Europäische Verbraucher rechnen nicht mit einer schnellen Wirtschaftserholung

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 In den Sommermonaten hatte die Europäische Union mit neuen Unsicherheiten zu kämpfen. Zum einen stiegen die Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen drastisch in die Höhe. Zum anderen war lange Zeit unklar, ob Deutschland wegen einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht aus dem Rettungsfonds ESM aussteigen muss. Hinzu kamen weitere rezessive Tendenzen in vielen europäischen Staaten. Die Verbraucher haben fast überall mit entsprechender Unsicherheit reagiert. Die Werte der Indikatoren Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie die Anschaffungsneigung sind in fast allen betrachteten Staaten deutlich gesunken. Das sind Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa und USA, das einen Überblick über die Entwicklung von Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung der Konsumenten in zwölf europäischen Staaten sowie den USA gibt.


Europa hat einen heißen Sommer hinter sich. Die Krise in Griechenland ist erneut aufgeflammt. Spanien und Italien mussten immer höhere Zinsen für ihre Staatsanleihen bezahlen. Schließlich konnte die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte beruhigen, indem sie verkündete, Staatsanleihen von Krisenländern in unbegrenzter Höhe aufzukaufen. Bedingung: Das Land muss Hilfen vom Europäischen Rettungsfonds ESM beantragen und von der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF vorgegebenen Spar- und Reformanstrengungen umsetzen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor war die am deutschen Bundesverfassungsgericht anhängige Klage, dass Deutschland sich nicht länger an der Finanzierung des ESM beteiligen dürfe. Als die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bekannt gegeben wurde, dass die Klage abgewiesen würde und Deutschland unter geringen Auflagen weiterhin den ESM mitfinanzieren darf, atmeten alle europäischen Staaten auf.


Zudem haben sich in den Sommermonaten die wirtschaftlichen Rahmendaten in den meisten europäischen Ländern, wenn nicht verschlechtert, so zumindest auch nicht gerade verbessert. Die Verbraucher rechnen mit einer weiterhin rückläufigen Wirtschaftskraft. Die Arbeitslosigkeit ist ebenfalls fast überall noch einmal angestiegen. Europaweit liegt sie aktuell bei rund 11 Prozent. Die Regierungen versuchen weiterhin, durch strikte Sparmaßnahmen sowie durch Steuererhöhungen ihre Staatsdefizite in den Griff zu bekommen. Vor allem in den Krisenstaaten führte dies zunehmend zu Protesten der Bevölkerung. Viele Verbraucher können keine weiteren Einschnitte mehr verkraften und sind nicht weiter bereit, die Maßnahmen ihrer Regierungen mitzutragen, ohne die Aussicht auf eine Verbesserung ihrer Lage erkennen zu können.


USA: Amerikaner trotz schleppender Wirtschaft positiv gestimmt


Die USA befinden bisher nicht auf einem klaren Wachstumskurs. Die Wirtschaftsdaten schwanken von Monat zu Monat. Das nach wie vor größte Problem stellt die hohe Arbeitslosigkeit da, die kontinuierlich bei rund 8 Prozent liegt. Damit ist sie zwar geringer als zu Beginn des Jahres. Allerdings haben viele – vor allem ältere – Amerikaner inzwischen aufgegeben, einen Job zu suchen. Experten sagen voraus, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr insgesamt um etwa 2,5 bis 3 Prozent wachsen wird. Dies reicht jedoch nicht aus, dem Arbeitsmarkt die notwendigen Impulse zu verleihen. Deshalb hat die Federal Reserve Bank, die amerikanische Notenbank, ein großes Programm aufgelegt, um die amerikanische Wirtschaft zu beleben. Die Bank wird Schuldenpapiere im Wert von 40 Milliarden Dollar pro Monat aufkaufen – zeitlich unbegrenzt, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt nachhaltig gebessert hat. Zudem wird die Notenbank den bereits bei faktisch 0 Prozent liegenden Leitzins bis mindestens Mitte 2015 nicht erhöhen. Bisher war dafür Ende 2014 avisiert. Das Geld, das die Notenbank auf diese Weise in den Markt gibt, soll helfen, günstige Kredite an Unternehmen und private Haushalte zu vergeben, um die Konjunktur zu stimulieren. Wollen die USA ihre Wirtschaftskrise jedoch langfristig überwinden, werden sie nicht an schmerzhaften strukturellen Veränderungen der Wirtschaft vorbei kommen.


