02.07.2021 – Kategorie: eCommerce

Finanzplan für Unternehmen – Warum Liquiditätsplanung im E-Commerce so wichtig ist

Finanzplan UnternehmenQuelle: William Potter/shutterstock

Eine zentrale Herausforderung in einem solch dynamisch wachsenden Markt wie dem Onlinehandel liegt in der zunehmend problematischen Kombination aus verschiedenen Marktplätzen und einem unübersichtlichen Cashflow. Doch gibt es Möglichkeiten, die eigene Liquiditätsplanung zu professionalisieren.

Eine aktuelle DIHK-Umfrage lässt aufhorchen: 43 % der deutschen KMUs bewerten ihre finanzielle Lage als kritisch. Besonders brisant: Je kleiner das Unternehmen ist, desto wahrscheinlicher sind finanzielle Probleme. Die meisten Klagen betreffen dabei Liquiditätsengpässe.

Gerade aufstrebende Onlinehändler kennen dieses Problem. “Ich glaube, dass Liquidität für jedes E-Commerce-Unternehmen das A und O ist.”, formuliert es Johannes Kliesch, Gründer vom wachsenden E-Commerce Snocks. Der Grund liegt in der steigenden Komplexität der Marktsituation im Onlinehandel auf der einen Seite und der dynamischen Anpassung des eigenen Sortiments, des Lagerbestandes und der Distributionskanäle auf der anderen. Will man möglichst viele Zielgruppen erreichen, folgen Onlinehändler dieser Multi-Verkaufsstellen-Strategie. Umso schwieriger wird es jedoch, alle Zahlungsströme im Blick zu behalten.

Diese Kombination hat nämlich zur Folge, dass die Quellen der Ein- und Auszahlungen großen Veränderungen ausgesetzt sind. Einmal steigt ihre Anzahl mit jedem neuen Marktplatz, wechselnden Bezahlmethoden oder Lieferantenwechseln. Zum anderen erfolgen sie zu immer anderen Zeitpunkten. Häufig ist durch diese Konfusion zu einem Zeitpunkt X gar nicht klar, wie viel Liquidität zur Verfügung steht. Doch ist die Kenntnis dieser Kennzahlen gerade in Zeiten schneller Entscheidungen wichtiger denn je, um neue Marktchancen nicht zu verpassen. Eine punktgenaue Liquiditätsplanung schützt das Unternehmen vor Zahlungsengpässen, Mahngebühren und im schlimmsten Fall der Insolvenz.

Finanzplan für Unternehmen: Excel und das Problem der händischen Liquiditätsplanung

Viele Onlinehändler investieren übermäßig viele Ressourcen, um den Überblick zu behalten: Anstatt sich also mit strategischen finanziellen Fragen beschäftigen zu können, ist der CFO oder die Buchhaltung im E-Commerce häufig damit beschäftigt, all diese Zu- und Abflüsse händisch auszuwerten. Unterschiedliche Konten werden geprüft und Zahlungsströme dann möglichst pünktlich, doch häufig mit einiger Verzögerung, in riesige Excel-Sheets übertragen.

Neben der hohen Fehleranfälligkeit, die händische Übertragungen per se mit sich bringen, gleichen diese Sheets schon nach kurzer Zeit unübersichtlichen Zahlenwüsten. Sie bedürfen dann wiederum händischer Analyse, wenn man aus ihnen valide Schlüsse für die Zukunft ziehen will: Kategorisierung und Priorisierung sind nötig, um den Status Quo möglichst treffend abzubilden und manuelles Anpassen all dieser Zahlen, um finanzstrategisch in die Zukunft blicken zu können. Vielen fällt es schwer, einen geeigneten IST-Zustand über den eigenen Cashflow herzustellen. Gerade für junge Unternehmen ist jedoch die laufende Transparenz über Umsätze und Kosten entscheidend, um bestmöglich skalieren zu können.

