Kredit 4.0 – Industrialisierung des Kreditgeschäfts wird zum Wettbewerbsfaktor

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Die Industrialisierung des Kreditgeschäfts entwickelt sich vom reinen Kostensenkungshebel zum differenzierenden Wettbewerbsfaktor.
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Die Transformationsberatung Capco  mit Spezialisierung auf die Finanzdienstleistungsbranche hat das Kreditgeschäft von 44 Banken aus der DACH-Region analysiert. Im Rahmen der Studie wurde sowohl der Status quo im Privat- wie auch im Firmenkundengeschäft unter die Lupe genommen.

Dazu entwickelten die Experten von Capco einen eigenen Industrialisierungsindex, in den die Selbsteinschätzungen in den Bereichen Organisation/ Prozesse, Steuerung, Systeme/ Digitalisierung sowie Auslagerung einflossen. Das Privatkundengeschäft schneidet erwartungsgemäß deutlich besser ab als das Firmenkundengeschäft. Beide weisen deutliche Fortschritte aus. Jedoch zieht sich das Feld immer weiter auseinander mit massiven Nachteilen für Nachzügler. Vollautomatisierte, integrierte Prozesse mit fortschrittlicher Steuerung sind noch immer die Seltenheit.

Das Kreditgeschäft ist die Produktkategorie mit dem höchsten Nachholbedarf in Sachen Industrialisierung. Banken stehen vor der permanenten Notwendigkeit, ihre Kostenblock zu reduzieren. Seit Jahren machen Ertragsrückgang und zunehmende Wettbewerbsintensität der Branche zu schaffen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Qualität sowie an die regulatorische Compliance. Die Spezialisten von Capco analysierten im Rahmen der Studie „Kredit 4.0 – Industrialisierungsfaktoren im Kreditgeschäft der DACH-Region“ den Stand der Industrialisierungsbemühungen und geben einen Ausblick auf die Trends der nächsten Jahre.

Grundindustrialisierung im Privatkundengeschäft erfolgt

80 Prozent der befragten Banken im Privatkundengeschäft gaben die unzureichende Automatisierung als Hauptursache für die derzeitige Kostensituation an. Immerhin 64 Prozent bemängeln eine unzureichende Standardisierung im eigenen Haus. Insofern steht das Thema Industrialisierung zurecht im Fokus der Institute. Die Erhebung zeigt, dass Banken mit der Umstrukturierung des Privatkundengeschäfts deutlich vorangekommen sind, den Zielkorridor aber noch verfehlen.

Im Durchschnitt lag die Industrialisierung in den vier untersuchten Bereichen bei 48 Prozent des maximalen Potentials. Die beste Bank erreichte sogar einen Industrialisierungsgrad von 74 Prozent und lag damit im Zielkorridor (70 – 90 Prozent). Der schlechteste erhobene Wert lag jedoch bei gerade einmal 20 Prozent. Tomas Rederer, Partner bei Capco, zu diesem Ergebnis: „Die konsequente Digitalisierung ist im Kreditgeschäft angekommen. Insbesondere im anhaltenden Niedrigzinsumfeld wird sie auch zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

In den nächsten zwei Jahren werden führende Institute massiv weiter in die Industrialisierung ihres Kreditgeschäfts investieren. Nicht zuletzt wird das Ziel darin bestehen, End-to-End Prozesse für ein besseres Kundenerlebnis zu optimieren.“ Die Studie zeigt, dass schon heute die Bereiche Organisation und Prozesse zu den Vorreitern der Industrialisierung gehören. Noch schwächer ausgeprägt sind Steuerung und IT, während Auslagerung in DACH traditionell eine nachgelagerte Rolle spielt. Schon bis zum Ende des Jahres 2016 erwarten die Banken eine deutliche Steigerung des Industrialisierungsgrads in allen Bereichen, sodass der Mittelwert von 48 auf 63 Prozent steigen soll.

Tomas Rederer, Partner bei Capco

 

Firmenkundengeschäft geht neue Wege

Wie zu erwarten, schneidet das komplexere Firmenkundengeschäft in der Studie schwächer ab. Im Mittel lag der Industrialisierungsgrad lediglich bei 30 Prozent. Der Bestwert lag bei 47 Prozent, während das schlechteste Institut lediglich auf 16 Prozent kam. Den gesetzten Zielkorridor (55 bis 75 Prozent) verfehlten somit alle 44 Banken. Dennoch konnten die Experten von Capco feststellen, dass auch das Firmenkundengeschäft zunehmend von der Industrialisierung erfasst wird. „Früher im Firmenkundengeschäft undenkbare Industrialisierungsschritte, etwa automatisierte Entscheidungen von Standardfällen, halten Einzug. Fortschrittliche Workflow- und Workplace-Lösungen werden der Komplexität des FK-Geschäfts gerecht und machen massive Effizienz- und Durchlaufzeitenverbesserungen möglich“, so Rederer.

Hauptmanko im Firmenkundengeschäft ist nach Selbsteinschätzung die unzureichende Standardisierung der Prozesse (70 Prozent) sowie die fehlende Automatisierung (67 Prozent). Die Zielsetzung der Banken ist für das Jahr 2016 noch ambitionierter als bei Privatkunden. So soll bis zum Jahresende der Industrialisierungswert um 20 Prozentpunkte auf 50 Prozent steigen.

Industrialisierung genießt hohe Priorität

Die Schere zwischen führenden industrialisierten Banken und Nachzüglern geht immer weiter auseinander. Die Industrialisierung hat sich entsprechend zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor entwickelt. Führende Institute verfolgen ein koordiniertes Gesamtvorgehen, um die Herausforderungen der Transformation bewältigen zu können. Zu groß sind die Abhängigkeiten der Industrialisierungshebel untereinander. Bei der Auslagerung von Aufgaben stehen die Banken auch zukünftig der Auslagerung von Einzelaufgaben skeptisch gegenüber, immer öfter wird jedoch die vollständige Auslagerung in Betracht gezogen, um sich komplett auf Vertrieb und Risikosteuerung fokussieren zu können.

Die Studie macht deutlich, dass die Branche die Bedeutung der Industrialisierung erkannt hat, massiv investiert und sich in der entscheidenden Phase der Weichenstellung und Auslese befindet.

(jm)

 

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