Im Interview: Mauricio Salvador, Präsident der Associação Brasileira de Comércio Eletrônico

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Interview mit Mauricio Salvador, Präsident der Associação Brasileira de Comércio Eletrônico (ABComm) – dem Branchenverband des Brasilianischen E-Commerce.

ecm: Wie schätzen Sie das Entwicklungspotential des E-Commerce Brasiliens in den nächsten Jahren ein?

Mauricio Salvador: Der brasilianische E-Commerce erfährt derzeit ein rasantes Wachstum. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens hat das Internet eine Dezentralisierung der Werbemöglichkeiten bewirkt. Seit 2005 werden brasilianische Onlineshopper vor allem von Suchmaschinen und Preisvergleichsseiten auf Onlineshops weitergeleitet. Das ist möglich, weil die Konsumenten dem Internet zunehmend vertrauen und gelernt haben,  auf Qualitätssiegel von kleineren Onlineshops zu achten, bevor sie mit Kreditkarten bezahlen und persönlichen Informationen weitergeben.

Für die kleinen Unternehmen war diese  Entwicklung sehr günstig, da sie es sich leisten konnten, mit Hilfe von Suchmaschinen und Preisvergleichsseiten zu werben, anstatt viel Geld in den Kauf von Werbeplattformen zu investieren. Der zweite Grund für die enorme Entwicklung des E-Commerce in Brasilien ist die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der sogenannten „Medium Class“ seit 2007. Wachsende Job-Angebote, Einkommen und einfacher Zugang zu Krediten haben das Interesse an der Mittelklasse geweckt. Arbeitnehmer mit monatlichen Einkommen zwischen  400 und 1200 Euro  fingen zum ersten Mal an, das Internet zu benutzen. Sie fanden dabei sehr schnell heraus, dass Online Einkaufen sehr viel Zeit und Geld spart. 2008 tätigten 9 Millionen Brasilianer ihren ersten Online Einkauf. Der dritte Grund sind die extrem niedrigen Preise für Technik, wie zum Beispiel Notebooks, Smartphones und Tablets. Dadurch bekommen auch die Menschen mit niedrigem Einkommen Zugang zum Internet, den Social Media Websites und werden zu potentiellen Online Shoppern. Zusätzlich zu all dem hat Brasilien ca. 90 Millionen Internetnutzer. Wenn man bedenkt, dass 210 Millionen Menschen in Brasilien leben, kann man in den nächsten Jahren mit einigen neuen Online Shoppern rechnen. Zurzeit macht der Onlinehandel 3 Prozent des Brasilianischen Einzelhandelsumsatzes aus. Wir rechnen damit, dass sich diese Prozentzahl in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird.

ecm: Wie sieht das gegenwärtige Einkaufsverhalten der Brasilianer im Internet aus?

Mauricio Salvador:  Am Anfang kauften brasilianische  Online Shopper hauptsächlich Bücher und elektronische Geräte. Nun greifen sie auch zu anspruchsvolleren Produkten aus den Bereichen Mode, Haushaltsgeräte und Kosmetik. Ich benutze das Wort „anspruchsvoll“, da sich der Entscheidungsprozess beim Kauf solcher Produkte sehr von den oben genannten Kategorien unterscheidet. Es ist sehr viel schwerer, ein Parfüm oder einen Kühlschrank zu kaufen,  ohne es zu riechen oder ihn  anfassen zu können. Bei einem Buch ist das wesentlicher einfacher. Das zeigt, dass die brasilianischen Online Shopper erfahren und selbstbewusst sind. Trotzdem informieren sie sich über Preisangebote und suchen nach Käuferkommentaren bevor sie sich für ein Produkt entscheiden. Darum wächst in Brasilien auch das „Social Shopping“, also der Empfehlungshandel, sehr schnell. Es gibt das starke Bedürfnis, Erfahrungen auszutauschen,  bevor man eine Entscheidung trifft.

ecm: Der E-Commerce Gigant Amazon streckt seine Fühler an den Amazonas aus, will ab September seine Präsenz verstärken.  Die Otto-Group hat ein Joint Venture mit dem brasilianischen Unternehmen Posthaus gestartet. Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten ein?

