21.01.2022 – Kategorie: Handel

Logistik: Fünf wichtige Trends für das Jahr 2022

Zuverlässige Lieferketten sind das Rückgrat der Wirtschaft, doch zuletzt wurden sie wiederholt gestört. Unternehmen, die ihre Digitalisierung vorantreiben, tun sich leichter, den wachsenden Anforderungen in der Logistik zu begegnen.

Die Lieferketten der deutschen Unternehmen stehen seit Beginn der Corona-Pandemie unter Druck und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das kurzfristig ändert, ist eher gering. Wer folgende fünf Trends in der Logistik kennt, kann die Lieferketten robuster und nachhaltiger gestalten.

1. Digitalisierung der Logistik steigert die Resilienz

Die Pandemie beschleunigt laut einer aktuellen Studie in über der Hälfte der Industrieunternehmen die Digitalisierung von Logistik und Supply Chain Management. Verantwortliche können agiler auf unerwartete Situation reagieren. Und sich so in der Supply Chain insgesamt resilienter aufstellen, zum Beispiel durch die vorausschauende Optimierung von Beständen oder Behälterverfügbarkeiten. Außerdem prognostizieren Echtzeit-Warnsysteme frühzeitig Engpässe und bieten Handlungsempfehlungen. Ergänzend können neue Frühwarnsysteme soziale Netzwerke überwachen, in denen häufig als erstes über Krisensituationen berichtet wird, was einen Zeitvorteil verschafft.

2. Kooperationen bieten Wettbewerbsvorteile

Bislang setzen Unternehmen noch eher selten auf unternehmensübergreifende Kooperation. Doch eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, Händlern oder Dienstleistern etwa in Transport, Produktion und Vorratshaltung schafft große Wettbewerbsvorteile. Der Informationsaustausch zu Beständen, Produktionsplänen, Behälterpools, Bedarfen und Absatzzahlen erlaubt eine genauere Planung und eine robustere Gestaltung von Lieferketten. Denn hierbei wird nicht nur die Perspektive eines einzelnen Unternehmens eingenommen.

Die gemeinsame Planung von Warenströmen vermag außerdem Transportrouten und Transportkapazitäten besser auszulasten. Das bietet enorme Kostenvorteile und erleichtert das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen erleichtert. Eine solche Zusammenarbeit setzt allerdings Vertrauen und Transparenz voraus – und digitale Technologien für einen reibungslosen Informationsaustausch und datengestütztes Controlling.

3. Mitarbeiter rücken in den Fokus

Fachkräftemangel, Fluktuation und Digitalisierung machen ein Umdenken der Welt der Arbeit dringend nötig. Immerhin fehlen der Logistikbranche bereits heute allein 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer sowie unzählige Disponenten und Lagermitarbeiter. Während der Pandemie hat eine digitale Personaleinsatzplanung schon vielen Unternehmen geholfen, optimal auf unerwartete Spitzen oder Mitarbeiterausfälle zu reagieren.

Der Nutzen geht aber darüber hinaus: Durch den Einsatz intelligenter, digitaler Tools stellen sich Unternehmen mitarbeiterfreundlicher auf. Mitarbeiterinteressen lassen sich mit betrieblichen Anforderungen in Einklang bringen und die Möglichkeit zur Mitgestaltung nimmt zu. Damit streift „New Work“ das enge Korsett des Homeoffice ab und rückt als „Digital Work“ auch für gewerbliche Mitarbeitende in greifbare Nähe. Es ließen sich sogar dort flexiblere Arbeitszeitmodelle umsetzen, wo bislang klar geregelte Schichtarbeit gegolten hat.

4. Hybride Flotten verbessern die Intralogistik

Die meisten Industriebetriebe setzen bei internen Werkstransporten noch vor allem auf Stapler. Fahrerlose Transportsysteme (FTS) kommen zwar in immer mehr Bereichen zum Einsatz, doch mangelnde Kompatibilität der Kommunikation und Steuerung unterschiedlicher FTS untereinander beziehungsweise zwischen FTS und Transportmitteln mit menschlichen Fahrern hemmt den effizienten Einsatz. Damit steht und fällt der Erfolg von FTS mit dem Einsatz eines Transportleitsystems, das die FTS sowie manuell gesteuerte Flurfördermittel vernetzt und aus einer Meta-Perspektive alle Fahrzeuge steuern kann.

In Form der VDA 5050 ist dafür eine standardisierte Schnittstelle zur Kommunikation der autonomen Fahrzeuge mit einer solchen Leitsteuerung vorhanden, die Unternehmen nutzen sollten. Schließlich sind FTS nicht für jede Art von Transportgut geeignet, etwa wenn die Behälter nicht dem Standard entsprechen. So ist eine hybride Fahrzeugflotte mit einem in Echtzeit arbeitenden Transportleitsystem oft die beste Lösung, damit das gesamte Auftragsnetz optimal funktioniert und möglichst wenig Leerfahrten anfallen.

5.Nachhaltigkeit der Logistik wird zum Muss

Sowohl der Kundenwunsch nach umweltfreundlichen und zu fairen Bedingungen hergestellten Produkten als auch das neue Lieferkettengesetz machen eine nachhaltige Logistik für Unternehmen unabdingbar. Sie müssen nicht nur über die Arbeitsbedingungen innerhalb eigener Lieferketten und bei unmittelbaren Zulieferern wachen, sondern auch auf Verfehlungen bei nachgelagerten Lieferanten reagieren. Zudem erwächst die CO2-Belastung von Vorprodukten und Zukaufteilen neben dem Preis und der Lieferzeit zu einem zunehmend wichtigen Faktor bei der Angebotsauswahl. Ein intelligentes Lieferantenmanagement, das Umweltaspekte berücksichtigt, wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Inform Berlit
Matthias Berlit ist Geschäftsführer bei der Inform GmbH. (Bild: Inform)

„Die Herausforderungen in der Logistik werden 2022 nicht kleiner, doch mit innovativen digitalen Lösungen begegnen Unternehmen ihnen erfolgreich und stellen sich resilienter, nachhaltiger und mitarbeiterfreundlicher auf. Wer jetzt nicht die Chance ergreift und Digitalisierungsprojekte anstößt, verzichtet auf Wettbewerbsvorteile und wird in den nächsten Jahren von der Konkurrenz abgehängt.“

Matthias Berlit ist Geschäftsführer bei der Inform GmbH.

Die Inform GmbH entwickelt Software zur Optimierung von Geschäftsprozessen mittels Digital Decision Making. Die Software funktioniert auf Basis künstlicher Intelligenz und Operations Research. Sie ergänzt die klassischen IT-Systeme und steigert die Wirtschaftlichkeit und Resilienz vieler Unternehmen. Während datenverwaltende Software nur Informationen bereitstellt, können die Systeme von Inform große Datenmengen analysieren. Darüber hinaus lassen sich Entscheidungsvarianten durchkalkulieren, die dann dem Anwender die bestmögliche Lösung zur Umsetzung vorschlagen. (sg)

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