Lieferketten: Revival von „Made in Germany“ im globalen Wirtschaftssytem

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Lieferketten: Revival von „Made in Germany“ im globalen Wirtschaftssytem

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Die Pandemie führt das weltweit vernetzte Wirtschaftssystem an seine Grenzen – mit folgenschweren Auswirkungen für Unternehmen und ihre Lieferketten. Besiegelt die Covid-19-Pandemie möglicherweise den Anfang vom Ende der Globalisierung?
Lieferketten

Quelle: Wright Studio/shutterstock

Vor einigen Wochen erlebte Europa den totalen Shutdown. In manchen Ländern war es untersagt, das Haus ohne Grund wie zum Einkaufen oder Arbeiten zu verlassen. Fabriken waren dicht und Grenzen wurden geschlossen. Diese Extremsituation hatte erhebliche Folgen für Unternehmen: Lieferketten und Produktionsketten wurden und sind seither gestört und konnten nicht aufrecht gehalten werden. Grund hierfür ist unser globales, vernetztes Wirtschaftssystem, das auf einer grenzüberschreitenden Mobilität und dem Austausch von Technologie, Dienstleistungen und Güter beruht.

Diese Form der Ökonomie leistete einen großen Beitrag zum Wohlstand der Menschen weltweit. Doch in den vergangenen Wochen zeigten sich manche Teile dieses Systems als fragil. Basierend auf diesen Erfahrungen wird nicht nur die Rolle der Globalisierung bei der Ausbreitung des Virus diskutiert, sondern ebenfalls die ökonomischen Folgen der Pandemie.

Lieferketten: Bisheriger Status Quo infrage gestellt

Globalisierungskritiker fordern schon seit langem eine Rückverlagerung der Produktion und eine stärkere Regulierung der Märkte. Neu ist allerdings nun auch, dass immer mehr Unternehmen ihre internationalen Lieferketten infragestellen: Laut einer aktuellen EY-Umfrage plant weltweit jeder zweite Konzern, die eigenen globalen Lieferketten zu überdenken. Offenkundig hat Covid-19 die unternehmerische Sichtweise verändert. Wurde damit das Ende der Globalisierung eingeläutet?

Zweifellos steht fest, dass es so schnell kein Zurück zum früheren Status Quo geben wird, denn dafür sind die Auswirkungen der Pandemie zu gravierend. Sie hat eine neue Realität, ein neues “New Normal” erschaffen. In diesem könnte aus unternehmerischer Sicht beispielsweise Sicherheit und Resilienz mehr Gewicht haben als Effizienz. Das hieße, dass Betriebe die Produktion aus Ländern wie China zurück nach Europa oder Deutschland verlagern würden. Der Standort Europa erführe damit eine Renaissance und das Qualitätssiegel „Made in Germany“ ein Revival.

Die Folge eines solchen Schritts wäre, dass Firmen die Auswirkungen von externen Einflüssen auf ihre Geschäftstätigkeit reduzierten. Denn im Falle einer Krise würde sich beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer termingerechten Lieferung deutlich erhöhen. Positiv zu bewerten ist außerdem die höhere Nachhaltigkeit der Lieferketten, da Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte den heimischen bzw. europäischen Qualitätsstandards unterlägen. Die Rückverlagerung der Produktionsstätten wäre zudem auch aufgrund kürzerer Transportwege ökologischer.  

Digitalisierung muss sich ganzheitlich durchsetzen

Bei allen Vorteilen stellt sich natürlich die Frage, wie ein Hochlohnland wie Deutschland konkurrenzfähig werden kann, wenn Unternehmen vorrangig lokal produzieren? Die Antwort lautet durch umfassende Digitalisierung und Automatisierung. Beides sind Bereiche, mit denen sich deutsche Unternehmen zwar bereits seit mehreren Jahren befassen, jedoch ist als Reaktion auf die jüngste Krise mit einem deutlichen Schub zu rechnen.

Ein gutes Beispiel ist die Großhandelsbranche. Hersteller von Produkten für Branchen wie Agrar, Bau, Handwerk oder Industriebedarf haben zwar schon vor der Krise langsam begonnen, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen, doch vielfach arbeiten sie noch analog. Das gilt beispielsweise auch für den Vertrieb. Hier hat der persönliche Kontakt noch einen hohen Stellenwert. Bedingt durch Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen wurde und wird dieser natürlich unmöglich oder zumindest erschwert.

