01.12.2023 – Kategorie: Recht

Forderungsausfall: Planbare Liquidität ist wichtiger denn je

InkassoQuelle: Bremer Inkasso GmbH

Namhafte Unternehmen wie Reno, Ahlers und Galeria Kaufhof haben kürzlich Insolvenz angemeldet. Experten erwarten einen weiteren Anstieg an Firmeninsolvenzen. Dadurch erhöht sich das Risiko eines Forderungsausfalls für Lieferanten deutlich. Liquidität und prognostizierte Gewinne sind in Gefahr. Vorbeugen ist in diesem Umfeld der Schlüssel zum Erfolg.

Derzeit häufen sich Fälle, in denen zwischen Kunden und Lieferanten vereinbarte Zahlungsziele nicht fristgerecht eingehalten werden. Auch ein starker Anstieg von Forderungsausfällen durch Insolvenzen ist in der EU aufgrund vielschichtiger wirtschaftlicher Herausforderungen zu erwarten. Lieferanten tragen dabei das Risiko für den Forderungsausfall, das sich durch die Bonität des Kunden berechnet. Gerade im Bereich business to bu­siness (B2B) können sich durch marktüblich vereinbart Zahlungsziele von in der Re­gel 30 bis 60 Tagen erhebliche Außenstände aufbauen. Sollten Kunden diese nicht fristgerecht begleichen, droht dem Lie­feranten ein vorübergehender Liquiditätsengpass, im schlimmsten Fall ein vollständiger Forderungsausfall – ver­glichen mit dem eigenen Jahresüberschuss oftmals ein schmerzhafter Betrag.

Inkasso statt Forderungsausfall?

Um nach erfolgloser Mahnung doch noch an den Rechnungsbetrag zu kommen, bleibt oft nur die Beauftragung einer Inkassodienstleistung. Hierbei wird die überfällige Forderung von einem Inkassounternehmen eingetrieben, was oft zu einer starken Belastung oder sofortigen und dauerhaften Beendigung des Kunden-Lieferanten-Verhältnisses führt. Ist die Vollstreckung nicht möglich, bleibt der Auftraggeber womöglich auf den angefallenen Gebühren sitzen.

Planbare Liquidität sichern

Um dieses Szenario zu vermeiden, empfiehlt sich eine vorbeugende Absicherung des Forderungsverzugs und -ausfalls. Dabei werden die offenen Forderungen des Lieferanten gegenüber seinen Abnehmern, die durch die Vereinbarung eines Zahlungsziels entstehen, bei Kreditversicherungen abgesichert. Ergebnis: Planbare Liquidität und kein Risiko mit Blick auf das prognostizierte Jahresergebnis. Wer einen Schritt weiterdenkt, kümmert sich jedoch nicht nur um die Absicherung der eigenen Forderungen gegen Kunden, sondern dreht zudem den Spieß um. Dabei stellt das Unternehmen ein gebündeltes Gesamtlimit ohne Kosten auf, an dem sich die eigenen Lieferanten bedienen. Das zentrale Limit kann deutlich effizienter genutzt werden als die vereinzelte, individuelle Absicherung der Zulieferer, wodurch mehr Lieferanten eine vollständige Absicherung erhalten und risikolos beliefern.

Daraus ergibt sich ein wesentlicher Nutzen: Das eigens mit den Zulieferern verhandelte Zahlungsziel als wesentliche Finanzierungsquelle ist stabil und sicher, da Zulieferer kein Zahlungsrisiko tragen und dies zudem nicht kalkulieren müssen.

Transparente Lieferkette installieren

Die Lieferkette, vom Endabnehmer über den Lieferanten und dessen Zulieferer, ist transparent und aktiv steuerbar, wogegen im herkömmlichen Modell für den einkaufenden Kunden Ungewissheit über die Lieferantenabsicherung vorherrscht. In gewissen Fällen eignet sich bei eigener, starker Bonität, Zulieferern neben der gebündelten Absicherung auch eine Vorfinanzierung des marktüblichen Zahlungsziels anzubieten.

Dies ermöglicht dem Zulieferer einen sofortigen Zugriff auf die Rechnungsgutschrift und somit Liquidität, da er seine Forderung direkt nach Rechnungsstellung an einen Finanzierer verkauft. Gerade in stark wachsenden Branchen und Firmen können dadurch erhebliche Vorteile entstehen – ­einerseits für den Zulieferer, der sein Wachstum dauerhaft, unbürokratisch und als Ergänzung oder Alternative zur Hausbank auf die Bonität des Kunden finanziert bekommt – andererseits für den Kunden, der Zahlungsziele ausweiten oder stabilisieren kann und Zulieferer eng an sich bindet.

Forderungsausfall
Bild: Delfactis

Der Autor Dr. Tim Scheuerer ist Vorstand des Fintechs Delfactis AG.

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