Eine virtuelle Telefonanlage eignet sich insbesondere für filialisierte Unternehmen und für Konzerne, die durch Niederlassungen, Außenbüros oder Teleworker verteilt sind. Zur Nutzung einer IP Centrex benötigt der Anwender außer VoIP-fähigen Telefonen keine zusätzliche Hardware. Sowohl die virtuelle Telefonanlage als auch die damit verbundenen Services werden von den Providern auf Servern in großen Rechenzentren bereitgehalten und on-Demand zur Verfügung gestellt. Zur unternehmensspezifischen Konfiguration der IP Centrex bieten die Provider in der Regel webbasierte Tools, sodass der Nutzer die Einrichtung der Telefonanlage einfach und bequem über den Web-Browser durchführen kann. So ist das Anwenderunternehmen in der Lage, unabhängig vom Netzbetreiber Nebenstellen einzurichten, Rufumleitungen einzuschalten oder auch Melodien oder Ansagen für Warteschleifen hochzuladen. Wird vom Unternehmen ein Zugriff auf die Konfigurations-Werkzeuge eingeräumt, können die Mitarbeiter beispielsweise auch ihren Anrufbeantworter individuell besprechen.


IP Centrex: flexibel, ortsungebunden und kosteneffizient


Neben der benutzerfreundlichen Einrichtung, Konfiguration und Administration der virtuellen Telefonanlage über den Web-Browser bietet Cloud-Telefonie eine Reihe weiterer Vorzüge. Als wohl größter Vorteil ist neben der besonderen Flexibilität die Ortsungebundenheit zu nennen. Eine virtuelle Telefonanlage lässt sich schnell und unkompliziert erweitern. Um eine Nebenstelle einzurichten, muss der Anwender lediglich das IP-Telefon an eine Ethernet-Buchse anschließen und den Dienst im Internet freischalten. Ist ein Anwender samt Rufnummer erst einmal registriert, kann er sich mit seinen Zugangsdaten an jedem IP-Telefon anmelden, das in das Netzwerk integriert ist – ganz egal, ob er sich an der Niederlassung in Deutschland, Großbritannien oder Hong Kong befindet („Hot Desking“). Ein weiteres Argument, das für die Cloud-Telefonie in kleineren Unternehmen spricht, sind die geringen Kosten – verglichen mit dem finanziellen Aufwand, den Firmen für den Aufbau einer eigenen Telefonie-Infrastruktur betreiben müssen. Denn einige Anbieter erheben keine Monatspauschale, sondern rechnen pro eingerichteter Nebenstelle ab. Auch Kosten, die Anwenderunternehmen ansonsten für Hardware, Wartungspersonal und Wartungsvertrag bezahlen müssten, entfallen bei einer IP Centrex. So können auch kleinere Unternehmen innovative Business-Anwendungen nutzen, ohne vorab viel Geld zu investieren. Für große Konzerne kann es hingegen lukrativer sein, eine eigene Telefonanlage zu betreiben, da sich Investitionen in die technische Infrastruktur dort schneller amortisieren.


Innovative Features machen den Unterschied


Wer sich für eine IP Centrex entscheidet, erhält bei den meisten Anbietern nicht nur jene Features, die er von klassischen Telefonanlagen gewohnt ist, sondern kann auf eine Vielzahl von Funktionen zurückgreifen, die weit über den üblichen Standard hinausgehen. In der Regel bieten die Provider den Anwendern eine Benutzeroberfläche, die Kommunikationskanäle wie Telefonie, SMS, E-Mail und Instant Messaging integriert. Die Basisfunktionen einer virtuellen Telefonanlage umfassen beispielsweise Anklopfen, Rufumleitung, Rufweiterleitung auf eine Nebenstelle oder ein Mobiltelefon, Präsenzanzeige, Anruf halten und Fax-Integration. Daneben ist auch der Zugriff auf das unternehmensweite Adressbuch und E-Mail-Postfächer gewährleistet. Mitarbeiter, die nicht den ganzen Tag an ihrem Schreibtisch sitzen, profitieren von der Option, einen Anruf parallel auf IP-Tischtelefon und Handy klingeln zu lassen. Für diese Mitarbeiter ist außerdem der sogenannte „Toggle Button“, der das Hin- und Herschalten vom IP-Telefon auf ein Mobiltelefon auch während eines Gesprächs ermöglicht, besonders praktisch. Denkbar ist auch eine ERP-Integration: Ruft ein Kunde an, bekommt der Anwender dessen Kontaktdaten samt den letzten Aktionen – Bestellung, Kauf, Beschwerde oder ähnliches – auf seinem IP-Telefon angezeigt.


