Fairtrade und Nachhaltigkeit in Onlineshops: Inwiefern funktioniert Transparenz in der Lieferkette?

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Fairtrade und Nachhaltigkeit in Onlineshops: Inwiefern funktioniert Transparenz in der Lieferkette?

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Besonders Fairtrade Onlineshops legen viel Wert auf Nachhaltigkeit und setzen auf mehr Transparenz in der Lieferkette. Funktioniert das?
Fairtrade Onlineshops

Quelle: Save the Children/Christina Feldt

In Zeiten von Fairtrade Onlineshops und Social Responsibility werden die Themen Verantwortung
und Nachhaltigkeit immer mehr zu einem entscheidenden Kauffaktor. Bisher gibt es weder Siegel
noch Zertifikate, die den Onlinehandel leiten könnten. Nachhaltigkeit und Transparenz
in der Lieferkette bei Zulieferern nachzuvollziehen ist gerade für mittelständische Onlinehändler
schwierig. Zudem stehen CSR-Aktivitäten von Unternehmen immer wieder im Ruf nur „Greenwashing“ oder auch „Socialwashing“ zu sein. Wie funktioniert also Nachhaltigkeit richtig?

Fairtrade Onlineshops setzen auf Transparenz

Dafür schauen wir uns die Textilindustrie genauer an. Dort werden Produktionsbedingungen, soziale Standards und Kinderarbeit immer wieder thematisiert. „Unternehmen der deutschen Textil- und Modeindustrie arbeiten weltweit nach höchsten Umwelt- und Sozialstandards“, erläutert Dr. Maria Rost, Leiterin CSR (Corporate Social Responsability) beim Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie. „Nachhaltigkeit gehört damit seit jeher zur DNA unserer kleinen und mittelständischen, zumeist eigentümergeführten Unternehmen.“ Dazu zählt auch die Transparenz entlang der Lieferkette. Denn mittelständische Unternehmen pflegen über lange Zeit gewachsene Geschäftsbeziehungen zu ihren Lieferanten und haben teilweise in den Produktionsländern eigene Standorte, an denen sie fertigen.

Nachhaltige Lieferketten

Doch eine einheitliche Transparenz in Bezug auf Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu gewährleisten ist schwierig. Der Grund: Die verschiedenen Produktwelten sind zu komplex, als dass sie einfach auseinanderdividiert werden könnten. Eine Übersicht über vorhandene Siegel oder Zertifizierungen, die eine Orientierung geben, gibt es noch nicht. Deshalb ist es gerade für mittelständische Onlinehändler und Fairtrade Onlineshops kompliziert und aufwändig, eine eigene Risikobewertung mit entsprechendem Monitoringsystem für Lieferketten aufzusetzen. Auch in der Textilindustrie sind soziale Mindeststandards und vor allem das Thema Kinderarbeit schwierig zu bewerten. Es ist also besonders wichtig, eigenes Hintergrundwissen aufzubauen.

Heimarbeit = Kinderarbeit?

Vielen ist beispielsweise nicht bekannt, dass nach Schätzungen der International Labour Organization, kurz ILO, rund 300 Millionen Heimarbeiter weltweit einen wesentlichen Teil zur globalen Wertschöpfungskette in zentralen Bereichen der Textil- und Bekleidungs-, Leder-, Teppich- und Elektroindustrie beitragen. Dabei wird Heimarbeit immer noch oft mit Kinderarbeit gleichgesetzt, was nicht automatisch der Fall ist. Wie die internationale Studie „Zum Wohle des Kindes? Heimarbeit in Textillieferketten“ von Save the Children, der weltweit größten Kinderrechtsorganisation, herausfand, profitieren gerade wirtschaftlich und sozial benachteiligte Frauen sowie arme Familien von Heimarbeit. Die Macher der Studie, die erstmals Fakten zur Heimarbeit offenlegt, untersuchten die Situation in China, Bangladesch, Indien, Indonesien, Myanmar, Malaysia und Vietnam.

