Kapituliert der deutsche Einzelhandel vor Amazon? Ein Kommentar

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Indem deutsche Handelsunternehmen immer mehr dazu übergehen, Amazon-Locker (die Amazon-eigene Variante der Packstation) in ihren Filialen aufzustellen, überlassen sie Amazon ihr Feld. Dessen ist sich der Logistik-Experte Heribert Trunk, Geschäftsführer des Hybrid-Logistikers BI-LOG und langjähriger Präsident der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, sicher. Ein notwendiger Kommentar zur „Bankrotterklärung“ des deutschen Einzelhandels.

Amazon-Locker

Indem deutsche Handelsunternehmen immer mehr dazu übergehen, Amazon-Locker (die Amazon-eigene Variante der Packstation) in ihren Filialen aufzustellen, überlassen sie Amazon ihr Feld. Dessen ist sich der Logistik-Experte Heribert Trunk, Geschäftsführer des Hybrid-Logistikers BI-LOG und langjähriger Präsident der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, sicher. Ein notwendiger Kommentar zur „Bankrotterklärung“ des deutschen Einzelhandels.

Wer in eine der bekannten Suchmaschinen die Begriffe Weltherrschaft“ und „Amazon“ eingibt, wird fündig. Und zwar nicht etwa in obskuren Zirkeln, die sich gerne in Verschwörungstheorien verlieren, sondern bei gemeinhin als seriös geltenden Medien wie dem „Manager Magazin“, der „Zeit“ oder der „Welt“.

Ob nun Amazon-Gründer Jeff Bezos tatsächlich die Weltherrschaft anstrebt oder sein Unternehmen einfach nur wachsen lassen will, bis nichts mehr geht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass ihm der traditionelle Handel sein weiteres Wachstum mehr als leicht macht. Jetzt auch in Deutschland, wie Supermarktblog alarmiert feststellt und die jüngsten Locker-Kooperationen großer Einzelhandelsunternehmen mit Amazon als „Umarmungstrugschluss des deutschen Handels“ bezeichnet.

Die Branche macht den Bock zum Gärtner

Denn immer mehr Einzelhändler suchen angesichts sinkender Kundenfrequenz ihr Heil ausgerechnet bei jenem Unternehmen, das diesen Frequenzrückgang maßgeblich befördert: Sie stellen Schließfächer von Amazon in ihren Filialen auf. Mitunter wählen sie deren Aufstellungsort sogar so ungeschickt, dass man geneigt ist, am Verstand der Verantwortlichen zu zweifeln. Zum Beispiel direkt an der Abholtheke für Click & Collect-Kunden: Damit diese sehen, wie viel schneller und einfacher das bei Amazon geht.

Die Branche macht den Bock zum Gärtner. Seit Jahren ist offensichtlich, dass Amazon dem Einzelhandel, ob stationär oder online, massenhaft Kunden abspenstig macht. Und fast ebenso lange werden mehr oder minder schlüssige Gegenkonzepte entwickelt. Aber statt sie ähnlich entschlossen durchzusetzen, wie Amazon sein Geschäftsmodell ausrollt, bleiben diese Konzepte in der Schublade.

Kooperationen mangels Eigeninitiative

Dass die Branche jetzt auch noch den irrwitzigen Versuch unternimmt, den Mangel an Mut und Eigeninitiative durch Locker-Kooperationen mit Amazon zu überdecken, gleicht einer Bankrotterklärung. Ich bin überzeugt, dieser Trend lässt sich nur noch stoppen, wenn es gelingt, ein flächendeckendes, anbieterunabhängiges Locker-Netz aufzubauen. Aber das muss jetzt sehr schnell gehen, sonst gehört der Markt bald Amazon.

Die Weltherrschaft lässt grüßen.

 Heribert Trunk, Geschäftsführer des Hybrid-Logistikers BI-LOG: „Der Einzelhandel sucht verzweifelt nach Frequenz – ausgerechnet mit Hilfe des Wettbewerbers, der sie ihm wegnimmt.“

 Unterstützung bekommt Heribert Trunk übrigens auch vom Branchendienst exciting commerce. Dessen Kopf, der E-Commerce-Experte Jochen Krisch, resümiert nüchtern: „In jedem Fall lässt die Art und Weise, wie stationäre Händler mit dem Thema umgehen, gute Rückschlüsse zu, ob und wie sehr sie schon in Plattform-Strukturen denken können. Denn zumindest bei Amazon ist klar, dass der Locker-Service Teil einer Plattform-Strategie ist.“

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