Gründerportrait Fairnopoly: „Wir wollen eine neue Form von Sozialunternehmen aufbauen“

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Gerade nach der kritischen Berichterstattung zu den Arbeitsbedingungen bei den Riesen in der E-Commerce- und Logistik-Branche in der letzten Zeit haben viele Menschen den Wunsch nach Unternehmen, die anders funktionieren. Das war das Stichwort für die Gründung von Fainopoly, einer nach eigenen Aussagen „fairen Alternative zu den großen Online-Marktplätzen“, das im Mai 2012 online ging. Bastian Neumann, Vorstandsmitglied, Leitung Vertrieb – Organisations- und Unternehmensentwicklung, erklärt das Geschäftsmodell.

ECM: Wie kam es zu der Idee von Fairnopoly?

Bastian Neumann: Die Idee stammt von Felix Weth, einem der drei Vorstandsmitglieder der Fairnopoly eG. Er hat sich intensiv mit Themen der Korruption und Intransparenz in Unternehmen beziehungsweise der Wirtschaft im Allgemeinen beschäftigt. Dazu war Felix Weth weltweit unterwegs und engagierte sich unter anderem für Transparency International und den von ihm gegründeten Verein Studieren ohne Grenzen.

Die ursprüngliche Idee von Fairnopoly war es, ein Unternehmen zu gründen, das Gelder generiert, mit denen ein Netzwerk aus Organisationen finanziert wird, was sich wiederum für Transparenz einsetzt – das sogenannte FAIR Future Network. Dieses Unternehmen ist Fairnopoly..

ECM: Was unterscheidet Sie von der Konkurrenz beziehungsweise mit welchen Geschäftsmodellen konkurrieren Sie?

Bastian Neumann: Wir konkurrieren mit unserem Modell mit den großen etablierten Online-Marktplätzen. Als crowdbasiertes Sozialunternehmen richtet sich Fairnopoly mit seinem Marktplatzmodell an eine breite Zielgruppe: Private und gewerbliche Nutzer können generell alles anbieten, was legal ist. Statt sich auf eine Nische zu konzentrieren, wird der Handel mit fairen und gebrauchten Artikeln gezielt gefördert. Dazu bieten wir ein Gebührenmodell, das Anbietern von Fair-Trade-Artikeln mit geringeren Verkaufsgebühren entgegenkommt. Wir haben bei unserem Modell auf Einstellgebühren komplett verzichtet. Unsere Verkaufsgebühren belaufen sich auf sieben Prozent für konventionelle Artikel und vier Prozent für Fair-Trade-Artikel. Dadurch sollen auch Menschen auf solche Artikel aufmerksam gemacht werden, die sich bisher noch nicht dafür interessieren.

Ein weiterer großer Unterschied stellt unser faires Unternehmensmodell dar. Dadurch, dass wir als Genossenschaft viele Nutzer an unserem Modell beteiligen, wollen wir sicherstellen, dass nicht nur die Gewinne an viele Teilhaber verteilt werden, sondern auch, dass unser Unternehmen transparent und kontrollierbar ist. Damit wird die Geschäftsentwicklung nicht allein durch die Interessen weniger Investoren und Kapitalgeber bestimmt, sondern auch von den tatsächlichen Nutzern.

ECM: Haben Sie einen (familiären) Unternehmerhintergrund oder woher stammt das Know-how und die Lust/der Mut an der Selbstständigkeit?

Bastian Neumann: Der unternehmerische Antrieb erklärt sich vielleicht am ehesten aus der Leidenschaft, Veränderungen anzustoßen und Initiativen mit einer positiven gesellschaftlichen Wirkung ins Leben zu rufen. Felix Weth war vor der Gründung von Fairnopoly insbesondere im dritten Sektor als Vereinsgründer erfolgreich. Bevor Anna Kress in den Vorstand gewählt wurde, leitete sie Forschungsprojekte für das Fraunhofer Institut in Berlin und Porto zu mobilen Technologien und begleitete bereits eine Fraunhofer-Ausgründung. Ich selbst habe Erfahrungen als Berater in der Organisations- und Unternehmensentwicklung gesammelt.

ECM: Was waren die größten Schwierigkeiten in den ersten zwölf Monaten und was würden Sie im Nachhinein anders machen?

Bastian Neumann: Wir mussten mit verschiedenen zeitlichen Verzögerungen umgehen. Bürokratische Hürden gab es da, beispielsweise die zeitaufwendige Gründung und Eintragung der Genossenschaft. Oder die Akquise weiteren Kapitals hat gewisse Zeit in Anspruch genommen. Und mit dem Marktplatz konnten wir erst entgegen unserer ursprünglichen Planung im September live gehen und damit entsprechend auch Händler erst später in größerem Umfang anwerben.

ECM: Wie sind Sie finanziert und wann wollen Sie schwarze Zahlen schreiben?

Bastian Neumann: In unserer Aufbauphase sind wir als Genossenschaft über unser Einlagenkapital finanziert. Anfang 2013 konnten wir in einer großen Crowdinvesting-Kampagne über 200.000 Euro an Startkapital einsammeln. Dazu hatten sich insgesamt knapp 900 Menschen bereiterklärt, in die Idee und das Konzept von Fairnopoly zu investieren. Nach der aktualisierten Strategie und Planung rechnen wir erst im letzten Quartal 2014 mit Einkünften durch den Marktplatz, im Dezember 2014 gehen wir erstmalig von einer Deckung der monatlichen Kosten aus. Eine Finanzierung über Startkapital, gegebenenfalls in mehreren Finanzierungsrunden, ist bei den meisten Unternehmensgründungen üblich, im Unterschied zu anderen Gründungen in unserem Bereich wie etwa  Zalando versuchen wir aber mit einem Bruchteil des üblichen Startkapitals und ohne große Investoren auszukommen.

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