Es gewinnen alternative Wege der Kommunikation und auch digitale CRM-Tools an Bedeutung und somit ist der Video-Call eine beliebtes Kommunikationstool geworden. Diese ersetzen zwar nicht den persönlichen Kontakt, jedoch bieten sie eine Alternative und sollten immer verfügbar sein, wenn ein direktes Treffen aufgrund einer Pandemie nicht möglich ist.

Lieferketten: Digitalisierung unterstützt Social Distancing

Andererseits werden im Zuge der Krise Geschäftsreisen und ihre Notwendigkeit stärker hinterfragt. Statt einer Reise wird künftig so manches Treffen dauerhaft per Videokonferenz abgehalten. Was früher exzessiv betrieben wurde, stellt sich in unserem “New Normal” teilweise als überflüssig dar, weil die Frage nach dem Sinn nun immer öfter gestellt wird.

Ein weiterer Schlüssel ist die Automatisierung. Sie ist zentral, wenn das Ziel einer lokalen Produktion umgesetzt werden soll. Zudem entlastet die Automatisierung Mitarbeiter von gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten und hilft dabei Abstandsregelungen einzuhalten. Ein weiterer Vorteil: die Fertigung lässt sich mit Robotern schnell auf neue Aufgaben umstellen. Tatsache ist, dass in Deutschland laut dem World Robotics Report der International Federation of Robotics (IFR) bereits heute auf 10.000 Beschäftigte 338 Industrieroboter kommen. Mehr gibt es nur in Südkorea. Allerdings gibt es deutliche Branchenunterschiede, denn die Installationen von Robotern finden hauptsächlich in der Automobilindustrie statt.

Auswirkungen der Automatisierung auf Arbeitsplätze

Doch welche Auswirkungen hat die Automatisierung für die Arbeitskräfte? Die landläufige Meinung, dass ein verstärkter Einsatz von Industrierobotern bedeutet, dass Mitarbeiter ersetzt und entlassen werden, bewahrheitet sich in der Praxis nicht immer unbedingt. So weisen die Länder mit der höchsten Dichte an Robotern wie etwa eben Deutschland und Korea beispielsweise sehr niedrige Arbeitslosenzahlen auf.

Tatsächlich zeigt sich, dass Mitarbeiter nicht entlassen, sondern in andere Bereiche verschoben werden. Zudem hat die Automatisierung weitere positive Effekte. So stellte das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung fest, dass Beschäftigte in Branchen, die verstärkt Roboter einsetzen, bei ihrem Arbeitgeber bleiben, da sich beispielsweise ihre Beschäftigungsstabilität erhöht.

Die Verschiebung der Tätigkeiten, und somit der Arbeitsplätze, ist geschichtlich gesehen übrigens eine Entwicklung, die bedingt durch industriellen und technischen Fortschritt schon immer stattgefunden hat. Sich vor Veränderungen zu verschließen kann auch aus dem Grund kein Argument sein, da Digitalisierung und Automatisierung entscheidende Wettbewerbsfaktoren sind.

Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen

Vieles spricht für eine Produktion Made in Europe oder Made in Germany und so manches Unternehmen ist sich längst bewusst, dass globale Lieferketten nicht nur Vorteile bedeuten. Die Diskussion um eine Rückverlagerung an heimische oder europäische Standorte ist dabei keinesfalls neu, sondern wird tatsächlich bereits seit einigen Jahren in den deutschen Führungsetagen geführt. Corona könnte daher nun der finale Auslöser sein, die entsprechenden Maßnahmen durchzuführen – auch im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung, die jeder Betrieb innehat, und die auch für die Beschaffung gilt. (sg)

Arasch Jalali Profishop
Arasch Jalali ist Gründer und Geschäftsführer von Profishop.

Über den Autor: Arasch Jalali ist Gründer und Geschäftsführer von Profishop. Profishop betreibt eine B2B-Beschaffungsplattform, die derzeit über 1.000.000 Artikel aus den Bereichen industrielle Gebrauchs- und Verbrauchsgütern für Profi-Anwender in Bau, Handwerk und Industrie anbietet. Die Besonderheit ist, dass die angebotenen Produkte direkt vom Hersteller an den Kunden versendet werden, wodurch Lagerhaltungskosten eingespart werden. (sg)

Lesen Sie auch: Lieferkette: In 5 Schritten zu mehr Verantwortung beim Supply-Chain-Management

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