Headless Commerce – nicht für jedes Unternehmen die beste Lösung

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Headless Commerce als neuer E-Commerce-Standard? Die durch die Corona-Pandemie erforderliche Digitalisierung verlangt allerdings nach neuen Wegen im Projektmanagement. Ein Gastbeitrag von Florian Harr von elaboratum.
Headless Commerce

Quelle: Peshkova/Shutterstock

  • Die Corona-Krise eröffnet neue Wege und Möglichkeiten bei der Digitalisierung.
  • Headless Commerce ist neuer Standard beim Projektmanagement.
  • Eine Checkliste zeigt, ob Headless Commerce für Ihr Unternehmen die passende Lösung ist.

Not macht bekannterweise erfinderisch. Das können wir auch in der aktuellen Situation beobachten. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Läden, einbrechende Umsätze: Um die Auswirkungen der Pandemie so gering wie möglich zu halten und für die zukünftige Entwicklung vorbereitet zu sein, bauen viele (Online-)Händler jetzt ihre Onlineshops und weitere E-Commerce-Kanäle aus. Headless Commerce ist eine Möglichkeit Projektmanagement effizient zu gestalten.

Headless Commerce: Modernisierung des E-Commerce-Ökosystems

Der Digitalisierung könnte das enorme Schubkraft geben. Denn natürlich wollen alle bei der Modernisierung des E-Commerce-Ökosystems auf die neuesten Technologien zurückgreifen. Der Begriff Headless Commerce ist dabei zum Standard geworden. Viele fachliche und technische Gründe sprechen für die Auswahl eines Headless-Systems, jedoch sollte nie der Hype eines Technologie-Begriffs ausschlaggebend sein. Denn stimmen die Voraussetzungen und die Anforderungen dafür nicht, ist selbst das smarteste Headless-System keine effiziente Lösung.

Von monolitisch zu Headless Commerce – eine kurze Evolutionsgeschichte

Shop-Systeme waren Anfang der 2000er Jahre noch stark monolitisch. Das bedeutet, dass sowohl die Frontenddarstellung, als auch die Konfiguration und Content-Verwaltung codeseitig eng miteinander verbunden waren. Moderne Shop-Systeme wie beispielsweise Oxid, Magento und Shopware veränderten dieses Bild: Frontend und Backend wurden funktional deutlich getrennt. Davon, Headless zu sein, waren sie jedoch noch weit entfernt. Denn im Bereich E-Commerce steht der Begriff „Headless Commerce“ heute für mehr als nur die fachliche Trennung von Frontend und Backend.

Headless-Systeme ermöglichen es beispielsweise, gleichen Inhalt über ein gemeinsames Backend-System zu verwalten und in verschiedene Frontend-Kanäle zu „gießen“. Die einzelnen Headless-Komponenten sind bedingungslos technisch flexibel, kommunizieren über standardisierte Schnittstellen miteinander und arbeiten autark, unabhängig, skalierbar und performant. Immer mehr Softwareanbieter bieten Systeme mit der neuen Technologie und mehr und mehr Online-Shop-Anbieter nutzen Headless-Systeme. Doch so attraktiv das auf den ersten Blick scheint: Der Hype bringt gleichzeitig zahlreiche Hürden mit sich, die sich im schlimmsten Fall sogar als Nachteile herausstellen können. Deshalb sollte eine sorgfältige Abwägung der Anforderungen die Basis für oder gegen die Entscheidung eines Headless-Systems bilden.

Projektmanagement mit höheren Anforderungen

Ausreichende Projektmanagement-Erfahrung ist ein absolutes „Muss“ für alle, die sich für ein Headless-System entscheiden. Denn Headless-Projekte sind deutlich komplexer im Projektsetup und in der Projektsteuerung. Im Gegensatz zu klassischen Projekten, bei denen tendenziell nur wenige oder gar nur ein Dienstleister involviert sind, müssen hier deutlich mehr Partner gesteuert werden. Dadurch werden die technischen Anforderungen komplexer. Gleichzeitig wirkt sich das auch finanziell aus: Mehr Systeme und mehr Partner bedeuten automatisch mehr Abstimmung und erzeugen damit auch mehr Kosten.

Betrieb und Wartung mit höherer Komplexität

Es klingt im ersten Moment so vielversprechend: Autarke Systeme können entkoppelt released und bereitgestellt werden. Doch uneingeschränkte Flexibilität hat auch eine Kehrseite: Denn Betrieb und Wartung aller Komponenten erfordern mehr Erfahrung als bei klassischen Systemen. Wenn es in einem Schnittstellen-basierten System zu Ausfällen kommt, kann es sehr komplex werden, das für das Problem verantwortliche Modul ausfindig zu machen. Alle beteiligten Partner müssen kurzfristig verfügbar sein und eine schnelle Antwortzeit garantieren. Andernfalls drohen Umsatzeinbußen durch Systemausfälle.