Anders als es die verhaltenen Wirtschaftsdaten vermuten ließen, sind die amerikanischen Verbraucher jedoch zunehmend zuversichtlich. Alle drei Indikatoren stiegen in den vergangenen drei Monaten an. Die Konjunkturerwartung erreicht im September mit 33 Punkten sogar den mit Abstand höchsten Wert, seit der Erhebung des Indikators im März 2011. Allein von August bis September stieg dieser um 11,5 Punkte. Die Einkommenserwartung liegt mit 23,8 Punkten rund 9 Punkte höher als im Juni. Davon profitiert auch die Anschaffungsneigung der amerikanischen Verbraucher, die ebenfalls um rund 9 Punkte auf jetzt -0,2 Punkte ansteigt. Diese positive Einschätzung der persönlichen Situation korrespondiert mit der zunehmend positiven Beurteilung der aktuellen Politik. In einer Umfrage von AP und GfK geben deutlich mehr Verbraucher als noch vor einem Jahr an, dass die Aktivitäten im Land in die richtige Richtung gelenkt werden. Waren im August 2011 nur 21 Prozent dieser Meinung, sind es aktuell 42 Prozent. Die gegenteilige Meinung vertraten vor einem Jahr 75 Prozent, jetzt jedoch nur noch 48 Prozent.


Deutschland: starker Arbeitsmarkt trägt die Konjunktur


Die Deutschen sind inzwischen überzeugt, dass die europaweite Wirtschaftskrise auch ihr Land in den nächsten Monaten zunehmend treffen wird, da die gesamte Weltwirtschaft auch nicht mehr boomt. Diese Erkenntnis hat jedoch kaum Auswirkungen auf die Einkommensaussichten der Verbraucher sowie deren Konsumentenverhalten. Beide Indikatoren sind in Deutschland nach wie vor auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Grund dafür ist vor allem der konstant stabile Arbeitsmarkt. In diesem Jahr werden sich voraussichtlich im Durchschnitt 41,6 Millionen Menschen in einem Arbeitsverhältnis befinden. Das ist die höchste Zahl in der Geschichte der Bundesrepublik. Im nächsten Jahr sollen sogar noch 120.000 Personen dazu kommen. Damit stünden 2013 fast zwei Millionen Menschen mehr im Arbeitsprozess als noch 2007. Entgegen vieler andersartiger Behauptungen prägen nicht Mini-Jobs und Scheinselbstständige das deutsche Jobwunder. Vielmehr sind es ganz überwiegend sozialversicherungspflichte Stellen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Diese neuen Arbeitsplätze bilden das Fundament der deutschen Konjunktur. Wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, gibt auch Geld für größere Anschaffungen aus – etwa für Möbel oder  eine Immobilie. Hinzu kommen die in Deutschland vergleichsweise wohlhabenden Rentner. Sie konnten sich in diesem Jahr erstmals seit langem wieder über eine spürbare Rentenerhöhung freuen.


Konjunkturerwartung: Italiener erwarten Besserung


Im Spätsommer kam die europäische Finanzkrise Anfang September mit Macht zurück. Die immer höher steigenden Refinanzierungszinsen für Italien und Spanien ließen die Märkte erneut darüber spekulieren, wann eines der beiden Länder tatsächlich die Hilfe des europäischen Rettungsschirms ESM in Anspruch nehmen muss. Diese erneute Verschärfung der Krise hat auch die Konjunkturerwartung der europäischen Verbraucher stark beeinflusst. In fast allen Ländern ist der Indikator dementsprechend gesunken. Die niedrigsten Werte verzeichnen im September die Tschechische Republik (-59,8 Punkte), Portugal (-57,1 Punkte) und Spanien (-52,0 Punkte). Am besten stehen Deutschland (-17,3 Punkte), Rumänien (-20,4 Punkte) und Großbritannien (-28,8 Punkte) da.


