In der Bitcoin-Falle

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 Gehypt und verteufelt – wenn es um Payment geht, dann prallen beim Thema „Bitcoins“ ideologische Welten aufeinander. Wir haben deswegen bei einigen Experten, die sich mit der neuen Cyber-Währung beschäftigen, nachgefragt, wie sie zum Thema stehen. Ganz interessant ist – und soll deswegen nicht verschwiegen werden: Noch nie kamen bei einer Umfrage so viele Absagen nach dem Motto: „Hierzu wollen wir uns derzeit nicht äußern.“ Wovor sich viele Payment Service Provider hier scheinbar fürchten, kann nun Anlass für wilde Spekulationen geben.

von Dunja Koelwel

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ECM: Der Hype um Bitcoins ist entfacht, der Preis für die als virtuelle Währung gehandelten Software-Stückchen steigt und steigt und manch einer sieht sie schon als Ersatz für das Gold als Angstanlage. Dabei sind Bitcoins zunächst einmal nichts anderes als eine Ware. Käuflich, handelbar, aber derzeit noch sehr wenig kontrolliert. Was sind Bitcoins für Sie?

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums: „Nach Auffassung des BMF sind Bitcoins weder E-Geld noch gesetzliches Zahlungsmittel. Sie sind unter den Begriff der Rechnungseinheiten als Finanzinstrument nach § 1 Abs. 11 Nr. 7 KWG zu subsumieren. Rechnungseinheiten sind mit Devisen vergleichbare Verrechnungseinheiten, die jedoch nicht mit gesetzlichen Zahlungsmitteln gleichgesetzt werden können. Beispiele für solche Rechnungseinheiten sind Werteinheiten, die die Funktion von privaten Zahlungsmitteln bei Ringtauschgeschäften haben sowie jedes andere „private Geld“ oder sonstige Komplementärwährungen, die auf der Grundlage privatrechtlicher Vereinbarungen als Zahlungsmittel eingesetzt werden können. Diese Rechtsauffassung ist nicht neu, sondern bestätigt lediglich die bisherige Haltung.

Christoph Jung (Ogone): Bitcoins sind derzeit eine unkontrollierte digitale Währung, die in erster Linie Digital Natives nutzen und die gerade einen (zweiten) Hype erlebt. Dieser Hype ist meines Erachtens darin begründet, das die Gesellschaft sich mehr Unabhängigkeit von Banken, Staat und Wirtschaft wünscht. Ich bin sehr gespannt, ob es zu mehr als einem Spekulationsobjekt reicht.

Sven Gebauer (Bafin): Bitcoins sind für die BaFin im Zusammenhang mit einer möglichen Erlaubnispflicht interessant, da es sich um Finanzinstrumente im Sinne des Kreditwesengesetzes handelt. Konkret hat die BaFin Bitcoins rechtlich verbindlich als Finanzinstrumente in der Form von Rechnungseinheiten qualifiziert. Dies sind Einheiten, die mit Devisen vergleichbar sind und nicht auf gesetzliche Zahlungsmittel lauten. Hierunter fallen Werteinheiten, die die Funktion von privaten Zahlungsmitteln bei Ringtauschgeschäften haben, sowie jede andere Ersatzwährung, die aufgrund privatrechtlicher Vereinbarungen als Zahlungsmittel in multilateralen Verrechnungskreisen eingesetzt wird. Auf einen zentralen Emittenten kommt es hierbei nicht an. Durch die Qualifizierung von Bitcoins als Finanzinstrumente kommen erlaubnispflichtige Finanzdienstleistungen in Betracht, wenn mit Bitcoins Dienstleistungen angeboten werden, insbesondere wenn sie selbst zur Ware werden und mit ihnen gehandelt wird. Ob eine Erlaubnis der BaFin für ein solches Geschäft mit Bitcoins erforderlich ist, muss in jedem Einzelfall gesondert geprüft werden. Die bloße Nutzung von Bitcoins als Ersatzwährung für Bar- oder Buchgeld in gesetzlichen Währungen ist jedenfalls ebenso keine erlaubnispflichtige Tätigkeit wie auch das Mining der Bitcoins.

