Deutsche Wirtschaft verlässt Wachstumspfad

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Die deutsche Wirtschaft verabschiedet sich vom Aufschwung: Nach fünf Monaten stetig nachlassender Dynamik ist die Industrie im Oktober erstmals seit zwei Jahren wieder leicht geschrumpft. Das zeigt der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der gegenüber September um 1,2 auf 49,1 Zähler sank und damit unter die psychologisch wichtige Referenzlinie von 50 Punkten rutschte. Werte oberhalb dieser Schwelle signalisieren Wachstum, Werte darunter stehen für einen Abschwung. Tiefer hatte der wichtige Konjunktur-Frühindikator zuletzt im Juli 2009 notiert.


Mit dem ersten, wenn auch geringfügigen Produktionsrückgang endete im Oktober eine 27-monatige Phase kontinuierlicher Ausweitungen. Ausschlaggebend hierfür war der unbefriedigende Auftragseingang bei Global Playern und KMU. Der saisonbereinigte Teilindex Leistung notierte mit 49,7 (September: 52,0) Punkten auf dem tiefsten Stand seit Juni 2009.


„Zurzeit ist viel Psychologie im Markt. Die meisten Unternehmen sind angesichts widersprüchlicher Konjunkturperspektiven verunsichert. Sie reagieren darauf, indem sie Lager abbauen und geplante Investitionsentscheidungen auf Eis legen“, betonte Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in Frankfurt.


„Der EMI zeigt: Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland lässt nach. Das wird sich zur Jahreswende auch in den Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes niederschlagen“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), dem BME. Eine Stagnation im Winterhalbjahr sei somit wahrscheinlich, eine tiefe Rezession lasse sich aus den jüngsten EMI-Zahlen aber nicht ableiten. Weiterhin erfreulich sei der Rückgang der Einkaufspreise. „Vor diesem Hintergrund ist auch die Zinssenkung der EZB zu rechtfertigen. In den nächsten Monaten wird die Inflation weiter zurückgehen“, betonte Traud. Die Durststrecke sei vermutlich noch nicht vorbei; allerdings sollte berücksichtigt werden, auf welch hohem Niveau Deutschland derzeit eine konjunkturelle Delle durchlaufe. „Dies ist kein Grund zur Panik“, so Traud abschließend.


Der Teilindex Auftragseingang fiel zum vierten Mal in Folge unter die 50-Punkte-Marke. Nach immer höheren Verlusten in den vergangenen drei Monaten stand im Oktober mit 45,1 (September: 46,4) Punkten sogar der stärkste Rückgang seit Juni 2009 zu Buche. Die Exportbestellungen von Industrieerzeugnissen Made in Germany gingen so deutlich zurück wie seit knapp zweieinhalb Jahren nicht mehr. Ausbleibende Neuaufträge und zunehmende Überkapazitäten ließen den Auftragsbestand in der deutschen Industrie im Oktober sinken. Dieser Abwärtstrend war zuletzt im Mai 2009 zu beobachten gewesen. Der 19. Jobaufbau in Folge fiel zwar erneut robust aus, der saisonbereinigte Teilindex Beschäftigung erreichte jedoch mit 54,6 (September: 55,7) Punkten den tiefsten Wert seit zwölf Monaten. Dämpfend wirkte sich auch hier der Rückgang der Neu- und Folgeaufträge aus.


Niedrige Auslastung und rückläufiger Auftragseingang veranlassten die Branchenakteure, die Einkaufsmenge im Oktober den vierten Monat in Folge deutlich zu begrenzen. Infolge der weltweit nachlassenden Nachfrage nach Rohstoffen und Vormaterialien verkürzten sich die durchschnittlichen Lieferzeiten im Oktober erneut – namentlich für Stahl, Chemikalien und Kunststoffe. Die Bestände an Vormaterialien nahmen zum zweiten Mal hintereinander und so zügig ab wie zuletzt im Februar 2010. Angesichts geringerer Nachfrage verfolgten die Lagerabbauprogramme in erster Linie den Zweck, die Liquidität der Firmen aufrechtzuerhalten. Zum dritten Mal in Folge und damit so lange wie nie zuvor in der bisherigen Umfragegeschichte weist der Index Fertigwarenlager eine Zunahme der Bestände aus. Verantwortlich hierfür war der Nachfragerückgang, der stärker als erwartet ausfiel. Der entsprechende Langzeit-Durchschnittswert von 47,6 Zählern wurde im Oktober mit 50,4 (Vormonat: 50,2) deutlich übertroffen.


Nachdem sich der Preisauftrieb seit seinem Rekordwert im Februar kontinuierlich abgeschwächt hatte, sanken die durchschnittlichen Einkaufspreise im Oktober mit 49,1 Zählern erstmals seit November 2009 wieder unter die 50-Punkte-Marke. Verbilligt haben sich eine Reihe von Vormaterialien und Rohstoffe, darunter vor allem Stahl und Kupfer. Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbsdrucks und rückläufiger Einkaufspreise konnten die Unternehmen im Oktober nur noch moderate Preiserhöhungen am Markt durchsetzen. Der saisonbereinigte Teilindex Verkaufspreise erreichte mit 51,4 (September: 52,0) Zählern den niedrigsten Wert seit März 2010.


Der „Markit/BME-Einkaufsmanager-Index“ (EMI) ist ein monatlicher Frühindikator zur Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, London, erstellt. Der Index beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (PMI).


 

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