Gründerportrait: Kreditech spricht über die Chancen im Social Scoring

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Lässt sich die Bonität von potenziellen Onlinekunden auch durch deren Onlinegewohnheiten einschätzen? Aber klar doch, meint das Hamburger Startup Kreditech.
Sebastian Diemer von Kreditech

Lässt sich die Bonität von potenziellen Onlinekunden auch durch deren Onlinegewohnheiten einschätzen? Aber klar doch, meint das Hamburger Startup Kreditech.

ECM: Wie kam es zu der Idee von Kreditech?

Sebastian Diemer: Mein Mitgründer und jetziger CTO des Unternehmens, Alexander Graubner-Müller, und ich hatten das Know-how gesammelt, die Ereignisse in der Zukunft anhand von Algorithmen vorherzusagen. Beide haben einen Hintergrund auf der Bankenseite, unter anderem der Deutschen Bank und LGT Capital, sowie auf Startup-Seite Rocket Internet. Mit der Grundidee im Hinterkopf wollten wir beide Bereiche miteinander vereinen. Die Realität hat gezeigt, dass Banken noch mit dem Filialbankenmodell arbeiten, anstatt Teil der Digitalisierung zu werden. Während also fast alle anderen Industrien die Entwicklungen längst erfasst hatten, beispielsweise im E-Commerce, Buch- und Musikmarkt, schliefen die Banken und Versicherungen. Das ermöglicht ungeahnte Chancen für risikobereite Unternehmer im Fintech-Bereich – wie uns.

ECM: Was unterscheidet Sie von der Konkurrenz beziehungsweise mit welchen Geschäftsmodellen konkurrieren Sie?

Sebastian Diemer: Auf Basis von 15.000 Datenpunkten ermöglicht es die proprietäre Technologie Finanzdienstleistern, Kunden innerhalb von Sekunden zu akquirieren, zu identifizieren, zu scoren, auszuzahlen und ihnen weitere Produkte zu empfehlen. Automatisierte Prozesse, kombiniert mit selbstlernenden Algorithmen, sichern einen schnellen und verbrauchernahen Kundenservice, während Kosten und menschliche Fehler minimiert werden.

„Konkurrenz“ in diesem Sinne gibt es keine. Manche Anbieter offerieren zwar ähnliche Produkte, kaufen aber entweder die Leads ein (Kreditwürdigkeit wird also nicht bewertet!) oder das Scoring-Modell setzt auf historischen Daten von Kreditbüros auf. Diese haben zwei wesentliche Nachteile: a) basieren Sie auf einer sehr kleinen Auswahl an Daten und b) sind diese Daten nur auf diejenigen Personen anwendbar, die bereits eine Kredithistorie haben. Vier Milliarden weltweit haben dies eben nicht. Die Kreditech Gruppe scored unabhängig von Kreditbüros auf Basis von selbstlernenden Algorithmen weltweit die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen – und das innerhalb von wenigen Sekunden. Es gibt keine direkten Mitbewerber – Lenddo, Lendup und Zestfinance agieren als lokale Player in einem ähnlichen Marktumfeld.

ECM : Haben Sie einen (familiären) Unternehmerhintergrund? Oder woher stammt das Know-how und die Lust/der Mut an der Selbstständigkeit?

Sebastian Diemer: „The best way to predict the future is to create it!“ – das Motto hat mich seit jeher geprägt. Daher glaube ich, als Unternehmer muss man auch eine hohe Risikobereitschaft mitbringen. Wer versucht, der scheitert auch mal, muss es aber immer wieder versuchen, immer wieder scheitern, besser scheitern, um schließlich zu gewinnen. Diesen Mut bringen leider wenige deutsche Gründer mit – sie denken klein statt groß.

ECM : Worin bestanden die größten Schwierigkeiten in den ersten 12 Monaten und was würden Sie im Nachhinein anders machen?

Sebastian Diemer: Zu Beginn war unsere (naive) Idee, wir könnten unser Scoring den Banken anbieten. Jedoch waren diese noch weiter weg vom digitalen Zeitalter, als wir uns jemals erträumt hätten: Das Verständnis für unsere Idee, basierend auf Algorithmen die Kreditwürdigkeit von Bankkunden vorherzusagen, war gleich null. Nachdem wir unser Scoring-Modell dann auf anderem Wege belegen konnten, hatten wir zwar die Zusage der Banken. Unsere innovative Technologie hier zu integrieren, war unmöglich. Unser Gedanke: Was die Banken in 20 Jahren geschaffen haben, haben wir bereits in 6 Monaten besser gemacht. Also: warum sollten wir uns auf die Kunden einer Bank beschränken, wenn wir alle Menschen weltweit scoren können? Klar, diese Erkenntnis wäre noch hilfreicher zu Beginn der Gründung gewesen.

ECM: Wie sind Sie finanziert und wann wollen Sie schwarze Zahlen schreiben?

Sebastian Diemer: Den Break-Even planen wir zu Q1 2015. Finanziert sind wir durch Eigen- und Fremdkapital. Eigenkapitalgeber sind unter anderem Blumberg Capital, Point Nine Capital, HPE Growth Capital. Seit der Gründung haben wir bisher 70 Millionen US-Dollar eingesammelt. 

 

Sebastian Diemer studierte an der London School of Economics Management and Strategy, bevor er von 2010 bis 2011 als Global Development Manager für Rocket Internet arbeitete. 2011 gründete er daraufhin zusammen mit Alexander Graubner-Müller den Kreditgeber Kreditech, für den er bis heute als Geschäftsführer tätig ist. Das Hamburger Unternehmen bietet seinen Kunden die Möglichkeit, ein Kredit-Scoring in Echtzeit durchführen zu lassen.

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