Die Rezession in einigen Ländern der Eurozone lässt schließlich auch die deutschen Konsumenten befürchten, dass die Bundesrepublik in den Sog der Rezession vieler anderer EU-Staaten geraten könnte. Der Indikator sank von 3 Punkten im Juni auf -17,3 Punkte im September. Bislang zeigt sich die deutsche Wirtschaft zwar noch widerstandsfähig, das Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Quartal jedoch verlangsamt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zur Vorperiode nur noch um 0,3 Prozent, nachdem im ersten Vierteljahr noch ein Zuwachs von 0,5 Prozent zu verzeichnen war. Die wirtschaftliche Schwäche in einer Reihe europäischer Länder hat dazu geführt, dass die deutschen Exporte nach Europa spürbar zurückgegangen sind. Vor allem die negative Entwicklung in Spanien, Italien und Griechenland hat die Ausfuhren in diese Länder einbrechen lassen. Im September hat sich der Indikator zwar stabilisiert, eine echte Erholung ist derzeit jedoch nicht zu erwarten.


Die italienische Wirtschaft hat hart mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft voraussichtlich in diesem Jahr um 2,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell bei 10,6 Prozent. Im Laufe des kommenden Jahres soll sie auf mehr als 12 Prozent steigen. Besonders beunruhigend ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit von derzeit über 32 Prozent. Doch trotz dieser schwierigen Situation rechnen die Italiener mit einer konjunkturellen Verbesserung in den nächsten Monaten. Dafür gibt es einen einzigen Grund – und der heißt Monti. Auf dem Regierungschef ruhen derzeit die Hoffnungen der italienischen Bevölkerung, aber auch des Auslands. Er hat der italienischen Politik wieder zu Ansehen und Respekt verholfen. Er sorgt dafür, dass die angekündigten Reformen umgesetzt werden und die Finanzmärkte so wieder Vertrauen in das Land gewinnen. Allein sein Versprechen, dass die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden, reicht aus, um die Märkte zu beruhigen. Diese Überzeugung, dass er das Land aus der Krise führen kann, zeigt sich ganz klar in den Konjunkturerwartungen der Verbraucher. Lag der Indikator im Juni noch bei -60,2 Punkten, hat er sich über den Sommer um rund 26 Punkte auf aktuell -33,6 Punkte erholt.


Auch die Wirtschaft in Frankreich kämpft mit den Folgen der europäischen Finanzkrise. Das Bruttoinlandsprodukt weist aktuell zum dritten Mal hintereinander ein Nullwachstum auf. Die Arbeitslosigkeit ist mit rund 11 Prozent selbst für französische Verhältnisse hoch. Im August hat sie die psychologisch wichtige Marke von 3 Millionen Arbeitslosen überschritten. Auch wenn die Regierung versucht, mit verschiedenen Mitteln die Wirtschaft sowie die Konsumfreude der Franzosen anzukurbeln und von einem Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr von 0,8 Prozent ausgeht, glauben die Verbraucher offensichtlich nicht, dass dies gelingt. Die Konjunkturerwartung liegt im September bei -40,6 Punkten. Im Juni beurteilten die Franzosen die Lage noch deutlich positiver. Der Indikator erreichte damals -8,2 Punkte. Nach Ansicht der Franzosen steht ihrer Wirtschaft – wie in vielen anderen europäischen Ländern auch – ein harter Strukturwandel bevor. Die Arbeitskosten sowie das Außenhandelsdefizit müssen sinken, die Wirtschaft insgesamt wettbewerbsfähiger werden.