Das Ergebnis: Ein Anteil von 19 Prozent der Heimarbeiter beziehen die eigenen Kinder in die Arbeit ein. Dabei handelt es sich meist um leichte Arbeiten. Allerdings: Eltern, insbesondere Mütter, haben dank der Heimarbeit mehr Zeit, sich um die Kinderbetreuung und deren Bildung zu kümmern. Deswegen können Kinder weiter regelmäßig zur Schule gehen können, auch am Nachmittag betreut werden und Unterstützung bei den Hausaufgaben bekommen. Die Ergebnisse der Studie belegen auch, dass Heimarbeiter, die in globale Lieferketten eingebunden sind, vor allem in Bezug auf Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Sicherheit und Ausbeutung häufig bessergestellt sind als Heimarbeiter ohne Anschluss an globale Lieferketten. Grund hierfür sind die höhere Transparenz sowie etablierte Compliance-Programme globaler Unternehmen. Auch in Regionen, in denen NGOs tätig sind, geht es Heimarbeitern besser.

Unwissenheit bei Unternehmen: Wer arbeitet in meiner Lieferkette?

Rund 52 Prozent der in der Studie befragten Arbeiter stellen Produkte für internationale Unternehmen bzw. Zwischenhändler her. Ein Großteil (67,6 Prozent) ist sich dessen aber nicht bewusst. „Internationale Unternehmen haben oftmals keinen vollständigen Überblick über ihre Lieferketten und können nicht nachverfolgen, ob Heimarbeiter an der Lieferkette beteiligt sind oder nicht. Kenntnis darüber erhalten sie häufig nur durch Zufall“, erläutert Ines Kaempfer, Executive Director von CCR CSR in Hong Kong. Die Non-Profit Beratungs­firma berät Unternehmen bei der Umsetzung von Kinderrechten in ihren Lieferketten, unter anderem anhand eines Child Rights Risk & Impact Assessment Service. Ihrer Erfahrung nach sind die größten Herausforderungen für Unternehmen eine genaue Kenntnis über ihre Lieferkette und den versteckten Risiken zu bekommen, da sie oftmals nicht mit Subunternehmen und Heimarbeitern vertraut sind bzw. davon wissen.

Fairtrade Onlineshops
300 Millionen Heimarbeiter…
… tragen weltweil zur globalen Werstschöpfungskette bei – vor allem in den Bereichen
Textil- und Bekleidungs-, Leder-, Teppich- und Elektroindustrie.
(Schätzungen der ILO)
Bildquelle: Save the Children/Christina Feldt

„Heimarbeit wird häufig mit Kinderarbeit assoziiert. Deshalb verbieten Unternehmen sie lieber gleich ganz, bevor sie einen Imageschaden erleiden, wenn Kinderarbeit in ihren Lieferketten entdeckt wird. Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein generelles Verbot die Heimarbeiter lediglich zwingt, sich zu verstecken. Das aber macht sie schutzlos vor Ausbeutung. Das Problem wird damit nur verschoben und schwieriger zu bekämpfen. Insbesondere Kinder sind dann die Leidtragenden.

Wir empfehlen daher Unternehmen, sich dem Thema Heimarbeit anzunehmen und gemäß unseres Aktionsplans für Heimarbeit Schritt für Schritt umzusetzen. Einige Unternehmen gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran, wie sich in der Praxis unserer Zusammenarbeit mit globalen Textilproduzenten zeigt“, erklärt Jessica Sommer, Abteilungsleiterin Unternehmenspartnerschaften von Save the Children Deutschland.

Vom „Grünen Knopf“ bis zum Textilbündnis

Neben dem Aktionsplan Heimarbeit von Save the Children gibt es in Deutschland das Textilbündnis, in dem sich Unternehmen zum Ziel gesetzt haben, die Bedingungen in der weltweiten Textilproduktion zu verbessern.

Nicht nur Fairtrade Onlineshops sollen Umweltstandards einhalten

Darüber hinaus gibt es seit Oktober 2019 den von Bundesminister Müller ins Leben gerufenen „Grünen Knopf“. Als erstes staatliches Siegel soll es fair und ökologisch produzierte Kleidung sichtbar machen. Um das Siegel verwenden zu dürfen, werden sowohl das Unternehmen sowie dessen Produkte geprüft. Dabei müssen 26 Sozial- und Umweltstandards erfüllt werden, von ökologischen bis hin zu sozialen Produktkriterien. Im Moment werden allerdings noch nicht alle Produktionsschritte erfasst, was sich aber in den kommenden Jahren ändern soll.

Lesen Sie auch: Corona-Krise: Warum sich der Onlinehandel stark verändern wird

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