Mehr in der Firmenkasse: Acht einfache, legale (Steuer-)Spartricks für den E-Commerce

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Viele Netz-Selbstständige geben, auf ihre Einnahmen bezogen, zu viel aus. Dabei lassen sich mit den richtigen Kniffen so manche Euros einsparen oder zumindest zurückholen.

Steuern sparen

Viele Netz-Selbstständige geben, auf ihre Einnahmen bezogen, zu viel aus. Dabei lassen sich mit den richtigen Kniffen so manche Euros einsparen oder zumindest zurückholen.

Es gibt nur wenige andere Geschäftsbereiche, in denen man mit so geringen Einsätzen so große Gewinne machen könnte wie im E-Commerce. Wo keine hunderttausende von Euros teuren Produktionsmaschinen notwendig sind, wo vieles mit handelsüblicher Digitaltechnik bestens erfüllt werden kann, ist die Einstiegshürde auch heute noch relativ niedrig und zieht Jahr für Jahr viele Gründer an. Hier einige Spartricks, von denen jedes E-Commerce-Unternehmen, unabhängig vom gewählten Unternehmensstandort, profitieren kann: teilweise durch klassisches Einsparen, teilweise durch steuerliches Optimieren.

Auch im E-Commerce ist es oberste Pflicht, die kleinsten Sparmöglichkeiten zu suchen und zu finden. Nicht nur vierstellige Summen machen den Unterschied. Bild: fotolia.com © stokkete

Tipp 1: Die Shopsoftware

Jeder E-Commerce-Gründer weiß, dass mit der richtigen Shopsoftware alles steht und fällt. Natürlich gilt, dass der primäre Fokus beim Aussuchen darauf liegen sollte, was die Absprungraten so niedrig wie möglich hält. Aber: So viele Software-Lösungen der Kategorie „gut & günstig“ es auch gibt, sollte man nicht blind zugreifen, auch wenn es auf den ersten Blick maßgeschneidert auf die eigenen Bedürfnisse wirken mag. Unter den kostenpflichtigen Angeboten finden sich oft jene kleinen Zusatzfunktionen, die mittel- und langfristig mehr Umsätze generieren. Das bedeutet aber, dass man sich noch intensiver mit der Auswahl befassen muss. Software, die sich über Umsatzbeteiligung finanziert, sollte man argwöhnisch betrachten. Denn spätestens, wenn aus dem Start-up ein sich in sicheren Wassern befindliches Unternehmen geworden ist, sind solcherlei Bezahlmodelle oft maßlos überteuert.

Tipp 2: Die freiwillige Bilanz

Selbstständige wissen, dass sie normalerweise erst dann eine Bilanz für das Finanzamt erstellen müssen, wenn der Jahresumsatz nach den jüngsten Buchführungs-Änderungen über 600.000 Euro bzw. der Gewinn über 60.000 Euro liegt. Darunter reicht die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) und viele Unternehmer greifen wegen des stark verringerten Arbeitsaufwands auch gerne darauf zurück.

Sparsamer wäre es jedoch, auch unterhalb dieser Grenzen nicht blindlings auf die EÜR zu setzen, sondern eine freiwillige Bilanz zu erstellen. Zum einen, weil diese die betrieblichen Vermögensverhältnisse auch für den Besitzer viel transparenter gestaltet, als die groben Einnahmen-Ausgaben-Gegenüberstellung und somit Einsparpotenziale offenbart. Zum anderen, weil sich daraus steuerliche Vorteile ergeben. Etwa die Möglichkeit, von den Vorteilen der Gewinnthesaurierung Gebrauch zu machen oder auch, Rückstellungen zu bilden und so die Belastung über mehrere Geschäftsjahre zu verteilen. Ein Thema für den nächsten Steuerberatungstermin.

Tipp 3: Die maximale Beschreibung

Es ist bekannt, dass ein Produkt für den E-Commerce-Manager umso teurer wird, je mehr Zeit und somit Geld er in dessen Beschreibung auf der Verkaufsplattform investiert. Mit ein Grund dafür, warum nach wie vor so viele auf ein „Kopieren und Einfügen“ von der Herstellerseite vertrauen (auch wenn das aus vielen Gründen, von denen Copyright nur eines ist, kritikwürdig ist). Allerdings sorgt genau diese Vorgehensweise auf lange Sicht für höhere Ausgaben. Denn solcherlei Produktbeschreibungen reizen die Möglichkeiten längst nicht aus und damit erzeugen sie für den Kunden immer einen gewissen Unsicherheitsfaktor, denn er bestellt etwas, was er nicht genauestens kennt. Damit steigt die Rücksenderate und somit der Kostenaufwand für das Unternehmen, weil (für den Käufer) kostenlose Retouren mit zu den wichtigsten Händler-Auswahlkriterien gehören.

Für den Händler sollte deshalb gelten: Jede Minute, die man in die Optimierung der Beschreibung investiert, in bessere Fotos, vielleicht sogar Videos, zahlt sich doppelt aus. Denn selbst wenn dank dieser besseren Beschreibung ein Kunde nicht bestellt, wo er es andernfalls getan hätte, erspart man sich dadurch selber wenigstens die Retouren-Ausgaben.