Einkommenserwartung: Spanier und Portugiesen kämpfen mit hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen


Die Einkommenserwartung der europäischen Verbraucher ist im Zuge der stark verschlechterten konjunkturellen Aussichten nahezu überall deutlich gesunken. In fast allen europäischen Ländern werden über Sparmaßnahmen der Regierung sowie Steuererhöhungen diskutiert. Die geringste Hoffnung auf steigende Einkommen haben die Verbraucher in Italien (-65 Punkte), in Spanien (-58,4 Punkte) sowie in Griechenland (-57 Punkte). Die höchsten Werte finden sich in Deutschland (23,9 Punkte), in Österreich (-12,2 Punkte) und in Rumänien (-14,1 Punkte).


In Spanien ist im Sommer die Finanzkrise mit Macht zurückgekommen. Nachdem das Land bereits Hilfen für den angeschlagenen Banksektor beantragt hatte, stand jetzt zur Debatte, ob es möglicherweise doch ganz unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen muss. Bisher konnte die spanische Regierung diesen Schritt vermeiden. Damit dies auch so bleibt, muss das Land weiterhin konsequent sparen und Reformen durchführen. Die Einkommenserwartung der spanischen Verbraucher ist daher im August auf den niedrigsten Wert seit Anfang 2009 gesunken. Aktuell liegt er bei -58,4 Punkten. Die Spanier haben jedoch genug von den Reformen, die in ihren Augen bisher nur eine Verschlechterung der Situation gebracht haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 25 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei knapp 50 Prozent. Das Wirtschaftswachstum des Landes sinkt stetig. Für das Jahr 2012 wird inzwischen ein Minus von 1,3 Prozent erwartet.


Portugal gilt bisher als Musterschüler der Staaten, die aus dem europäischen Rettungsfonds Kredite bekommen haben. Die Regierung hat die geforderten Reformen schnell umgesetzt und hält strikt an ihrem harten Sparkurs fest. Der Export ist erstaunlich stabil und auch das Außenhandelsdefizit wird zügig abgebaut. Da die portugiesische Wirtschaft jedoch nach wie vor tief in der Rezession steckt, hat die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission beschlossen, dem Land ein Jahr mehr Zeit zur Erfüllung seiner Defizitkriterien zu geben. Die größten Schwierigkeiten liegen bei der hohen Arbeitslosigkeit von aktuell rund 15 Prozent sowie den geringen Einkommen. Dass sich an dieser Situation in naher Zukunft nichts ändern wird, davon gehen die portugiesischen Verbraucher aus. Die Einkommenserwartung ist über den Sommer wieder eingebrochen. Aktuell steht sie bei -55,4 Punkten. Im Juni lag sie noch bei -33,7 Punkten. Die Krise dauert augenscheinlich auch in Portugal doch länger als die Verbraucher noch Mitte des Jahres angenommen haben.


Seit Mitte letzten Jahres hat sich die Einkommenserwartung der Rumänen deutlich verbessert, auch wenn sie seit Juli wieder einen kleinen Rückschlag verkraften muss. Der Indikator liegt aktuell bei -14,1 Punkten. Seinen Tiefstwert hatte er im Juni 2010 mit -72,7 Punkten. Die Wirtschaftsleistung in Rumänien wächst in diesem Jahr mit voraussichtlich 0,5 Prozent langsam. Im Vergleich zu vielen europäischen Ländern, die nach wie vor mit einer Rezession kämpfen, ist das durchaus positiv. Die Arbeitslosigkeit ist mit 4,9 Prozent niedrig. Allerdings zählen die Löhne und Gehälter nach wie zu den geringsten in der Europäischen Union. Daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern. Selbst bei einem guten Wirtschaftswachstum sind die Steigerungsmöglichkeiten sehr gering. Diese Tatsache schätzen auch die rumänischen Verbraucher sehr realistisch ein.


