Interview: „Die Zukunft heißt mobile first”

ECM: Klarna gilt allgemeinhin als PayPal-Konkurrent. Nun haben Sie BillPay aufgekauft. Bei Klarna wurden 2016 in Deutschland bisher 15 Millionen Nutzer beim Rechnungskauf genannt, bei BillPay sollen es 12 Millionen Kunden im Raum DACH und den Niederlanden sein. PayPal hatte laut Wikipedia 2013 16 Millionen Kundenkonten. Erfüllt Sie das mit Genugtuung?

Marc Berg: Selbstverständlich sind wir sehr glücklich über den Zusammenschluss mit BillPay. Wir erreichen dadurch nicht nur eine noch größere Anzahl von Endkunden, wir sichern uns auch ein extrem erfahrenes und talentiertes Team in einem hart umkämpften Markt.

Durch den Zusammenschluss können wir unsere Marktkenntnisse und Produktkompetenzen bündeln, unsere Schlagkraft erhöhen und Innovationen weiter vorantreiben. Wir unterstützen mit der Übernahme unsere Vision, einer der führenden Zahlungsdienstleister der Welt zu werden, der Händlern und Kunden gleichermaßen wertvolle und innovative Dienstleistungen bietet. Deshalb können wir auch selbstbewusst sagen, dass es zwar eine Menge von erfolgreichen Unternehmen in unserer Branche gibt, aber keines mit einem so breitgefächerten Angebot an Zahlungslösungen, wie wir es haben und in Zukunft haben werden.

ECM: Auch wenn wir in einem Fachmagazin wie dem e-commerce Magazin kein Konkurrenten-Bashing machen wollen. Was macht Klarna besser als PayPal?

Marc Berg: PayPal ist selbstverständlich ein wichtiger und ernstzunehmender Wettbewerber. Klarna hebt sich jedoch mit der Vielfalt an Zahlungslösungen ab. In Schweden werden bereits 40 Prozent des gesamten Onlinehandels mit Klarna abgewickelt, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch in Deutschland der Fall ist. Dazu kommt, dass wir uns stetig weiterentwickeln. Innovation ist für uns einer der wichtigsten Hebel, um Klarna weiter an die Spitze der Zahlungslösungen zu bringen. Anfang März haben wir beispielsweise die Klarna App auf den Markt gebracht, die uns einmal mehr von unseren Wettbewerbern abhebt und unser breites Angebot komplettiert.

ECM: 2014 hat Klarna den so genannten „Checkout“ gestartet. Wenn Kunden in einem Shop mit Klarna-Checkout zahlen, geben sie beim ersten Mal ihre Daten in ein Formular ein: Name, Anschrift, E-Mail- Adresse und optional das Geburtsdatum, wenn sie per Rechnung zahlen wollen. Klarna trifft auf Basis dieser Daten die Entscheidung, wie kreditwürdig der Kunde ist. Sie bieten dann als Payment-Dienstleister an, die Kundendaten zu speichern, so dass beim nächsten Zahlvorgang nur noch die E-Mail-Adresse und die Postleitzahl eingeben werden müssen. Das funktioniert Shop-übergreifend bei jedem Online-Händler, der den Checkout integriert hat. Ein Login oder Passwort ist nicht nötig, um den Kaufvorgang durchzuführen. Technisch betrachtet ist der Klarna Checkout ein iFrame, der in den Warenkorb eingebunden wird. Er wird von Klarna gehostet. Was ist Ihr Fazit nach drei Jahren?

Marc Berg: Der Launch des Checkouts hat sich als richtig erwiesen. Das liegt vor allem daran, dass das System gleichermaßen Vorteile für Händler als auch Verbraucher hat. Kunden sind nach einem Einkauf quasi “Stammkunden” und können in jedem Checkout eines Klarna-Partnershops ohne Passwort und Eingabe von sensiblen Daten einkaufen. Klarna übernimmt das Betrugs- und Zahlungsausfallrisiko für die Käufer. Durch das vereinfachte Einkaufen für die Kunden profitiert der Händler durch eine deutlich steigende Konversionsrate, speziell auch auf mobilen Geräten. Außerdem erleichtern wir den Händlern das Leben, indem wir die volle Zahlungsgarantie, unabhängig davon, welche Zahlungsart der Kunde wählt, übernehmen. Und der Händler hat nur noch einen einzigen Vertrags- und Ansprechpartner ‒ Klarna.