Individuelles User Interface und XML-Minibrowser



Einige Hersteller von IP-Telefonen, wie beispielsweise snom, haben sich bereits seit geraumer Zeit auf die spezifischen Anforderungen der Cloud-Telefonie eingestellt und ihre Telefone kontinuierlich für diese Nutzung optimiert. Diese IP-Telefone sind optimal an die Services der Provider angepasst und bieten aus diesem Grund eine Reihe von Vorteilen: Die Präsenz- und Statusanzeige ist beispielsweise nur bei vollständiger Kompatibilität des Telefons mit dem Server des Providers möglich. Gleiches gilt für die Überwachung der Gesprächsqualität (Quality of Experience, kurz: QoE). Bei den Modellen von snom kann nicht nur das User Interface individuell an den Nutzer angepasst werden – die IP-Telefone haben auch einen XML-Minibrowser. Über den Minibrowser können Anwender sich Bilder, Texte, Menüs sowie Anruflisten darstellen lassen und LEDs ansteuern, Einstellungswerte verändern oder die Rufnummernunterdrückung ein- und ausschalten. Für die Entscheidung, IP-Tischtelefone anstatt Softphones zu nutzen, spielt außerdem der psychologische Faktor, wie gewohnt ein Telefon auf dem Schreibtisch stehen zu haben, eine nicht zu unterschätzende Rolle.


Juristischer Nachbesserungsbedarf


Mögen die Vorzüge der Cloud-Telefonie auch sehr überzeugend klingen, so bestehen doch noch einige Unzulänglichkeiten, die Unternehmen bedenken sollten. Die Anbieter garantieren zwar eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent und halten die Telefonie-Anwendungen dafür redundant vor, aber dennoch ist ein Komplettausfall des Internets und damit auch der Telefonie denkbar – unwahrscheinlich, aber möglich. Unternehmen müssen sich auch im Klaren darüber sein, dass sie ihre geschäftskritischen Daten in fremde Hände geben. Nicht alle Länder haben ähnlich strenge Datenschutzbestimmungen wie Deutschland. Und liegen Unternehmensdaten erst einmal auf einer Serverfarm außerhalb Deutschlands, haben Firmen keinerlei Einfluss mehr auf deren Sicherheit. Nicht nur das komplette Firmenadressbuch ist dann in der Cloud, sondern möglicherweise müssen Unternehmen auch bislang geschlossene IT-Systeme nach außen öffnen, um eine IP Centrex überhaupt in ihre bestehende IT-Landschaft integrieren zu können. Darum haben Provider die Pflicht und die Verantwortung, ihre Server bestmöglich gegen Angriffe von außen zu schützen – sowohl was den Datendiebstahl als auch das Abhören von Gesprächen betrifft. Technischer Verbesserungsbedarf besteht auch hinsichtlich des Notrufs, denn im Unglücksfall muss die geografische Position des Anrufers automatisch an Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst übermittelt werden. Derzeit ist es leider nur möglich, den Namen der Firma beziehungsweise des Netzwerks und die IP-Adresse zu übertragen – jedoch nicht den exakten Standort des Verunglückten.


Ausblick


Den rechtlichen Rahmen für sicheres Cloud Computing zu schaffen, ist Aufgabe der Politik. Der im September 2010 veröffentlichte Entwurf „BSI-Mindestsicherheitsanforderungen an Cloud-Computing-Anbieter“ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sollten die nötigen gesetzlichen Regelungen geschaffen sein, wird Cloud Computing den IT-Markt nachhaltig verändern. Klassische IT-Servicemodelle wie Volumen- oder Konzernlizenzen schränken aufgrund der hohen Kosten viele Unternehmen in ihrer Softwarenutzung ein – anders beim Cloud Computing. Da dort Investitionen in Hardware und Softwarelizenzen entfallen und die benötigten Services ganz nach Bedarf bereitgestellt und berechnet werden, können selbst kleine Unternehmen, die nicht über ausreichende finanzielle Mittel für einen Eigenbetrieb verfügen, dennoch hochmoderne Business-Applikationen wie eine IP Centrex nutzen. Eine virtuelle Telefonanlage ist benutzerfreundlich, überzeugt durch große Flexibilität und bietet eine Fülle von hilfreichen Funktionen. Für mittelständische Unternehmen ist es an der Zeit, sich mit dem Thema Cloud-Telefonie zu beschäftigen. Wenn nicht jetzt, wann dann?


Autor: Filip Polsakiewicz, Senior Presales Engineer der snom technology AG


 

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Social Media als Informationsquelle nutzen derzeit 61 Prozent der Verbraucher und 38 Prozent vertrauen Marken, Produkten oder Dienstleistungen mehr, wenn sie von einem Influencer empfohlen werden. Das zeigt, dass Influencer-Marketing immer wichtiger wird. Auf der Influencer Conference 2019 präsentierten Experten die neuesten Trends im Influencer-Marketing.
An diesem Freitag feiert der Handel mit Aktionen und Sonderrabatten den Auftakt des Weihnachtsgeschäfts. Doch bei der als Black Friday bekannten Aktion benennen die Händler ihre Rabatte nur selten. Grund dafür ist in vielen Fällen die beim Deutschen Patent und Markenamt eingetragene Marke „Black Friday“, die seit Jahren für Verunsicherung im Handel sorgt.

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wir wollen immer besser werden!

Deshalb fragen wir SIE, was Sie wollen!

Nehmen Sie an unserer Umfrage teil, und helfen Sie uns noch besser zu werden!

zur Umfrage

Aktuelle Ausgabe

Topthema: Social Commerce

Neue Trends im Onlinehandel

Mehr erfahren

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

* Jederzeit kündbar

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.