Martin Grass (Klarna): Wir betrachten den Hype um Bitcoins mit Skepsis. Die Kursturbulenzen in letzter Zeit sind der beste Beweis: Käufer von Bitcoins können nur dann Gewinne erzielen, wenn sich immer wieder neue Bitcoin-Käufer finden lassen, die trotz stetig steigender Preise für die Bitcoins zahlen. Nicht selten haben derartige Systeme hohe Kursverluste. Ich befürchte, dass es sich bei der virtuellen Währung Bitcoin um eine Spekulationsblase handelt.

Oliver Flaskämper (Bitcoin Deutschland): Bitcoin ist digitales Gold mit Bezahloption. Bitcoins und Gold haben ein gemeinsames „Killer-Feature“: beide sind selten und lassen sich nicht beliebig vermehren. Dabei sind Bitcoins sogar noch besser als Gold, weil die maximale Menge und die tägliche „Fördermenge“ über einen mathematischen Algorithmus festgelegt sind, der nicht mehr geändert werden kann. Wenn sich morgen der Goldpreis verdoppelt, erhöht sich auch die Menge des geförderten Goldes, einfach deshalb, weil es sich dann lohnt, mit noch mehr Menschen und noch besseren Maschinen noch tiefer zu graben, um der Erde noch mehr Gold abzutrotzen. Das ist bei Bitcoin nicht möglich. Die Anzahl der Bitcoins, die jeden Tag neu geschürft werden, ist unabhängig von der Anzahl der Schürfer, auch Bitcoin-Miner genannt. Weiterhin hat man mit Bitcoins den Vorteil, einfach bezahlen zu können. Mit Gold ist das nicht nur unhandlich, sondern auch schwierig, weil ein Verkäufer Probleme hat, die Echtheit des Goldes, mit dem bezahlt werden soll, zu überprüfen. Um die Echtheit von Bitcoins zu prüfen, braucht es nur einen PC, ein Tablet oder Smartphone mit Internet-Zugang. Der oft angeführte Nachteil, man könne Bitcoins nicht anfassen, ist für viele Bitcoin-Fans ein Vorteil gegenüber Gold. Denn wegen der Virtualität der Bitcoins gibt es keine Transportprobleme. Hätte die Bundesbank statt Goldreserven Bitcoin-Reserven, müssten diese jetzt nicht in Tresoren in den USA und Paris lagern und mit großen Aufwand und Kosten nach Deutschland geholt werden, sondern wären jederzeit im Zugriff der Bundesbank. Das ist sicherlich aufgrund des noch experimentellen Status von Bitcoin derzeit noch kein Szenario, vielleicht aber in fünf bis zehn Jahren.

Sascha Breite (Six Payment Services): Der Charme bei Bitcoins besteht darin, dass sie eine endliche Ressource sind. Die Kreierung neuer Bitcoins benötigt mehr Rechenleistungen und damit Energiebedarf. Daher wird diese endliche virtuelle Ressource bei entsprechender Nachfrage zu einer Wertsteigerung beitragen. Problematisch scheint es zu sein, dass Bitcoins von vielen eher als Anlageobjekt verwendet werden. Sie entziehen damit dem System liquide Mittel, was zur Wertsteigerung einerseits, aber auch zu extrem starken Kursschwankungen andererseits führt. Das Konzept ist zwar durchdacht, für den praktischen Einsatz für ein Massenpublikum jedoch (noch) nicht geeignet.

ECM: Banken warnen zunehmend vor Bitcoins und anderen digitalen Währungen – aus der Sorge heraus, dass damit Finanzkriminalität erleichtert wird. Die schwedische SEB, der größte nordische Währungshändler, hat beispielsweise Anfragen von Kunden eine Absage erteilt, Konten zur Bitcoin-Verwaltung einzurichten. Und die Nordea Bank, die größte Bank Skandinaviens, rät ihren Kunden dazu, es sich genau zu überlegen, bevor sie Bitcoins anfassen. Sind für Sie als Payment-Experte Bitcoins eine Alternative?

