01.02.2024 – Kategorie: IT, eCommerce

E-Payment: „Deutschland ist einer der spannendsten Märkte für Brite“

E-PaymentQuelle: Murrstock - Adobe Stock

„Deutschland ist einer der spannendsten Märkte für uns“, sagt Lena Hackelöer, Gründerin von Brite Payments, einem E-Payment-Anbieter aus Stockholm. Wie Brite Payments Geldinteraktionen durch Echtzeitzahlungen revolutionieren will und welche weiteren Pläne das Unternehmen hat, erklärt Lena Hackelöer im Interview.

Mit dem Fokus auf die europäische Open-Banking-Regulierung hat Brite Payments die Möglichkeit, auf autorisierte Weise auf Finanzdaten und -dienstleistungen von Banken zuzugreifen. In diesem Kontext erläutert Hackelöer die Bedeutung von Open Banking in Deutschland und Europa, erläutert die regulatorischen Entwicklungen bis 2024 und skizziert die Pläne von Brite, E-Payment-Lösungen wie Instant Payments und Instand Payouts einzuführen.

Welche Rolle spielt Open Banking in Deutschland und Europa?

Lena Hackelöer: Ein klarer regulatorischer Rahmen, wie ihn die EU derzeit schafft, ist maßgeblich für den Erfolg von Open Banking. Neue Player wie zum Beispiel Brite Payments bauen auf diesen europäischen Regularien auf und machen sich zum Beispiel die Reife des deutschen Marktes – initiiert durch Services wie Sofortüberweisung – zunutze. Open Banking ist in Deutschland also kein neues Phänomen. Was wir aber erleben werden, ist eine Massentauglichkeit. Vielmehr Menschen, Privatpersonen wie Unternehmen, werden von Open-Banking-Lösungen für E-Payment profitieren und diese selbstverständlich in ihrem Alltag nutzen. In ein paar Jahren werden wir uns fragen, warum wir damals 24 Stunden bis drei Tage auf Gelder gewartet haben.

Ein Gedanke zum Thema Schnelligkeit: Instant Payments haben nicht umsonst „Instant“ im Namen. Hier gibt es schon Märkte, die eine überraschend gute E-Payment-Infrastruktur haben, zum Beispiel Indien oder Brasilien. In Europa haben wir zwar SEPA Instant. Das funktioniert allerdings noch nicht wirklich für alle Banken und Nutzer. Gleichzeitig läuft das System nur in der Währungsunion. Schweden, Dänemark, Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien und Bulgarien sind also ausgeschlossen, sowie andere europäische Länder wie Großbritannien. Allerdings holt unsere Zahlungs-Infrastruktur hier schnell auf, sodass Europa die perfekten Voraussetzungen hat. Provider wie Brite schließen dann die Lücken über Europa hinweg.

Wie sieht die Open-Banking-Regulatorik in Europa 2024 aus?

Lena Hackelöer: Mit großer Sicherheit können wir im Ausblick auf 2024 sagen, dass wir an der Schwelle zum Open Banking 2.0 stehen. Die Payment Services Directive (PSD2) hat den Rahmen für die erste Welle von Open-Banking-Innovationen in Europa angestoßen. Nun nimmt die dritte Version der Payment Services Directive (PSD3) der Europäischen Union Gestalt an. Open-Banking-Payments erweisen sich dabei bereits heute als einer der vielversprechendsten Aspekte des Open Banking.

Obwohl PSD3 und die damit verbundene Payment Services Regulations (PSR) vermutlich erst 2026 in Kraft treten, werden sie im kommenden Jahr erheblichen Einfluss auf die Branche haben und zweifellos die nächste Phase der Entwicklung von Open Banking in Europa prägen. Ein Beispiel für die neue Open-Banking-Generation ist Brite. Über unser Netzwerk, das 3.800 Banken in Europa verbindet, ermöglichen wir Zahlungen und Auszahlungen in Echtzeit. Das kann eine Zahlung im Onlineshop genauso sein wie die Auszahlung einer Versicherung an den Versicherungsnehmer.

Welche Länder oder Regionen werden im kommenden Jahr für Brite besonders interessant sein?

