Deplatforming: Wie sinnvoll ist ein Verbot von sozialen Plattformen?

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Deplatforming: Wie sinnvoll ist ein Verbot von sozialen Plattformen?

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Was passiert, wenn Online-Gruppierungen das öffentliche Leben beeinflussen oder Markplätze im Darknet geschlossen wurden, zeigte sich Anfang 2021 deutlich. Der Schrei nach Deplatforming war laut. Aber wirkt es überhaupt, wenn Gruppen oder illegaler Handel verboten werden?
Deplatforming: Wie sinnvoll ist ein Verbot von sozialen Plattformen?

Quelle: Daniel Beckemeier/shutterstock

Was unter Deplatforming zu verstehen ist, wurde Anfang des Jahres klar. Die Ankündigung von Twitter, Donald Trump nach den Unruhen im Kapitol dauerhaft zu sperren, ist ein solches Beispiel. Deplatforming als Mittel zur Begrenzung von schädlichen Äußerungen.

An anderer Stelle setzte die Investmentplattform Robinhood den Handel mit GameStop-Aktien aus, nachdem die Reddit-Gruppe r/WallStreetBets (die zu diesem Zeitpunkt 2,2 Millionen Mitglieder umfasste) einen Massenkauf der Aktien koordinierte. Während die ursprüngliche Reddit-Gruppe offen blieb, hatten viele r/WallStreetBets-Nutzer auch über das soziale Netzwerk Discord kommu­niziert. Als Reaktion darauf, verbannte Discord ihren Kanal mit der Begründung „Hassrede“. Deplatforming ist der Mechanismus, der derzeit von sozialen Netzwerken und Technologieunternehmen verwendet wird, um Benutzer zu sperren oder zu verbannen, die angeblich gegen ihre Nutzungsbedingungen verstoßen haben. Aus der Perspektive eines Unternehmens ist Deplatforming ein Schutz vor möglichen rechtlichen Schritten. Andere hoffen, dass das Deplatforming helfen könnte, das zu stoppen, was manche als Online-Mob ansehen, der politische, soziale und finanzielle Einrichtungen mutwillig angreift.

Als Reaktion auf Deplatforming: Netzwanderung

Deplatforming ist jedoch unwirksam, um diese Gruppen zu unterdrücken. Als Trump aus den sozialen Medien verbannt wurde, organisierten sich seine Anhänger schnell auf Parler. Eine soziale Netzwerkseite, die sich selbst als Heimat der freien Rede vermarktet. Kurz darauf wurde Parler aus den App-Stores von Apple und Google entfernt. Auch Amazon Web Services – die die digitale Infrastruktur für die Plattform bereitstellten – entfernten Parler von ihren Servern.

Kaum war Parler offline, begannen Trumps Unterstützer nach alternativen Social-Media-Apps zu suchen, darunter MeWe und CloudHub. Dadurch stiegen beide Apps der Download-Zahl im App-Store-Ranking schnell auf. In ähnlicher Weise organisierten sich die Reddit-­Investoren nach dem Discord-Bann schnell neu – auf dem Messaging-Dienst Telegram. Diese „Whac-a-Mole“-Draufhau-Dynamik, bei der sich ausgeschlossene Gruppen auf anderen Plattformen neuformieren, ist dem, was mein Forschungsteam und ich im Dark Web beobachtet haben, verblüffend ähnlich.

Finstere Dynamik

Das Dark Web, als verborgener Teil des Internets, ist über spezielle Webbrowser wie TOR leicht zugänglich. Illegaler Handel ist im Dark Web weit verbreitet, vor allem auf finsteren „Marktplätzen“. Dort handeln User Waren mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Silk Road, der als erster finsterer Marktplatz gilt, startete 2011 und verkaufte hauptsächlich Drogen. Nachdem er 2013 vom FBI geschlossen wurde, folgten Dutzende obskurer Marktplätze, auf denen mit Waffen, gefälschten Ausweisen und gestohlenen Kreditkarten gehandelt wurde. Meine Mitarbeiter und ich untersuchten, was passiert, nachdem ein Dark Marketplace durch eine Polizeirazzia oder einen „Exit Scam“ geschlossen wurde – bei dem die Moderatoren des Marktplatzes plötzlich die Website schließen und mit dem Geld der Nutzer verschwinden. Wir konzentrierten uns auf „migrierende“ Nutzer, die ihre Handelsaktivitäten nach einer Schließung auf einen anderen Marktplatz verlagerten.

Wir fanden heraus, dass die meisten Benutzer zu demselben alternativen Marktplatz strömten, typischerweise zu dem mit dem höchsten Handelsaufkommen. Die Migration der Nutzer erfolgte innerhalb weniger Stunden, möglicherweise koordiniert über ein Diskussionsforum wie Reddit oder Dread. Die Gesamthandelsmenge auf den Marktplätzen erholte sich schnell. Obwohl also einzelne Marktplätze anfällig sein können und Teilnehmer durch Betrug Verluste erleiden können, garantiert diese koordinierte Nutzermigration die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Marktplätze, so dass neue Marktplätze weiterhin florieren.

Plattform-Promiskuität

Im Jahr 2006 konkurrierte Facebook um die Vorherrschaft gegen andere soziale Netzwerke wie MySpace, Orkut, Hi5, Friendster und Multiply. Als Facebook begann, die Szene zu dominieren, machten Netzwerkeffekte es unaufhaltsam.

Einfach ausgedrückt: Netzwerkeffekte verstärken die Dominanz von Plattformen, weil wir alle am ehesten den Netzwerkplattformen beitreten, auf denen unsere Freunde bereits aktiv sind. Aufgrund dieser Tendenz wuchsen Facebook und Twitter auf Milliarden von Nutzern an. Hi5 verschwand. Als sich ihre Dominanz herauskristallisiert hatte, hätte ein Verbot von Facebook oder Twitter die totale Ächtung aus der Online-Gemeinschaft bedeutet. Im Jahr 2021 ist alles anders. Globale Communities, die nach Interessen oder politischer Meinung organisiert sind, haben sich etabliert. Sie sind in der Lage, schnell Evakuierungs- oder Migrationspläne für den Notfall zu formulieren. Die Mitglieder sind in der Regel auf mehreren Kanälen in Kontakt – auch auf „ruhenden“ Kanälen, auf denen nur wenige Nutzer aktiv sind. Wie Dark Markets zeigen, können ruhende Kanäle aktiv werden, wenn sie gebraucht werden.

Das bedeutet, dass ein Verbot von Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat, Twitch und anderen nicht mehr dazu führt, dass User isoliert sind oder die Community aufgelöst wird. Stattdessen müssen die Benutzer beim Deplatforming, genau wie im Dark Web, einfach in ein neues Zuhause migrieren, was sie innerhalb weniger Stunden tun.

Lesen Sie auch: Kundenerwartungen – Wie Unternehmen ihre Kunden begeistern können.

Deplatforming, Andrea Baronchelli
Bild: City, University of London

Der Autor Andrea Baronchelli arbeitet als Associate Professor im Bereich für Mathematik an der City University of London. Der komplette Artikel erschien auf der englischen Online-Plattform „The Conversation“, einer unabhängigen Quelle für Nachrichten, die aus der akademischen und Forschungsgemeinschaft stammen.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Redaktionsbrief

Tragen Sie sich zu unserem Redaktionsbrief ein, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wir wollen immer besser werden!

Deshalb fragen wir SIE, was Sie wollen!

Nehmen Sie an unserer Umfrage teil, und helfen Sie uns noch besser zu werden!

zur Umfrage

Aktuelle Ausgabe

Topthema: merry christmas

Jahresendgeschäft – jetzt vorbereiten

Mehr erfahren