DIY kommt im Einzelhandel an – neue Plattform gegründet

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Nach dem Erfolg von Onlineshops für Handgemachtes wie DaWanda und Etsy bringt die Handelsplattform seedyaa jetzt individuelle Do-It-Yourself- Produkte in die Geschäfte. Einzelhändler aus ganz Deutschland können seit Anfang des Jahres individuelle Produkte online ordern und auf www.seedyaa.com ihr bestehendes Sortiment mit neuen Ideen aufmischen. Produkthersteller, Designer und Handmade-Anbieter nutzen die Plattform als neuen Vertriebsweg in den Handel.

Nach der Einführung baut das Unternehmen jetzt sein Angebot weiter aus, denn „Do-It-Yourself und individuelles Design sind nicht nur eine Mode, sondern ein gesellschaftlicher Trend“, so Geschäftsführer Marcus Reisiger. Während der besondere Reiz individueller, oft handgefertigter Unikate beim Kunden längst angekommen ist und Shoppingplattformen wie DaWanda oder Etsy ihre Umsätze Jahr für Jahr vervielfachen, schießen auch in der analogen Welt Woche für Woche neue Märkte für Design- und Handmade-Produkte wie Pilze aus dem Boden. Mit trendig-süßen Namen wie hello handmade, Besonders schön, PETIT BOO, kaufrauschen, TrendMafia, DesignGift oder Fräulein Zuckerminz. Und mit meist langen Schlangen vor den Eingängen alter Fabrikhallen von Berlin bis Heidelberg.

Allein im deutschsprachigen Raum gibt es laut seedyaa bereits mehr als 380 Tausend individuelle Produktanbieter und Designer, die ihre eigenen Produktideen selbst herstellen und dafür passende Vertriebswege suchen. Gleichzeitig müssen die bundesweit 460 Tausend örtlichen Einzelhandelsgeschäfte (Quelle: Statistisches Bundesamt) in Zeiten des wachsenden Internet-Shoppings handeln und ihren Kunden vor Ort stets neue und einzigartige Produktideen anbieten.

Der Hang zum Handgemachten und zum eigenen Unikat inmitten der Massenware ist dabei eigentlich nicht weiter verwunderlich. Denn die Selbstverwirklichung, die ein solches Produkt dem Käufer wie auch DIY- Macher verspricht, steht ganz oben auf der höchsten Stufe unserer Bedürfnisse. „Mann / Frau will sich von der Masse abgrenzen und ist dafür auch bereit, ein wenig mehr zu zahlen als für die übliche Massenware“, so Marcus Reisiger (46). Der seedyaa Gründer ist überzeugt, dass sich diese Entwicklung durch andere Faktoren mittelfristig noch verstärken wird: „Die allmähliche Anpassung von Lohnniveaus in Folge der Globalisierung und die weiter steigenden Transportkosten für ein Hemd aus Bangladesch oder eine Vase aus China machen die regionale Produktion nicht nur konkurrenzfähiger, sondern vor allem erstrebenswert. Marke Eigenbau, Öko und Fair ist heute nicht mehr schmuddelig, sondern schick!“

Entsprechend gibt es auf seedyaa – gesprochen {ßiedja} – bereits eine eigene Produktkategorie für Fairtrade & Ökologisch. Hier können die Anbieter vom „handgenähten Kinderkleid aus 100 Prozent ökologischer Baumwolle“ bis zum „recycelten Bikerbelt aus 100 Prozent abgefahrenem Fahrradreifen“ ihre individuellen Produkte anbieten und in den Einzelhandel „aussäen“. Zielgruppe im Bereich der Händler sind vor allem die unabhängigen, meist inhabergeführten Geschäfte, die frei über ihr Produktsortiment und ihre Bezugsquellen entscheiden können. Dies kann laut Gründer Reisiger nicht nur ein Textil- oder Geschenkeladen sein, sondern auch ein Friseur, der seine Wände zum Verkauf von Bildern nutzt und gleichzeitig seinen Kunden etwas Schönes zum Schauen bieten will oder ein Cafe, das an der Kasse handgesägte Postkarten aus Holz anbietet. „Für diese Händler wollen wir eine bequeme Erweiterung zu den etablierten, oft eingefahrenen Bezugsquellen sein und dabei helfen, ihre Sortimente magnetisch zu machen“, sagt Reisiger.

Dabei sieht sich die Plattform eher als Partnerbörse, denn als klassischen Onlineshop. Auf seedyaa präsentieren nicht nur die Hersteller ihre Produkte, sondern auch die Einzelhändler ihr Ladengeschäft. Auf diese Weise können die Produktanbieter vorab einen Eindruck bekommen, in welchem Umfeld ihr Label und ihre Waren präsentiert werden. 

Das Konzept scheint aufzugehen. Seit dem offiziellen Start Anfang 2013 hat sich die Zahl der Mitglieder und Inserate vervierfacht. Mittlerweile nutzen nach Aussage des Unternehmens über 700 Produktanbieter und Einzelhändler mit weit über 1.900 Inseraten den Service der Handelsplattform. Um das Angebot für beide Seiten zügig auszubauen, kann jeder Hersteller und Ladenbesitzer weiterhin kostenlos auf der Plattform inserieren. Bei einem Verkauf wird für den Produktanbieter eine Provision von drei Prozent auf den Nettokaufpreis fällig, bei einem Kommissionsgeschäft fallen nur 1,5 Prozent Gebühren an. Für Händler ist der Service der Beschaffungsplattform komplett kostenlos.

Gegründet wurde das Online-Startup von den Inhabern der WERK4 Werbeagentur und WERK4.1 Neue Medien aus Hamburg: Alessandro Eggers, Esther Heimberger, Björn Kaas, Marcus Reisiger und Frank Wilde. Marcus Reisiger, Geschäftsführer von seedyaa, begann seine Karriere 1998 zur Pionierzeit der deutschen Internet-Agenturen bei elephant seven, wo der studierte Kulturwissenschaftler zahlreiche Kreativ-Preise für die Online- Auftritte der Kunden gewinnen konnte.

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