Lena Hackelöer: Wir wollen mit Brite Instant Payments und Instant Payouts in zahlreichen Ländern und Branchen in ganz Europa einführen. Großbritannien hat in Bezug auf die Akzeptanz und Nutzung von Open-Banking-basierte E-Payments im Jahr 2023 wichtige Meilensteine erreicht und ist in vielerlei Hinsicht der reifste Markt in Europa. Langfristig sind für Open-Banking-Provider aber vor allem Märkte wie Deutschland interessant: Hier gab es in der Vergangenheit schon einen frühen Vorreiter (Sofortüberweisung). Jetzt haben sich die Rahmenbedingungen aber verändert und neue Player haben extrem viel Potential, das bereits von Teilen der Kunden gelernte User Behavior zu nutzen und so Open Banking zum Massenphänomen in Deutschland zu machen. Deutschland ist daher einer der spannendsten Märkte für uns.

Wie werden sich das Marktwachstum und die Akzeptanz von Instant Payments und Payouts entwickeln?

Lena Hackelöer: Die Integration von Instant Payments und Payouts zum Beispiel bei E-Commerce-Händlern geht in letzter Zeit immer schneller. Ich glaube, dass 2024 das Jahr sein wird, in dem Instant Payments als Zahlungsmethode für den Einzelhandel in Europa wirklich im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit ankommen wird. Der Beschluss der Europäischen Kommission, die Nutzung von Instant Payments für alle Transaktionen in der Eurozone vorzuschreiben und die vorläufige Zustimmung des Europäischen Parlaments und des Rates werden dafür eine wichtige Triebkraft darstellen.

Händler werden 2024 die E-Payment-Lösungen Instant Payments und Payouts bewusst als Ergänzung für ihre Checkout-Prozesse wahrnehmen und anbieten. Durch Initiativen SEPA Instant werden Echtzeitzahlungen in allen Aspekten des öffentlichen Lebens etablierter und Verbraucherwartungen werden steigen. Das bedeutet für Händler, dass sie diesen Erwartungen gerecht werden müssen. Das ist eine riesige Chance, Verbraucher an eine neue Kategorie von Zahlungen heranzuführen. Es gab also nie eine bessere Zeit, Instant Payments einzuführen und gleichzeitig effizienter zu arbeiten. Dementsprechend wird sich die Akzeptanz ab hier sehr viel schneller entwickeln.

Welche Branchen werden von Open-Banking-Payments besonders profitieren?

Lena Hackelöer: Viele Händler in ganz Europa planen derzeit die Einführung von E-Payment wie Instant Payments und/oder Payouts für die sehr nahe Zukunft. Ich bin zuversichtlich, dass 2024 einige Branchen besonders hervorstechen werden. Darunter sind neben E-Commerce-Branche auch Online-Marktplätze, Gigworking-Plattformen und die E-Auto-Branche – um nur einige mit großem Potenzial zu nennen.

E-Payments
Lena Hackelöer ist Gründerin und CEO von Brite Payments. (Bild: Brite Payments)

Zur Person: Lena Hackelöer gehört laut Forbes zu den Top-10-Frauen in European FinTech 2023. Sie kam zu Beginn ihrer Karriere zu dem damals noch jungen Unternehmen Klarna, wo sie wichtige Führungspositionen übernahm, bevor sie als CEO bei Qliro Financial Services eingestiegen ist. Im Jahr 2019 gründete sie mit Brite Payments ihr eigenes Unternehmen. Hinter ihrem Ehrgeiz und Tatendrang steht eine echte Leidenschaft für Fintech sowie die Entschlossenheit, die nächste Generation von Echtzeit-Überweisungen aufzubauen. Brite Payments wird seit Gründung von Lena geleitet und ermöglicht Konto-zu-Konto-Zahlungen (A2A-Payments). Im Oktober 2023 sammelte Brite Payments eine Finanzierungsrunde über 60 Millionen US-Dollar ein. Das Unternehmen ist derzeit in 26 europäischen Ländern tätig und verbindet 3.800 Banken in der EU in seinem Netzwerk. (sg)

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