Domainwelt spürt Krise kaum

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Zumindest auf die Domainwelt hat die allgemeine wirtschaftliche Krisenstimmung kaum Auswirkungen. “Gerade die ersten zweieinhalb Monate 2009 waren die stärksten bisher”, sagt der österreichsiche Registrar nic.at-Geschäftsführer Richard Wein. Eher positiv sei die Stimmung aber auch andernorts gerade in Europa. So wächst auch die Zahl der .de-Domains immer weiter. Damit scheint das allgemeine Umfeld für die geplante Einführung zusätzlicher Top-Level-Domains (TLDs) mit Community- oder Markenbezug zwar gut. Allerdings sind wenige Monate vor dem geplanten Start der ersten Bewerbungsrunde noch viele Fragen offen – sowohl aus Sicht von Kritikern als auch Befürwortern.

Erst Mitte des Monats gab es in Barcelona einen Workshop des Council of European National Top Level Domain Registries (CENTR), wo etwa 50 Registrys vertreten waren. “Es ist fast nirgends etwas von Krise zu spüren”, berichtet Wein. Einzig die sogenannten “Domainer”, die vom Handel mit und den Werbeeinnahmen von geparkten Domains leben, seien nennenswert betroffen. Nic.at selbst dagegen meldet eine anhaltend positive Entwicklung und mit heute, Freitag, über 836.000 registrierte .at-Domains. Im Jahr 2010 hofft man, die Mio.-Grenze zu knacken. Auch die deutsche .de-TLD wächst immer weiter. Nachdem im April 2008 die Zwölf-Millionen-Marke überschritten wurde, gibt es heute schon mehr als 12,7 Millionen .de-Domains.

An sich ist das Umfeld also gut für die geplante Einführung neuer TLDs. Dennoch bezeichnet Wein die aktuelle Planung, ein erstes Bewerbungsfenster noch im Dezember dieses Jahres zu öffnen, als “sehr ambitioniert”. Denn die oberste Internetverwaltung ICANN muss vorher noch Studien etwa zu Markenrechtsfragen rund um neue TLDs durchführen. Hier sehen Kritiker ein groß;es Risiko an “.berlin” und Co, vor dem erst kürzlich die World Intellectual Property Organization gewarnt hat . Proctor & Gamble etwa habe abgeschätzt, dass Domainregistrierungen zu Markenschutzwecken, die durch neue TLDs nötig werden, Kosten im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich mit sich bringen würden. Auß;erdem sind Streits vorprogrammiert, etwa rund um “.apple”. Hier könnte das Technikunternehmen erneut in Konflikt mit der Beatles-Plattenfirma Apple Corps geraten oder auch der amerikanischen Vereinigung der Apfelzüchter. Ein weiterer Kritikpunkt ist eine mögliche Verwirrung der Nutzer.

Doch auch für Befürworter neuer TLDs sind noch wichtige Fragen offen. Dazu zählt etwa, als welche Art von TLD sie in der Struktur des Internets zählen und wer für Grundsatzentscheidungen innerhalb der TLD verantwortlich wäre. Hier wollen sich manche Interessenten nicht von der ICANN dreinreden lassen, die mit der US-Regierung verbunden ist. Auß;erdem will die ICANN internationalisierte Domainnamen auf TLD-Ebene – darunter solche in arabischen, chinesischen oder kyrillischen Schriftzeichen – gleichzeitig mit den anderen neuen TLDs einführen. Das stöß;t unter anderem den Russen sauer auf, die nötigenfalls mit einer eigenen Lösung und damit einer Fragmentierung des Internets drohen.

Auß;erdem ist die Frage, für wen sich das teure Projekt einer eigenen TLD wirklich lohnt. “Vor allem für Tourismusregionen oder bekannte Marken wird diese Möglichkeit attraktiv”, meint Wein. Angesichts der hohen Kosten solch eines Projekts und der damit verbundenen Zahl an Domainregistrierungen, die für eine rentable, unsubventionierte Umsetzung nötig wären, ist er aber skeptisch, ob sich optimistische Prognosen, die teils mehrere Tausend neue TLDs erwarten, erfüllen werden.

Info: https://www.centr.org/

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Werbung

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.