Kommentar: Es gibt einen Grund für die niedrigen Gründerzahlen

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Der Aufschrei könnte kaum größer sein: „Gründungsinteresse sinkt auf neuen Tiefpunkt“, „Existenzgründerzahlen das sechste Mal in Folge gesunken“, „Kampagnen für mehr Gründergeist sind gescheitert“, so die Überschriften nach den Auswertungen des aktuellen Gründungsmonitors der KfW und des DIHK Gründerreports.
flehmig-pichlmaier_kai

Der Aufschrei könnte kaum größer sein: „Gründungsinteresse sinkt auf neuen Tiefpunkt“, „Existenzgründerzahlen das sechste Mal in Folge gesunken“, „Kampagnen für mehr Gründergeist sind gescheitert“, so die Überschriften nach den Auswertungen des aktuellen Gründungsmonitors der KfW und des DIHK Gründerreports. Für die Stimulation der Wirtschaft und das nachhaltige Wachstum der Volkswirtschaft sind Unternehmensgründungen unerlässlich. Nur – das Gründungsgeschehen in Deutschland ist weiter im Abschwung. Grund ist nicht nur der gute Arbeitsmarkt, sondern auch die Vernachlässigung spezieller, für die Gründermotivation und Gründungsplanung wichtiger Faktoren.

 

(Bildquelle: KfW 2014)

 

Was nun? Wie hilflos die Lage ist, zeigt die Äußerung des BIHK-Hauptgeschäftsführers Peter Driessen. Jetzt sollen Flüchtlinge dem Gründungsklima neuen Schwung verleihen. Zum Trost fügen die Enttäuschten weiter an, dass die gute Konjunktur und die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt schuld sind an der Flaute in der Gründerszene. Klar ist, dass die bisherigen Maßnahmen das Gründungsklima in Deutschland nicht verbessert haben. Ein „Weiter so“ kann keine Lösung sein!

Push- und Pull-Faktoren entscheiden über die Selbstständigkeit

Bei der Entscheidung für die Selbstständigkeit spielen Push- und Pull-Faktoren eine Rolle. Die aktuellen Erklärungen für die rückläufigen Gründerzahlen beziehen sich ausschließlich auf die Schwäche von Push-Faktoren, also auf äußere Lebenssituationen, wie die geringen Arbeitslosenzahlen.

Dabei ist der Pull-Faktor – also die innere, persönliche Bereitschaft, sich für den Weg in die Selbstständigkeit zu entscheiden – wesentlich wichtiger. Maßgeblich sind das Streben nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit, die Wahrnehmung von Geschäftsmöglichkeiten oder die Zuversicht, das entwickelte Geschäftskonzept auch umsetzen zu können. Der Deutsche Gründerverband spricht hier von den Neuen Selbstständigen.

Um das Gründungsklima zu verbessern und die Wirtschaft nachhaltig zu fördern, gilt es, die Pull-Faktoren zu stärken.

 

BIHK-Hauptgeschäftsführers Peter Driessen

 

Appelle allein reichen also nicht, um Gründer zu motivieren, den aufwändigen und unsicheren Weg in die Selbstständigkeit zu gehen.

Nach wie vor zeigen die unzähligen Förderprogramme zu wenig Wirkung:

  • Was bringen Zuschüsse für die Beratungskosten, wenn das Geschäftskonzept an der nächsten Stelle abgelehnt wird?
  • Warum haben Hausbanken kein Interesse daran, Förderkredite zu beantragen?
  • Wieso dauert die Umsetzung einer Unternehmensgründung durchschnittlich sechs bis acht Monate?

Welcher Vermieter, Lieferant oder Mitarbeiter wird so lange warten? Der Gründungswillige hat in dieser Zeit keine Planungssicherheit und ist konfrontiert mit ungeahnten Fragestellungen, Risiken sowie Ablehnungen. Kataloge von Anforderungen, Hemmnisse im Zugang zum Kapitalmarkt, Unsicherheiten bei der Risikoabwehr und Zweifel am Mehrwert einer Fachberatung löschen bei vielen potenziellen Selbstständigen auch den letzten Funken ihrer Begeisterung.

Fazit: Es ist richtig, dass der Push-Faktor kaum positive Effekte auf das aktuelle Gründungsgeschehen hat. Auf der anderen Seite wird der Pull-Faktor fast gänzlich vernachlässigt. Aus diesem Grund hat der Deutsche Gründerverband e.V. die Initiative smartgründen ins Leben gerufen. Der digitale Gründungsprozess unterstützt die Neuen Selbstständigen deutlich schneller, besser und effizienter. Die Digitalisierung wird als wertvolle Chance für Wachstum und Nachhaltigkeit bei Gründungen begriffen, um die Pull-Effekte zu stärken – zur Förderung des Neuen Mittelstands.

Autor: Dr. Kai Flehmig-Pichlmaier (im Bild) ist Vorstand des Deutschen Gründerverbands in München.  2008 gegründet, hat der Deutsche Gründerverband mit dem Umzug nach München 2011 die Initiative smartgründen ins Leben gerufen. Der hohe Automationsgrad, Standardisierungen und die Organisation über digitale Strukturen verschlanken und verkürzen den Gründungsprozess erheblich. Der Verband verfolgt das Ziel, das Gründungsgeschehen in Deutschland zu steigern und die wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer zu verbessern.

(jm)

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