Keine Chance für Bezahl-Nachrichten im Web

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Keine Chance für Bezahl-Nachrichten im Web

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Konfrontiert mit rückläufigen Leserzahlen, einer Flaute auf dem Anzeigenmarkt und dem ständig wachsenden Wettbewerb im Netz geraten Zeitungen immer stärker unter Druck. Parallel zu fast täglich neuen Schreckensmeldungen aus dem US-Zeitungsmarkt kommt dort, aber auch in Europa neuerlich die Frage auf, wie die Printmedien ihr Überleben in Zukunft sicherstellen können. Ein zentraler Diskussionspunkt ist dabei das Thema kostenpflichtiger Online-Inhalte. So gewinnen Geschäftsmodelle wie jenes des Wall Street Journals oder der Financial Times, die zumindest teilweise Geld für ihren Online-Content verlangen, scheinbar wieder an Attraktivität. Einen Ausweg aus der Krise sehen und suchen Vertreter aus der Zeitungsbranche hierzulande darin jedoch nicht, sondern zeigen sich einig darüber, dass Bezahl-Nachrichten im Web keine Chance haben.

„Die Diskussion um kostenpflichtige Online-News ist eigentlich durch, der Zug dafür ist längst abgefahren“, meint Hannes Schopf, Sprecher des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Worüber Verlage allerdings nachdenken würden, seien verschiedene kostenpflichtige Plattformangebote und Zusatzdienste, die dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten. „Für Spezialangebote wären die Leser dann auch bereit zu bezahlen. Schlichte Nachrichten, die jetzt kostenlos sind, wird niemand mehr verkaufen können“, so Schopf. Auch beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hält man das Bezahlen für Online-Inhalte, die bislang gratis waren, für sehr unwahrscheinlich. „Geld bezahlen werden Nutzer nur für Content, den sie sonst nirgends oder schwerlich finden – wie zum Beispiel Themen-Dossiers, Archivdienste oder Fotorecherche“, erklärt Anja Pasquay, Sprecherin des BDZV.

Die früheren Leser seien heute immer häufiger „Publikum“ eines breit aufgestellten Medienmarktauftritts der jeweiligen Zeitung – sowohl gedruckt als auch online und mobil. „Information wird zum Alltagsartikel“, so Pasquay. Dass sich dieser „Alltagsartikel“ im Web nicht auf klassische Weise verkaufen lässt, davon sind auch die Online-Redaktionen überzeugt. „Wir halten es für keine gute Idee, Online-Content auch nur teilweise kostenpflichtig zu machen. Vor allem ein General-Interest-Medium kann so nicht funktionieren, gerade bei so viel Konkurrenz und anderen Anbietern im Netz“, sagt Gerlinde Hinterleitner, Chefredakteurin von derstandard.at. Auch in Zukunft wolle die Zeitung keine Bezahl-Dienste einführen. „Im Gegenteil, wir haben erst kürzlich unser komplettes Online-Archiv kostenlos zugänglich gemacht“, so Hinterleitner.

Trotz klarer Absage an das Bezahlen von Online-Nachrichten stehen die Verlage jedoch vor der Frage, wie in Zukunft wirtschaftlich gearbeitet und die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich gemeistert werden können. Finanzielle Probleme sind vor allem dieser Tage nicht von der Hand zu weisen und haben bereits auf unterschiedlichen Ebenen zum Umdenken geführt. So konnte und wollte sich zuletzt beispielsweise die WAZ-Mediengruppe keine Inhalte der Deutschen Presseagentur (dpa) mehr leisten. Neben Kosteneinsparungen war für den Medienkonzern dabei vor allem das Geschäftsmodell der dpa ausschlaggebend, an dem die WAZ herbe Kritik übte. Der Schluss, dass Nachrichtenagenturen heute ausgedient hätten, wäre dennoch falsch. „Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Agenturen und bezahlen seit Jahren für den Content. Es muss für ein Online-Medium auch in Zukunft möglich sein, sich diese Inhalte zu leisten. Wir werden auch künftig nicht darauf verzichten“, betont Hinterleitner.

Auch ohne zusätzlichen Druck aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise befindet sich die Zeitungsbranche nach wie vor in einem Transformationsprozess. „Mit der Digitalisierung haben sich traditionelle Geschäftsfelder verlagert, zugleich werden ganz neue Produkte und Vertriebswege unter dem Markendach Zeitung entwickelt“, erklärt Pasquay. Die ultimative Lösung, die den künftigen Erfolg bringen werde, gebe es sicher nicht. „Es wird sich wohl vielmehr um einen Strauß; von Maß;nahmen handeln, den jeder Verlag oder jedes Medienhaus für sich selbst gewichten muss.“ Über den letztendlichen Erfolg entscheide wie so oft vor allen Dingen die Qualität der Inhalte.

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