Die neue Unternehmergesellschaft: Risiko oder Alternative zur Limited?

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Existenzgründer und Kleinunternehmer sind mit der Unternehmergesellschaft seit ihrer Einführung im November 2008 in die Selbständigkeit gestartet. Rund 350 neue Unternehmergesellschaften (UG), auch Mini- oder 1-Euro-GmbH genannt, wurden allein in der letzten Woche ins Handelsregister eingetragen. Als ideale Rechtsform und Einstiegsvariante für Unternehmen, die keine Produktionsstätten haben und mit geringem Kapital auskommen, wird die Unternehmergesellschaft gehandelt. Eine spätere Umfirmierung zur GmbH ist möglich. Von der Idee her soll die Gründung – ähnlich der englischen Limited – rasch und mit wenig Kapital zu meistern sein, doch im Geschäftsverkehr können ebenso rasch die ersten Schwierigkeiten auftauchen.

Die Unternehmergesellschaft als gründerfreundliche Sonderform der GmbH ermöglicht es Gründern, auch ohne viel Kapital den Weg in die Selbständigkeit zu wagen. Die Mini-GmbH ist besonders für Kleinunternehmer aus verschiedenen Branchen relevant, darunter Dienstleistung, Gastronomie, Handel und Handwerk. Vorausgesetzt sie können mit geringem Kapitaleinsatz und ohne teure Produktionsstätten arbeiten, das kann etwa ein Versicherungsmakler sein, der mit Computer, Drucker und Telefonanlage arbeitet oder ein Taxiunternehmer mit einem Fahrzeug.

Statt 25.000 Euro wie bei der GmbH ist nach dem Gesetz bei der Gründung einer Unternehmergesellschaft nur ein symbolisches Stammkapital von 1 Euro erforderlich. Dazu kommen Notarkosten sowie die Gebühren für die Eintragung im Handelsregister und die Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger. Wenn Gründer das so genannte “Musterprotokoll” verwenden, reduzieren sich die Notarkosten. Das ist jedoch nur unter der Voraussetzung möglich, dass es bei Gründung maximal einen Geschäftsführer und maximal drei Gesellschafter gibt. Die dann anfallenden Gründungskosten sollten aber auf jeden Fall mit 200 Euro geschätzt werden.

“Von den niedrigen Gründungskosten sollten sich Unternehmer aber nicht täuschen lassen”, warnt Simone Zarnt, Rechtsanwältin in der Frankfurter Kanzlei Schmalz Rechtsanwälte, und empfiehlt Unternehmern Kapitalreserven bereit zu halten und das Stammkapital der Mini-GmbH höher anzusetzen als die jeweils entstehenden Gründungskosten, um nicht direkt in die Unterkapitalisierung zu rutschen. “Sonst können sie mit dem Gründungsantrag auch direkt den Insolvenzantrag stellen.”

Auch die Verwendung des Musterprotokolls kann zusätzliche Kosten nach sich ziehen, denn individuelle Satzungsbestandteile wie zum Beispiel Kündigungsklauseln, Anteilsübertragungen oder erbrechtliche Fragen sind nicht geregelt und machen häufig eine kostenintensive Änderung des Gesellschaftsvertrags nötig. “Da es hier noch einige rechtliche Unsicherheiten und noch keine praktischen Erfahrungen bezüglich späterer Änderungen das Musterprotokolls gibt, sollten Unternehmer den Einsatz des Musterprotokolls vermeiden und gleich eine individuelle Satzung erstellen lassen”, rät Simone Zarnt. “Das erspart im Zweifelsfall auch spätere Änderungen.”

