KIT: Markt und Moral

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Verbraucher können wählen: Nehmen sie das Billig-T-Shirt, das unter unwürdigen Arbeitsbedingungen genäht wurde, oder ein fair hergestelltes und gehandeltes Kleidungsstück? Greifen sie im Supermarkt zum Fleisch aus Massentierhaltung oder achten sie auf Bio-Label? Die Ökonomin Prof. Nora Szech, Lehrstuhl für Politische Ökonomie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), untersucht, welche Mechanismen des Marktes die Entscheidung der Menschen beeinflussen.
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Verbraucher können wählen: Nehmen sie das Billig-T-Shirt, das unter unwürdigen Arbeitsbedingungen genäht wurde, oder ein fair hergestelltes und gehandeltes Kleidungsstück? Greifen sie im Supermarkt zum Fleisch aus Massentierhaltung oder achten sie auf Bio-Label? Die Ökonomin Prof. Nora Szech, Lehrstuhl für Politische Ökonomie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), untersucht, welche Mechanismen des Marktes die Entscheidung der Menschen beeinflussen.

„Transparenz, Gütesiegel und Information über Produktionsbedingungen scheinen alleine nicht auszureichen, um das Kaufverhalten zu beeinflussen“, sagt Szech. „Menschen schieben ihre moralischen Bedenken leichter beiseite, wenn sie sehen, dass viele andere zu Produkten greifen, die sie nach ihren eigenen ethischen Standards eigentlich nicht kaufen würden.“ Die Wissenschaftlerin, die seit 2013 den Lehrstuhl für Politische Ökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre innehat, erklärt dieses empirisch nachweisbare Phänomen damit, dass der einzelne in einer Gruppe von Handelnden das Gefühl habe, Verantwortung und Schuld zu teilen.

„Als Marktteilnehmer verhalten sich Menschen gieriger und egoistischer als sie es als einzelne tun“, so Szech. Verschiedene Gruppen unterschieden sich jedoch voneinander, so hielten Frauen in der Regel stärker an ihren moralischen Werten fest. Ein Forschungsschwerpunkt der Wirtschaftswissenschaftlerin gilt der Frage, ob und in welcher Weise institutionelle Mechanismen dazu beitragen können, dass sich Marktakteure moralisch, eigenverantwortlich und prosozial verhalten. „Klassische ökonomische Modelle bilden dies nicht ab“, stellt sie fest. Wie sich Moral und Markt zueinander verhalten, untersucht die Expertin unter anderem mit dem Mittel der Experimentalforschung und der behavioralen Theorie, die sich mit dem Verhalten der Menschen befasst.

So lässt sie Probanden beispielsweise zwischen Eigennutz in Form eines Geldbetrags und dem Wohl von Tieren abwägen, indem die Untersuchungsteilnehmer entscheiden sollen, ob konkrete Hühner auf einem kooperierenden Bauernhof naturnah mit Auslauf leben oder aber unter Bedingungen der Massentierhaltung. Am KIT steht dafür mit dem Karlsruhe Decision and Design Lab (KD2Lab) ein Instrumentarium zur Verfügung, das es ermöglicht, mit Hilfe diverser, auch psycho-physiologischer Messinstrumente und -verfahren zu analysieren, wie sich verschiedene Marktdesigns und Institutionen, aber auch Emotionen auf das Entscheidungsverhalten auswirken.

Die KIT-Wissenschaftlerin, die 2011 mit dem Reinhard-Selten-Preis des Vereins für Socialpolitik ausgezeichnet wurde, forscht auch als Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) interdisziplinär zum Thema Markt und Entscheidung. „Die Ökonomie hat die moralische Dimension eine Zeitlang anderen Wissenschaften überlassen, das muss sich dringend wieder ändern“, meint Szech. Es gelte die individuelle Verantwortung von Personen in den Vordergrund zu stellen und bewusst zu machen, dass die Handlungen jedes einzelnen Auswirkungen haben.

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