Open-Banking und Liquiditätsplan: Transparenz in den IST-Zustand bringen

Besonders für Unternehmen in der Wachstumsphase ist die ständige Transparenz in Form eines aktuellen und soliden Liquiditätsplans wichtig, um z. B. Stakeholder, Shareholder und Banken in den richtigen Momenten von Krediten zu überzeugen. Um diese Transparenz zu jeder Zeit zu gewährleisten, empfiehlt es sich, den Cashflow automatisiert darzustellen. Das Stichwort hier ist: Open-Banking. Durch die Anbindung der einzelnen Konten entfallen all die händischen Übertragungen und bieten Raum für den eigentlichen Finanzplan im Unternehmen und dessen Planung. Somit sind Onlinehändler in der Lage, die vergangenen Zahlungsströme auf einem Blick zu überprüfen und auszuwerten, ohne sie im Vorfeld in stundenlanger Arbeit abtippen und kategorisieren zu müssen. Das spart nicht nur Zeit und erleichtert die Analyse der letzten Monate. Es verringert auch die Fehleranfälligkeit: Denn alle Bewegungen auf dem Konto sind sofort kumuliert einsehbar. Zusätzlich verbinden Open-Banking Schnittstellen die verschiedenen Geschäftskonten miteinander und gewähren somit einen transparenten Überblick über die aktuelle Gesamtsituation.

Gleichzeitig ist eine Open-Banking Analyse aktuell, da sie die Kontobewegungen in Echtzeit auswertet und darstellt. Dadurch erhalten Unternehmen zu jeder Zeit den genauen Stand ihrer Liquidität und können spontane Entscheidungen auf einer viel valideren Basis treffen.

Verschiedene Szenarien für Sicherheit im Soll-Zustand

Ist die aktuellen finanzielle Situation zu jedem Zeitpunkt einsehbar, bildet das die Grundlage für finanzstrategische Zukunftsentscheidungen. Klar, beim zukünftigen Szenario-Planning bleiben grundsätzlich einige Unwägbarkeiten, die nur abzuschätzen sind. Es ist aber genauso klar, dass mit der steigenden Genauigkeit der IST-Analyse sowie den Erkenntnissen aus den Cashflows der Vergangenheit die Treffsicherheit der Liquiditätsvorhersage steigt.

Dabei gilt die Faustregel, dass die Sicherheit der Kapitalfluss-Planung mit der Häufigkeit der aktuellen Liquiditätsanalyse zusammenhängt. Eine solch regelmäßige und automatisierte Echtzeit-Analyse ermöglicht dann viel einfacher das Erkennen von offenen Rechnungen und Zahlungsverzügen, die bei der händischen Kontrolle gerne mal untergehen und zu ungewollten Liquiditätsengpässen führen. 

Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, unterschiedliche strategische Entscheidungen gedanklich durchzuspielen und diese auf genauester Grundlage zu treffen. Je detaillierter die Liquiditätsanalyse in der Gegenwart ist, desto fundierter können die nächsten Schritte geplant werden.

Schließlich gilt es bei aller Vorhersage auch negative Entwicklungen in den Blick zu nehmen. Für den SOLL-IST-Abgleich empfiehlt es sich zwar, von einem Hauptszenario abgeleitet aus den bisherigen Daten auszugehen, doch sich nicht einzig darauf zu verlassen. Gerade Onlinehändler sind, abhängig von ihrem Sortiment, gewissen Nachfrageschwankungen ausgesetzt. Kommen diese unvorbereitet, folgen ihnen meistens finanzielle Schwierigkeiten. Die bereits dargestellten Schritte haben jedoch den Vorteil, funktionierende Frühwarnsysteme zu etablieren. Durch die Festlegung kritischer Parameter im finanziellen SOLL-IST-Vergleich lassen sich solche Schwankungen früh genug antizipieren und bieten Raum, gegenzusteuern. Forecasting ist z. B. auch für Robert Frackowiak, Gründer des Onlinehändler Papa-Shorts, entscheidend: “So sehen wir früh genug, wann wir in Liquiditätsengpässe geraten können.”

Finanzplan in Unternehmen: Der Schlüssel liegt in möglichst genauen Daten

Um die Liquidität im E-Commerce zu gewährleisten, spielt also die möglichst genaue und automatisierte Erhebung von finanziellen Daten die zentrale Rolle. Die iterative Echtzeit-Analyse bietet ausreichend Transparenz und Planungssicherheit, um den Überblick über alle Absatz- und Produktebenen zu schaffen. Dies unterstützt den strategischen Finanzplan im Unternehmen und hilft gerade wachsenden Unternehmen dabei, ihre Liquidität auch für unterschiedliche Zukunftsszenarien zu sichern.

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Finanzplan Unternehmen, Stephan Krehl
Bild: Agicap

Über den Autor: Stephan Krehl ist Country Manager Deutschland des französischen Fintechs Agicap. Agicap wurde 2016 in Lyon gegründet, um besonders KMU mit einem KI-gestützten Tool ein strategisches Liquiditätsmanagement in Echtzeit zu ermöglichen.


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