Sind Gründer mit ihren Geschäften erfolgreich, dürfen sie ihren Gewinn nicht voll ausschütten, sondern müssen 25 Prozent davon so lange in die Eigenkapitalrücklage einzahlen, bis das Mindeststammkapital der GmbH von 25.000 Euro erreicht ist. Dann können sie die Unternehmergesellschaft durch Kapitalerhöhungsbeschluss in eine reguläre GmbH umwandeln. Bezogen auf ihr Ansehen und ihre Kreditwürdigkeit im Geschäftsverkehr hat die Unternehmergesellschaft jedoch ähnlich der Limited mit Hürden zu kämpfen. Partner, Kunden und Kreditgeber können abgeschreckt werden. Der Namenszusatz “haftungsbeschränkt”, den die Unternehmergesellschaften zwingend und eindeutig tragen müssen, darf wegen der erforderlichen Transparenz nach auß;en nicht abgekürzt werden. Die Bezeichnung als “Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)” dient dem Schutz der Gläubiger, die darüber informiert sein müssen, dass sie es mit einem Unternehmen mit geringer Kapitalausstattung zu tun haben. Für die Unternehmergesellschaft kann es daher schon schwer werden, selbst einen kleinen Kredit für das Anmieten größ;erer Gewerberäume bewilligt zu kriegen. Auch könnten Neukunden vorsichtig sein, einer solchen Gesellschaft einen Auftrag zu erteilen. Wird dieser Auftrag nicht ordnungsgemäß; ausgeführt, können sie ihren Schadensersatzanspruch möglicherweise nicht erfolgreich durchsetzen.

Gegenüber der englischen Limited bringt die Unternehmergesellschaft jedoch entscheidende Vorteile. Auf die Unternehmergesellschaft als Sonderform der GmbH wird zum einen das gesamte GmbH-Recht angewendet, zum anderen gilt gerade nur der deutsche Rechtsraum. Unternehmen, die als englische Limited eingetragen sind, müssen ihren Jahresabschluss sowohl nach deutschem als auch nach englischem Recht erstellen und einreichen, was erheblichen Aufwand und Kosten mit sich bringt.

Darüber hinaus muss eine englische Limited eine Geschäftsadresse in England unterhalten, sowie einen so genannten “Company Secretary” beschäftigen, der hauptsächlich für administrative Angelegenheiten verantwortlich ist. Auß;erdem fallen weit höhere Folge-Beratungskosten an, denn da die Limited dem englischen Gesellschaftsrecht unterliegt, muss der heimische Rechtsanwalt im Zweifelsfall einen englischen Kollegen hinzuziehen. So kann schon allein deswegen weit höherer Koordinationsbedarf entstehen, was insbesondere schnelle Entscheidungen, beispielsweise bezüglich Haftungsfragen von Geschäftsführern oder ähnlichem, behindern kann.

Simone Zarnt, Rechtsanwältin bei Schmalz Rechtsanwälte in Frankfurt, rät Unternehmern den Schritt in die Selbständigkeit mit der Unternehmergesellschaft sorgfältig zu überlegen und mögliche Alternativen zu prüfen, “denn die GmbH ist in puncto Ruf und Kreditwürdigkeit im Geschäftsverkehr weitaus angesehener als die Unternehmergesellschaft”, sagt Simone Zarnt.

Es reicht, wenn das zunächst hoch erscheinende Stammkapital bei einer GmbH-Gründung zur Hälfte, also 12.500 Euro, eingezahlt wird. Der fehlende Rest muss erst nach Beschlussfassung der Gesellschafter entrichtet werden und das liegt im unternehmerischen Ermessen. Spätestens in der Insolvenz wird der Insolvenzverwalter die fehlenden Stammeinlagen einfordern. Wer also diese 12.500 Euro zur Verfügung hat, sollte gleich mit einer GmbH starten. “Für Unternehmer, die jedoch über sehr wenig Startkapital verfügen, sich möglicher Schwierigkeiten im Geschäftsverkehr bewusst sind, aber dennoch nicht persönlich, sondern nur beschränkt haften wollen, ist die Unternehmergesellschaft eine gute Wahl. Sie ist jedenfalls eine gute Alternative zur englischen Limited, da sie wesentlich unkomplizierter und darüber hinaus ein Sprungbrett zur regulären GmbH ist”, erklärt Simone Zarnt.

Info: http://www.schmalzlegal.com/

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