Mauricio Salvador: Seit der Wirtschaftskrise 2008 haben US-amerikanische und europäische Firmen ein Auge auf Märkte in Übersee geworfen, um ihre Verkaufszahlen weiter zu steigern. China und Brasilien haben selbst während der Krise gute wirtschaftliche Ergebnisse gezeigt. Amazon hat schon Millionen von Kunden in Brasilien, die digitalen Content, wie zum Beispiel E-Books, Cloud Solutions und sogar Gebrauchsgüter wie elektronische Geräte kaufen. Amazon ist bereits sehr geschäftstüchtig in Brasilien. Ab September will Amazon seine Präsenz steigern und dann zum Beispiel Kindles verkaufen. Damit können Konsumenten dann noch mehr multimedialen Inhalt kaufen. Danach wird Amazon seinen Marktplatz live stellen und seine Präsenz in anderen Kategorien erweitern. Wenn es so weit ist, werden sie wahrscheinlich logistische, bürokratische und steuerrechtliche Probleme erfahren, genau wie alle anderen brasilianischen E-Commerce Player. Die Otto Group hat mit dem Joint Venture mit Posthaus einen sehr großen Schritt gemacht. Die Verkaufszahlen von Kleidung ist in den letzten drei  Jahren sprunghaft angestiegen, von der 16. Position in 2009 auf die dritte Position in 2012. Brasilianer kaufen mehr Kleidung als jemals zuvor.

ecm: Auch kleine deutsche Onlineshops und Firmen aus dem Dienstleistungsbereich des E-Commerce interessieren sich für Brasilien. Wo sehen Sie Markteinstiegschancen?

 

Mauricio Salvador: Es gibt sehr viele Möglichkeiten für kleinere Unternehmen. Wie ich bereits gesagt habe, sind die Brasilianer erfahren genug, auch in Online Shops einzukaufen, von denen sie bisher nie etwas gehört haben. Wenn diese kleinen Shops Qualitätsware zu niedrigen Preisen anbieten, diese gut beschreiben und Wert auf Fotos und Kundenbetreuung legen, sind sie dem Erfolg auf dem brasilianischen E-Commerce Markt einen Schritt näher. Der nächste Schritt sollte es dann sein, die Kultur zu verstehen. Für Online-Shops aber auch  IT Firmen, die Digital Content, Software und Dienstleistungen verkaufen, ist es sehr wichtig, Übersetzungen im brasilianischen Portugiesisch anzubieten, das sich vom  europäischen Portugiesisch unterscheidet.  Außerdem ist bei der Kundenbetreuung auf die Zeitverschiebung zu achten.

ecm: Worauf sollte man als E-Commerce Unternehmer bei einem Brasilien Engagement unbedingt achten?

Mauricio Salvador: Der brasilianische Onlinemarkt ist ziemlich verrückt und ein Riesendurcheinander: Bürokratie, verwirrende Steuergesetze, Logistikmonopole, Betrug und sehr eigene Bezahlungsmethoden. 70% der Onlinekäufe werden zum Beispiel mit Ratenzahlung abgewickelt. Das heißt, wenn eine Notebook 1000 Euro kostet, wird der brasilianische Onlineshopper höchstwahrscheinlich 10 Raten á 100 Euro bezahlen wollen. E-Commerce Händler müssen eine finanzielle höhere Mathematik benutzen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Shop-Systeme müssen an diese Bezahlmethoden angepasst sein. Außerdem gibt es sehr viele Betrugsversuche. Online-Shops sollten also auch in ein effektives System zum Schutz vor Betrügern investieren.

Wenn Sie Mauricio Salvador persönlich erleben wollen, er eröffnet am 13. November 2012 die 6. Insight E-Commerce in Leipzig. Weitere Informationen und Tickets unter www.bestsidestory.de/insight-ecommerce

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