Kommentar: Die Luft für klassische TK-Firmen wird dünner

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Wenn Unternehmen der Telekommunikation nicht dazu in der Lage sind, aus der Bereitstellung von Breitbanddiensten am Cash Flow der aufkommenden App-Economy zu partizipieren, die Schere zwischen den Netzbetreibern und Firmen wie Apple immer weiter auseinander geht, dann könnte die Luft für die alten TK-Konzerne dünner werden.

Schwergewichte der Web-Welt wie Google drängen auch ins Kerngeschäft der Netzbetreiber. Allerdings seien die TK-Firmen wohl noch keine Übernahmekandidaten. Davon geht zumindest das Beratungshaus Booz & Co. Aus, die im Vorfeld der Mobile World in Barcelona Prognosen über die Entwicklung des TK-Marktes anstellten. Zumindest nicht In den nächsten drei Jahren.

Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland könnte ein kritisches Szenario für die TK-Welt viel früher eintreten. So plant Google den Aufbau eigener Breitbandnetze. Es geht um Glasfasernetze, die mindestens hundertmal schneller sein sollen als die bislang in den USA üblichen. Der Konzern wolle jedoch kein vollwertiger Anbieter von breitbandigen Internetanschlüssen werden, betonte Produktmanagerin Minnie Ingersoll. „Wir planen nicht den Bau eines landesweiten Netzes”, sagte sie gegenüber der FTD. „Das Ziel des Projekts ist es, zu experimentieren und zu lernen.“

Mit den begrenzten Versuchen wolle Google herausfinden, was Entwickler und Nutzer mit ultrahohen Geschwindigkeiten machen können, “beispielsweise breitbandige Killer-Apps und -Dienste entwickeln, oder andere Dinge, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können”, so Ingersoll weiter. Google wolle zudem neue Verfahren für den Bau von Glasfasernetzen testen. An schnelleren Glasfasernetzen interessierte Gemeinden und Bürger sollen sich bei Google melden, damit der Konzern entscheiden kann, wo er die Netze bauen werde. Das dürfte die TK-Firmen wenig beruhigen. Aus dem Test könnte schnell ein Flächenbrand werden.

„Die Telcos müssen lernen, dass Google schon längst ein Netzbetreiber ist. Der Suchmaschinen-Gigant ist schon jetzt ein Telco-Unternehmen. Die klassischen Firmen der Telekommunikation neigen dazu, das ganze Thema unter dem Stichwort ‚Content’ zu betrachten. Was sie nicht wahrgenommen haben, dass der Content-Provider Google zu einem eigenen Netzbetreiber entwickelt hat und den TK-Konzernen kräftig Konkurrenz machen wird”, sagte Michael-Maria Bommer, Generalmanager von Nuance, in einem NeueNachricht-Interview auf der Call Center World in Berlin. Die Telcos brauchen nach seiner Auffassung neue Geschäftsmodelle, um nicht völlig abzustürzen.

Bommer empfiehlt persönliche Services auf Grundlage der so genannten „Customer Intelligence”, die die Telcos immer noch besitzen im Gegensatz zu Google. Der Vorsprung würde allerdings schwinden,  weil auch die Web-Unternehmen immer mehr Wissen über ihre Kunden generieren. Das erkenne man an den Plänen von Facebook, die als Internet im Internet mit der Relevanz von persönlichen Empfehlungen von Bekannten und Freunden die Weichen für einen Social Commerce stellen. SMS-Diktiersysteme, Musik-Suche, Fotos hochladen und weitere Services wären nach Meinung von Bommer geeignet, um das Applikationsgeschäft der Telcos anzutreiben. Der Touchpoint für diese neuen Dienste ist das Smartphone, da entscheide sich die Zukunft der TK-Konzerne.

Es gebe interessante Ansätze, um beispielsweise Self Service-Systeme aufs Handy zu bringen. Als Beispiel nennt Bommer das Programm „Mobile Care”. Solche Service-Applikationen, die etwa in Großbritannien schon im Einsatz seien, genießen eine hohe Akzeptanz beim Endkunden. Mobilfunktprovider würden dadurch eine signifikante Reduktion der Anrufe im Call Center erreichen. So wählt der Kunde eine Hotline-Nummer und bekommt auf sein Handy automatisch eine Applikation angezeigt, um wichtige Informationen abzurufen. „Auf dem Display werden Service-Optionen angezeigt. Aufgrund erster Erfahrungen können rund 80 Prozent der Kundenwünsche mit der App-Funktion bereits erfüllt werden. Anrufer müssen also überhaupt nicht pauschal in Call Center durchgestellt werden”, so Bommer. Mit der Handynummer und dem PIN-Code sei es möglich, hochgradig personalisierte Informationen anzubieten.

(Autor: Gunnar Sohn)

Info: www.ne-na.de

 

 

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