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums: Das BMF betrachtet das Phänomen „Bitcoins“ als eine Randerscheinung der Finanz- und Eurokrise. Die Entwicklung wird im BMF beobachtet, sollte allerdings nicht überbewertet werden. Die Größenordnung ist nach unserer Erkenntnis unbedeutend, die Schwankungsanfälligkeit hoch und die Nutzung mit Unsicherheiten verbunden. Dies entspricht auch der Einschätzung der Europäischen Zentralbank. Diese kommt in ihrer Analyse vom Oktober 2012 vor allem zu dem Ergebnis, dass virtuelle Währungen kein Risiko für die Preis- oder Finanzmarktstabilität bedeuten. Gleichwohl ist es insbesondere Aufgabe der Notenbanken, sich der implizierten Fragen und Herausforderungen des Zahlungsverkehrs anzunehmen.“

Sven Gebauer (Bafin): Bitcoins bergen Risiken für Unternehmen und Verbraucher, die, für sich genommen, auf dem Finanzmarkt nicht neu sind, sich aufgrund der spezifischen Struktur von Bitcoins dort jedoch häufen. So können Bitcoins – wie Bargeld – verloren oder gestohlen werden. Verliert der Nutzer durch eine Fehlfunktion des Computers Adressen beziehungsweise private Schlüssel oder werden ihm diese physisch oder durch Angriffe aus dem Internet entwendet, sind die Bitcoins, die nach wie vor im Netzwerk registriert sind, für ihn unwiederbringlich verloren, da er nicht mehr über sie verfügen kann. Ein weiteres Risiko von Bitcoins sind Wertschwankungen. Der Wert der Bitcoins ergibt sich aus Angebot und Nachfrage sowie der Akzeptanz im Wirtschaftskreislauf. Ebenso wie gesetzliche Zahlungsmittel sind Bitcoins nicht durch einen realen Wert gedeckt. Nutzer, die das Bitcoin-System von Anfang an genutzt haben, verfügen über eine Vielzahl an Bitcoins, die sie verkaufen könnten. Vor allem aber kann der Einstieg von Spekulanten, die Bitcoins nicht als Zahlungsmittel erwerben, zu erheblichen Kursschwankungen und Blasen führen – ähnlich wie bei anderen hoch volatilen Finanzinstrumenten. Dies kann erhebliche Gewinne, aber auch Verluste nach sich ziehen. Jeder potenzielle Nutzer muss sich sorgfältig mit dem Netzwerk und seinen Möglichkeiten und Risiken befassen. Er selbst muss durch die Auswahl seiner Clients und die regelmäßige Teilnahme am Netzwerk Verantwortung übernehmen. Eine zentrale staatliche Aufsicht oder Regulierung gibt es nicht. Sie ist für das dezentrale Netzwerk nicht durchführbar.

Martin Grass (Klarna): Als Payment-Dienstleister sehen wir Bitcoins derzeit nicht als eine Alternative. Bei Bitcoins handelt es sich um ein anonymes Zahlungsmittel im Internet. Nutzer dieses virtuellen Währungssystems haben alle Risiken selbst zu tragen. Zudem können sie weder die Handelspartner identifizieren, noch ihre Zahlungen widerrufen, wenn sie einmal durch das Netzwerk bestätigt wurden. Dies steht im Gegensatz zu Klarnas Unternehmensphilosophie. Für uns hat es oberste Priorität, sowohl Händlern als auch Verbrauchern ein Höchstmaß an Sicherheit beim Online-Kauf zu bieten.

Oliver Flaskämper (Bitcoin Deutschland): Bitcoin wird aus meiner Sicht weder langfristig staatliche Währungen noch mittelfristig Wertaufbewahrungsmittel wie Gold ersetzen. Bitcoin hat aber das Potenzial, sich als eine Parallelwährung zu etablieren, die in der ganzen Welt von Menschen akzeptiert wird. Wir stehen noch ganz am Anfang einer Entwicklung, die wie alle Anfänge von Höhen und Tiefen geprägt ist. Der Bitcoin ist definitiv noch nichts für die Altersvorsorge und auch nichts für schwache Nerven. Wer das System nicht verstanden hat, der sollte die Finger davon lassen. Wer es aber reizvoll findet, in eine Währung beziehungsweise ein Wertaufbewahrungsmittel zu investieren, das rein auf mathematischen Grundsätzen wie 1+1=2 und nicht auf letztlich unverbindlichen Versprechungen von Regierungen und den Menschen dahinter basiert, der sollte sich Bitcoin mal anschauen. Für Händler, die Bitcoins als Zahlungsmittel einführen wollen, besteht praktisch kein Risiko. Durch die Zusammenarbeit mit Payment-Service-Providern wie zum Beispiel BitPay.com gibt es kein Kursrisiko und der Händler erhält immer den gewünschten Euro-Betrag, auch wenn der Kunde mit Bitcoins bezahlt.

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