Ohne Standardisierung mehr Aufwand

Vorhandene Templates und Funktionen erleichtern in klassischen Systemen die Arbeit, sparen Zeit und damit auch Kosten. Ein klassisches Beispiel: Produkt-Kategorieseiten mit Filterung. Solche Templates gibt es bei einem Headless-Setup viel seltener. Es entspricht vielmehr häufig einem Baukastensystem, bei dem die Teile einzeln zusammengesetzt und implementiert werden. Zusätzlicher Programmieraufwand sorgt für zusätzliche Kosten und mehr Aufwand.

Für wen lohnt sich Headless Commerce?

Trotz der genannten Nachteile, die ein Headless-System mit sich bringen kann: Natürlich gibt es auch Unternehmen, für die sich die Mehrkosten und der Mehraufwand lohnen. Als Faustformel lässt sich sagen, dass sich die Stärken einer Headless-Architektur umso mehr ausspielen lassen, je heterogener die Frontend-Landschaft ist.

Werden also für eine optimale User Experience verschiedene Endgeräte und Devices eingesetzt, kann eine Headless-Architektur ein entscheidender Vorteil sein. Damit lassen sich nämlich verschiedene heterogene Frontends entlang der Customer Journey über ein gemeinsames Backend pflegen, beispielsweise ein klassischer, responsiver Onlineshop, Smartwatches, APPs, B2B-Shops, Voice-Commerce, Augmented und Virtual Reality-Anwendungen, In-Store-Terminals, Kassensysteme und auch IoT-Devices.

Für die E-Commerce-Landschaft bedeutet das maximale Flexibilität: Jedes einzelne System einer Headless-Architektur funktioniert autark für sich und die fachliche und technische Verantwortung ist klar getrennt. Einzelne Komponenten lassen sich flexibel austauschen oder verändern. Zwar müssen für das Aufsetzen der Headless-Architektur mehr Zeit und Kosten eingeplant werden.

Doch einmal aufgesetzt, profitieren die Betreiber auf lange Sicht von einer Zeit- und Kostenersparnis. Denn sie vermeiden die redundante Pflege von Inhalten, Konfigurationen uvm. Gleichzeitig bringt das den Vorteil einer geringeren Fehleranfälligkeit mit sich. Wer seine Daten in einem Headless-System erfasst, stellt zudem den Zugriff auf Kunden-, Produkt- und Bestelldaten von allen Modulen sicher.

Mit Kopf oder ohne Kopf – Hauptsache mit Sinn und Verstand

Die wichtigste Frage, die es zu beantworten gilt lautet: Ist eine Headless-Architektur unbedingt erforderlich, um die Kundenbedürfnisse angemessen zu erfüllen? In vielen Fällen reicht eine moderne Systemarchitektur mit klassischen Shop- oder Portalfunktionen aus. Die Wahl einer Headless-Architektur ohne dafür zwingende Anforderungen stellt einen reinen Luxus dar. Die Folge: unnötig hohe Implementierungs- und Betriebskosten.

Erfüllt eine Headless-Architektur die Kundenbedürfnisse tatsächlich deutlich besser als klassische Systeme, können folgende Faktoren den Projekterfolg sichern:

  1. Idealerweise ist das Setup der ausgewählten Systeme und Implementierungspartner für die eigenen Anforderungen größtenteils erprobt. Das minimiert das Risiko für böse Überraschungen und erleichtert die reibungslose Zusammenarbeit.  
  2. Ein erfahrenes Projektmanagementteam behält jederzeit den Überblick über Projektstatus, Anforderungen, Systeme und Partner. Denn nur eine aktive Steuerung des Projekts stellt sicher, dass alle Partner und Dienstleister Hand in Hand zusammenarbeiten und am Ende das gewünschte Ergebnis erzielt wird.

Checkliste für Headless Commerce

Sie wollen herausfinden, ob der Headless-Ansatz für Sie sinnvoll sein kann? Dann beantworten Sie unsere Fragen. Wenn Sie mindestens eine der Fragen mit „Ja“ beantworten, sollten Sie sich mit dem Thema Headless genauer auseinandersetzen. Eine endgültige Entscheidung kann jedoch immer nur im Gesamtkontext der Anforderungen getroffen werden.

  • Die Customer Journey ihrer relevanten Kundengruppen beinhaltet unterschiedliche digitale Touchpoints? (Ja/Nein)
  • Die unterschiedlichen Touchpoints  nutzen identischen oder sehr ähnlichen Content? (Ja/Nein)
  • Zentrale Funktionen, wie Kundenkonto, Bestellhistorie oder Bonitätsberechnungen werden an mehreren digitalen Touchpoints genutzt? (Ja/Nein)
  • Omnichannel ist fester Bestandteil ihres Geschäftsmodells? (Ja/Nein)
  • Die unterschiedlichen digitalen Touchpoints setzen unterschiedliche Devices und optimierte Frontends ein? (Ja/Nein)
elaboratum
Florian Harr ist Principal Consultant bei elaboratum.

Über den Autor: Florian Harr ist Principal Consultant bei elaboratum mit Schwerpunkt in den Bereichen Digital Commerce Technology und Business-Prozesse.

Lesen Sie auch: Shopsystem: Warum der Umstieg auf Shopware 6 geplant werden sollte

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