Gründerportrait im e-commerce: Familienunternehmen erobert das Internet

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Thomas Grimme, Gründer des Onlineshops für Haushaltswaren und Küchenaccessoires Bleywaren.de, erzählt seine Geschichte.

Vor mehr als einem Jahr begann für mich das Projekt, den  Onlineshop Bleywaren.de für unser Familienunternehmen Bley in sechster Generation aufzubauen. Mit einer großen Portion Naivität stürzte ich mich auf die Aufgabe.. Der Anstoß dazu kam von meinem Vater, der wie viele seiner Generation viel vom Internet las und ahnte, wie wichtig dieser Vertriebskanal für die Zukunft ist, aber zu wenig davon verstand, um selbst aktiv zu werden. Misstrauischer waren da seinige Verkäufer im Ladengeschäft, die ihren Arbeitsplatz bedroht sahen, wenn in Zukunft alles über das Internet verkauft würde. Im Folgenden möchte ich aufzeigen, welche Fragen man sich stellen sollte, wenn man sein stationäres Geschäft auf den Onlinehandel ausweiten will.

Auswahl des Sortiments

 Zu Beginn des Projekts „Bleywaren“ stellte sich die Frage nach der Ausrichtung des Shops. Welche Zielgruppe möchte ich mit welchen Produkten erreichen? In meinem Fall war das Sortiment durch unser familiengeführtes Fachgeschäft von Anfang an  im Bereich Haushaltswaren und Wohnaccessoires verortet. Aber auch hier musste ich überlegen und recherchieren, bei welchen Produkten es Sinn macht, sie online anzubieten, da der Wettbewerb dort schier unendlich ist. Wir konzentrieren uns deshalb auf unsere Rolle als Fachhändler, indem wir dem Kunden auch online eine klare Auswahl an Qualitätsware anbieten, statt ihn mit einer Riesenauswahl zu überfordern.

Auswahl des Shopsystems

Zunächst jedoch vernachlässigte ich eine elementare Fragestellung, die für jeden Shopinhaber von entscheidender Bedeutung sein muss: Welches Shopsystem setzen wir ein? Wir entschieden uns für eine kostenlose Open-Source-Lösung, die zwar schnell und flexibel ist, aber in Deutschland bisher kaum verwendet wird. Dementsprechend fehlen uns meist die Schnittstellen zu Logistikpartnern, Bezahldienstleistern oder zur Warenwirtschaft unseres Fachgeschäftes. Im Moment stehen wir noch am Anfang und können die eingehenden Bestellungen manuell abfertigen, das ist aber weder skalierbar noch auf lange Sicht tragbar. Erstes wichtiges Learning daraus: Sollte bereits eine Warenwirtschaft im Geschäft genutzt werden, sollte bei der Auswahl der Shopsoftware unbedingt überprüft werden, ob es schon eine Schnittstelle zum favorisierten Shopsystem gibt.   

Umsetzung des Shopssystems

 Nachdem die Wahl auf ein System gefallen war, stellte sich die Frage, welchen Stil Bleywaren.de ausstrahlen sollte und welche Agentur mich bei der technischen Umsetzung des Shops professionell unterstützen könnte. Hierbei ist es hilfreich, eine Agentur zu wählen, die sowohl Design als auch Programmierung anbietet und auf E-Commerce spezialisiert ist.

Weitere wichtige Entscheidungen zu Beginn betrafen den Bereich Bezahlmöglichkeiten und Logistik. Wir boten zunächst Paypal als Bezahloption an und weiteten diese Schritt für Schritt um weitere Möglichkeiten wie Rechnung, Abholung, Kreditkarte und Lastschrift aus, da sich schnell herausstellte, dass Paypal zwar von vielen Besuchern als Zahlungsmittel akzeptiert wird, aber eben nicht von allen. Auch bei der Logistik mussten wir überlegen, welcher Partner hierfür in Frage kommt, um eine reibungslose Lieferung und gegebenenfalls eine ebenso unkomplizierte Retoure zu gewährleisten.

Produktinformationen und Bildmaterial

 Als der Shop soweit stand, kamen die nächsten unerwarteten Aufgaben auf mich zu. Ich benötigte von der Industrie Produktinformationen wie Beschreibungstexte, EAN, Größenangaben und wichtig für das Internet: Bildmaterial! Dabei bemerkte ich schnell, dass es nach wie vor keinen Standard für das Übermitteln von Daten gibt, so dass bei jedem Hersteller manuell nachgebessert werden muss.

Bekanntheit schaffen

Nachdem Bleywaren online war, passierte erstmal nichts, denn niemand kannte unseren Shop. Selbst Google braucht einige Zeit, um einen neuen Stern zu entdecken. Deshalb hieß es von Anfang an, die Werbetrommel zu rühren. Wir betreiben derzeit Marketing in Form von SEA-Maßnahmen und PR-Arbeit. Beides kann selbst durchgeführt werden, aber man stößt schnell an Grenzen, weshalb es sich für kleine Unternehmen unter Umständen lohnt, dafür jeweils eine Agentur einzuschalten.

Investitions- und laufende Kosten

 Apropos Grenzen: Eine der größten Hürden ist für kleine bis mittlere Unternehmen sicherlich das benötigte Personal und die anfänglichen Investitionskosten. Die beschriebenen Aufgabenbereiche machen klar, dass es keinesfalls Job eines Praktikanten sein sollte, einen Onlineshop aufzubauen. Vielmehr ist ein Onlineshop wie eine Eröffnung einer weiteren Filiale zu sehen. Zudem werden natürlich zu Beginn noch keine bedeutenden Umsätze generiert, das Projekt muss als Investition in die Zukunft gedacht werden. Fähiges Personal benötigt man vor allem für die Produktpflege, also das Bearbeiten von Bildern, Tabellen oder Texten, für den Versand der bestellten Artikel oder für die Kundenkommunikation. Möchte man wie ich darüber hinaus noch einen Blog betreiben oder in sozialen Netzwerken aktiv sein, sollten diese Aufgaben ebenfalls einer Person federführend obliegen. Die Kosten allein für den Aufbau des Shops belaufen sich je nach Umfang und Aufwand locker auf 10.000 bis 20.000 Euro. Damit sind aber noch nicht die laufenden Kosten abgedeckt. Besonders die Höhe der Marketingausgaben ist für ein Fachgeschäft, das sich sonst nur auf Printwerbung in der Regionalzeitung beschränkte, ein wichtiges Thema, was leicht auf Unverständnis im Familienbetrieb stoßen kann.

 Fazit nach einem Jahr Onlineshop

 Ein weiterer Vertriebskanal in Form eines Onlinegeschäfts liegt für ein existierendes Fachgeschäft mit vorhandener Expertise, einem bestehenden Lager und Lieferantenkontakten quasi auf der Hand. Aber für die Umsetzung bedarf es dann doch mindestens zweier Hände, Geduld und finanzieller Mittel. Auch wenn ich mir das Abenteuer Onlineshop zu Anfang sicherlich einfacher vorgestellt habe, kann ich jedes stationäre Handelsgeschäft nur ermutigen, den Schritt in den Onlinehandel zu wagen, da Expertise in Zeiten von Überangebot im Internet eine immer wichtigere Rolle beim Onlineeinkauf spielt. 

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