Anschaffungsneigung: Verbraucher in Bulgarien wollen konsumieren


In den meisten betrachteten Ländern ist auch die Anschaffungsneigung in den vergangenen Monaten im Sog von Konjunktur- und Einkommenserwartung deutlich gesunken. Ausnahmen sind Deutschland, Bulgarien und Polen. Die niedrigsten Werte verzeichnen Italien (-51,5 Punkte), Portugal (-45,8 Punkte) und Griechenland (-44,4 Punkte). Die größte Kauflust verspüren nach wie vor die Deutschen (33,1 Punkte) sowie die Österreicher  9,1 Punkte) und Bulgaren (5,2 Punkte).


Die Anschaffungsneigung der Briten ist in den vergangenen Monaten wieder insgesamt um insgesamt 9,5 Punkte gesunken und steht derzeit bei -51,5 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Januar 2009. Insgesamt war die Einschätzung der Verbraucher in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung noch nie so lange so schlecht. Selbst die Großereignisse in London wie die Olympischen Spiele sowie das diamantene Thronjubiläum der Queen konnten die Stimmung nicht positiv beeinflussen. Die Arbeitslosigkeit liegt immer noch bei etwa 8 Prozent, wobei vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit auf einem hohen Niveau ist. Gerade das ist für Großbritannien ungewöhnlich. Die Verbraucher rechnen damit, dass die Wirtschaft noch eine ganze Weile brauchen wird, um sich zu erholen. Entsprechend vorsichtig sind sie mit größeren Ausgaben. Zwar hat die Regierung angekündigt, die Wirtschaft weiter zu stimulieren und große Infrastrukturprojekte aufzusetzen. Ob diese Maßnahmen wirken, werden die nächsten Monate zeigen.


Bulgarien ist eines der wenigen Länder, in denen die Anschaffungsneigung der Verbraucher im September gestiegen ist. Sie liegt aktuell bei 5,2 Punkten. Das ist der dritthöchste Wert in den betrachteten Ländern. Dafür gibt es zwei Ursachen. Zum einen hat die Regierung angekündigt, Anfang nächsten Jahres den Rentnern einen Inflationsausgleich zu zahlen. Damit soll die Kaufkraftminderung seit Juli 2009 ausgeglichen werden. Der zweite Punkt ist die Tatsache, dass die bulgarische Regierung ebenfalls ab Anfang nächsten Jahres eine neue Steuer einführen möchte. Demnach werden ab Januar 2013 Zinserträge auf Bankguthaben steuerpflichtig. Die Verbraucher möchten jetzt offensichtlich die Zeit bis zum Jahresende nutzen und ihr mühsam erspartes Geld lieber in werthaltige Anschaffungen zu investieren als im nächsten Jahr auf ihre Zinsen Steuern zu bezahlen.


Die tschechische Wirtschaft wird in diesem Jahr vermutlich um 1 Prozent schrumpfen. Ursächlich dafür ist in erster Linie die schwache Binnennachfrage. Zwar liegt die Arbeitslosigkeit mit konstant etwa 6,8 Prozent auf einem guten Niveau. Allerdings sinken die Reallöhne. Hinzu kommt der strikte Sparkurs der Regierung, der den finanziellen Spielraum der Verbraucher immer mehr einengt. Die Wirtschaftsentwicklung in der tschechischen Republik kann derzeit nicht mit der in den Nachbarländern Deutschland, Österreich und Slowakei mithalten. Die Verbraucher rechnen ganz offensichtlich kurz und mittelfristig nicht mit einer Verbesserung der Lage. Deshalb sparen sie lieber ihr verbleibendes Geld, als es in den Konsum zu investieren. Diese Entwicklung zeigt sich ganz deutlich in der Anschaffungsneigung der tschechischen Verbraucher. Sie ist im September mit -38,7 Punkten auf den niedrigsten Stand seit 1996 gesunken.


Studie


Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der internationalen Ausweitung der Studie GfK-Konsumklima MAXX und basieren auf Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission in allen Ländern der Europäischen Union monatlich durchgeführt werden. Das GfK Konsumklima Europa gibt einen Überblick über die Entwicklung von Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung der Konsumenten in Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und der Tschechischen Republik. Diese zwölf Länder umfassen rund 80 Prozent der Bevölkerung der 27 EU-Staaten.


 

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