ECM: Letzten Juli konnte Klarna eine ziemlich diffizile Angelegenheit für sich entscheiden: Im Juli 2016 hat das Bundeskartellamt im Konflikt zwischen kontoführenden Instituten und dem Direktüberweisungsverfahren SOFORT Überweisung – seit 2014 ist SOFORT Überweisung ein Teil der Klarna Group – entschieden, dass Banken Kunden nicht daran hindern dürfen, SOFORT Überweisung zu nutzen. Formulierungen in den AGB der kontoführenden Institute, die eine Nutzung von Diensten wie SOFORT Überweisung behindern, sind unwirksam und stellten einen Kartellverstoß dar. Muss sich Klarna auch in anderen Ländern immer wieder juristisch behaupten?

Marc Berg: Wir hoffen, dass aufgrund der europäischen Harmonisierung und der europäischen Gesetzgebung weitere juristische Verfahren nicht notwendig sind. Was die Entscheidung zugunsten von SOFORT Überweisung angeht, sind wir froh, dass mit der Entscheidung ein wichtiger Meilenstein im Verhältnis zwischen Banken und Online-Zahlungsdienstleistern erreicht werden konnte.

ECM: Ein Blick in die Kristallkugel: Wie sieht die Zukunft des E-Commerce aus?

Marc Berg: Die Zukunft heißt “mobile first”. Um dauerhaft am Markt bestehen zu können, sollten Online-Händler auf mobile Bezahllösungen setzen. Dabei werden in Zukunft die Punkte Bequemlichkeit und Schnelligkeit immer wichtiger: Der User möchte unkompliziert, schnell und bequem zahlen – und das ortsunabhängig. Laut einer bevh-Studie zum Themenfeld “Mobiler Einkauf” nutzten bereits 2014 57 Prozent aller Smartphone- und Tablet-Nutzer in Deutschland ihre Geräte auch zum Shoppen. Der “ADI Mobile Retail Report 2016” unterstreicht nochmal deutlich, dass künftig kein Weg mehr an Mobile Commerce vorbeiführt. Deshalb haben unsere Kunden nun ebenfalls die Möglichkeit, eine Klarna App zu nutzen. Sie vereinfacht das Bezahlen auf dem Smartphone und bietet viele Features, die dem User das Leben erleichtern: So enthält die App eine Ein-Klick-Funktion, die das Begleichen von Rechnungen mit nur einem Klick erlaubt. Ohne Überweisung. Ohne Online-Banking. Ohne Abtippen der Bankdaten. Das funktioniert durch ein einmalig erteiltes Lastschriftmandat, das bei jeder Rechnung per Klick genutzt werden kann. Ist ein größerer Betrag fällig und der Kontostand gerade überschaubar, kann außerdem mit nur einem Klick die Rechnungssumme in einen Ratenkauf umgewandelt werden.

Zeitraum und/oder Ratenhöhe sind flexibel bestimmbar. Bei der Rücksendung eines Kaufs hat der User die Möglichkeit, die Retoure über die App anzukündigen. Die zugehörige Rechnung pausiert dann automatisch. Ebenfalls automatisch: Benachrichtigungen, die den Kunden per Push Notification an noch offene Rechnungen erinnern und so dafür sorgen, dass keine Rechnung mehr untergeht. Zudem gibt es die Möglichkeit, das Fälligkeitsdatum einer Rechnung in den Kalender des Smartphones zu übertragen. So erhält der User, zusätzlich zu den Benachrichtigungen auf dem Handy, ebenfalls über die mobile Kalenderfunktion einen Reminder.

Die Features der Klarna App zeigen: Die Digitalisierung ist längst im Alltag angekommen. Auch das Einkaufen wird immer mobiler. Deshalb sollte das Bezahlen von Rechnungen dem Kunden ebenfalls so einfach wie möglich gemacht werden. Mit der App leistet Klarna einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung und trägt maßgeblich dazu bei, das Einkaufen ‒ vor allem auf dem Smartphone ‒ zu revolutionieren.

(jm)

0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

CAPTCHA
Diese Frage stellt fest, ob du ein Mensch bist.

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags