Der Brexit und seine Folgen für den E-Commerce

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Am 23.06.2016 werden die Briten über den Austritt aus der EU abstimmen. Ein möglicher „Brexit“ würde nicht nur für Großbritannien politische, soziale und wirtschaftlichen Einschränkungen bedeuten, sondern auch für die große Mehrheit der verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten. Passieren würde zunächst jedoch erst einmal nichts. Rein rechtlich gewährt Artikel 50 des EU-Vertrags den Briten zwar das Recht einen Austritt aus der EU zu forcieren, allerdings wurde hier auch eine 2-jährige Verhandlungsdauer zur Neuregelung der Beziehungen zur EU verankert.
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Am 23.06.2016 werden die Briten über den Austritt aus der EU abstimmen. Ein möglicher „Brexit“ würde nicht nur für Großbritannien politische, soziale und wirtschaftlichen Einschränkungen bedeuten, sondern auch für die große Mehrheit der verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten. Passieren würde zunächst jedoch erst einmal nichts. Rein rechtlich gewährt Artikel 50 des EU-Vertrags den Briten zwar das Recht einen Austritt aus der EU zu forcieren, allerdings wurde hier auch eine 2-jährige Verhandlungsdauer zur Neuregelung der Beziehungen zur EU verankert.

Vor- und Nachteile eines möglichen Austritts

Seit Monaten führen Befürworter und Gegner des Brexits eine hitzige Debatte über Vor- und Nachteile eines möglichen Austritts. Durch die britische Regierungspartei zieht sich ein tiefer Riss. Im Parlament stehen sich Regierung und Opposition mittlerweile so feindselig gegenüber, dass Quentin Peel, langjähriger Korrespondent für die Financial Times, gar von einem Krieg auf Leben und Tod spricht.

Die Befürworter des Brexits werden nicht müde zu argumentieren, dass ein Austritt die Befreiung der zahlreichen unliebsamen Gesetzen und Regulierungen der brüseller Institutionen bedeuten würde. Insbesondere die Freizügigkeitsgesetze und die damit verbundene freie Wahl des Wohnorts und der Zuzug aus dem Süden und Osten der EU ist vielen Briten ein Dorn im Auge. Auch die ungeliebten Mitgliedsbeiträge würden wegfallen. Von 2007 – 2012 zahlten die Briten 78 Milliarden Euro in den EU-Haushalt ein und erhielten im Gegenzug EU-Zuschüsse im Wert von 37 Milliarden Euro.

Die Gegner des Brexits

Die Gegner des Brexits argumentieren in  erster Linie mit der ökonomischen Kostenexplosion. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet vor, dass sich das durchschnittliche Haushaltseinkommen bis 2020 im günstigsten Fall um 2800 Euro verringern würde. Das entspricht einem Rückgang des BIP um 3,3 Prozentpunkte, wobei sich der Verlust bis 2030 auf 5,1 Prozent erhöhen könnte. Das britische Finanzministerium geht sogar von einem jährlichen Verlust von 5400 Euro pro Haushalt aus. Auch der britische Gewerkschaftsbund zeichnet ein ähnlich negatives Bild und prognostiziert den Verlust von bis zu 4 Millionen Arbeitsplätzen aus.

Ein genauerer Blick auf das Handelsvolumen der Briten  lässt einen ersten Rückschluss auf die fatalen Folgen für die Wirtschaft und den Online Handel erahnen. 2014 lagen die britischen Exporte bei 639 Milliarden Euro, wobei  44 Prozent in die EU und davon acht Prozent nach Deutschland gingen. Die Importe lagen bei 682 Milliarden Euro, wobei  53 Prozent aus der EU und 13 Prozent aus Deutschland kamen.  Der entscheidende positive ökonomische Faktor war und ist für die UK der kostengünstige Zugang zum europäischen Markt.

Ein Brexit würde zum Anstieg von tarifären und  nichttarifären Handelshemmnissen führen und somit den Marktzugang in beide Richtungen erschweren. In der UK aktive E-Commerce Schwergewichte zu denen Firmen wie Amazon, Argos, Next, & Tesco gehören, exportieren 50 Prozent ihrer Waren in westeuropäische Märkte. Frankreich ist mit 24 Prozent Anteil der größte Importeur von UK E-Commerce Exporten, gefolgt von Deutschland mit 14 Prozent.

Visual meta, ein Berliner E-Commerce Unternehmen, das weltweit Shoppingportale wie LadenZeile, ShopAlike, Shoppala und UmSóLugar betreibt, geht in ihrer „Brexit Analyse“  von einem Kostenanstieg für Online Shopper innerhalb und außerhalb der UK von 2 Prozent – 15 Prozent aus (abhängig von der jeweiligen Produktkategorie). In der UK angesiedelte E-Commerce Unternehmen hätten mit höheren Lieferkosten und den unterschiedlichen Steuer- und Zollsystemen einen bedeutenden Nachteil. Auf die deutschen Kunden wirkt die Zollfrei-Grenze für Waren aus Nicht-EU-Staaten, die momentan bei 300€ liegt, bereits jetzt stark abschreckend. Ferner würden deutsche Online Shopper Bestellungen aus der UK, welche sich über dem zollfreien Betrag bewegen weitestgehend vermeiden.

Die Modebranche, welche sich traditionell mit preisbewussten Online Kunden konfrontiert sieht,  wäre am härtesten betroffen. Hier geht Visual meta von einem Umsatzrückgang von 2-4 Prozent Prozent aus. Auch die Investitionen innerhalb der UK, insbesondere im E-Commerce Bereich  wo die „cash burn rate“ besonders hoch ist, würden signifikant zurückgehen. Investoren wären von den Kapitalflussrichtlinien (aus der UK in die EU) abgeschreckt und würden ihre potenziellen Investments mit einem niedrigeren return of investment bewerten.

Für den Fall des Brexits  werden die Briten  alle Hebel in Bewegung setzen, um das Free Trade Agreement (FTA) mit der EU aufrechtzuhalten.  Sollte hier keine Einigung erzielt werden, würden zwangsläufig Ungleichheiten in der Steuerstruktur und höhere Zölle für einen signifikanten Anstieg der Kosten für in der UK niedergelassene E-Commerce Unternehmen sorgen. Die Briten könnten auch ähnlich wie Norwegen dem Europäischen Wirtschaftsraum beitreten und bilaterale Abkommen mit der EU aushandeln. Günstig wäre diese Variante mit Sicherheit nicht. Es ist davon auszugehen, dass sich die EU eine britische Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum mit unzähligen Milliarden vergüten lassen würde.

(jm)

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