Rücksendungen aufgrund schlechter Beschreibungen sind ein unterschätzter Umsatz-Killer und können dabei so leicht vermieden werden. Bild: fotolia.com © fotomowo

Tipp 4: Die Holding

Viele E-Commerce-Unternehmen wurden als Kapitalgesellschaft gegründet, etwa als GmbH oder Unternehmergesellschaft – die oft naheliegendste Lösung. Doch wie häufig mit solchen Lösungen der Fall: sie ist nicht die günstigste. Denn alle Gewinne, die etwa von einer GmbH ausgeschüttet werden können, werden entweder zu 60 Prozent über den Steuersatz der empfangenden Person versteuert oder aber zu 25 Prozent Abgeltungssteuer.

Doch es gibt ein effektives und nicht schwieriges Schlupfloch: Die Gründung einer Holding. Sobald die Gewinne einer GmbH über dem liegen, was der/die Gesellschafter benötigt/en, werden ihre Vorteile offensichtlich. Dadurch, dass die Holding als Mutterunternehmen oberhalb der GmbH steht, kann diese vollkommen legal Gewinne an die Holding ausschütten zu einem dramatisch reduzierten Steuersatz von nur rund 1,5 Prozent.

Tipp 5: Die Diesel-Affäre

Zwar setzen viele im E-Commerce auf externe Transportdienstleister. Doch oft genug sind auch noch eigene Firmenfahrzeuge vorhanden. Da man bei den Kraftstoffkosten gerne sparen möchte, wurden diese Fahrzeuge als Diesel angeschafft. Genau das wird jetzt, da Diesel-Wagen durch Fahrverbote usw. bedroht und somit im Wert stark geschmälert wurden, zur Chance. Denn unzweifelhaft lässt sich belegen, dass ein Dieselfahrzeug dadurch teils massiv an Wert eingebüßt hat – und damit sind schon alle Grundlagen vorhanden, um einen Teilwertabschlag vor dem Finanzamt zu begründen. Tatsächlich ist ein Diesel sogar der aktuell unbestreitbarste Grund, den kein Finanzamt anzweifeln wird.

Dieselbetriebene Fahrzeuge im Firmenbesitz haben nachweisbar herbe Wertverluste erlitten und sind deshalb gut als Teilwertabschlag geltend zu machen. Bild: fotolia.com © Wellnhofer Designs

Tipp 6: Die Betriebsvorrichtungen

Man hat im laufenden Geschäftsjahr das Firmengebäude erweitert, um- oder neubauen lassen? Dann bietet sich hier die Chance, vollkommen legal und kräftig mit der Abschreibungsdauer zu spielen. Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen der Laufzeit von Grundvermögen (dem Gebäude selbst mit seinen Grund-Installationen wie bspw. Elektrik) und den Betriebsvorrichtungen. Etwa Kommissionierungslaufbänder, aber auch gesonderte Klimatisierung von Serverräumen. Grundvermögen – eine genauere Übersicht liefern die aktuellen AfA-Tabellen – hat eine Abschreibungsdauer von 33 Jahren, Betriebsvorrichtungen aber nur von 10 bis 15.

Allerdings kann man diese Unterschiede nur dann vor dem Finanzamt geltend machen, wenn man auch zwei Rechnungen für die Arbeiten vorweisen kann. Das bedeutet, man muss je um eine Rechnung nur mit den Arbeiten des Grundvermögens bitten und um eine für die Betriebsvorrichtungen.

Tipp 7: Die Versanddienstleister

Mit den Versanddienstleistern, mit denen man zwingend zusammenarbeiten muss, ist es ein wenig wie mit Strom- und Gasanbietern: Sie neigen dazu, in unschöner Regelmäßigkeit ihre Kosten zu erhöhen und sie an ihre Kunden, also Online-Händler, weiterzugeben. Doch es gilt hier im besonderen Maße, dass nur der Träge, Unflexible von solchen Erhöhungen vollumfänglich getroffen wird. Eine der wichtigsten Regeln ist das Verhandeln mit harten Bandagen. Aufgrund der Explosion des Onlinekaufs haben sämtliche Paketdienstleister alle Hände voll zu tun. Aber genau das macht sie auch angreifbar. Wer als Selbstständiger Kostenerhöhungen hinnimmt, möchte sich einfach nicht die Arbeit machen. Vielmehr sollten sie Auslöser dafür sein, um den Kontakt herzustellen und bessere Konditionen auszuhandeln. Das bedeutet mehr Kosten, aber dafür eben auch ein besseres Angebot für das eigene Unternehmen. Selbst wenn das nichts bringt, hilft oft genug die Drohung damit, eine Neuausschreibung vorzunehmen.

Der Versand an Packstationen ist zwar gut, um Dienstleisterkosten zu senken. Aber nicht alle Kunden nehmen dieses unkomfortablere Modell an. Bild: fotolia.com © Aleksej

Tipp 8: Die Verpackungen

Für den Unternehmer ist es die einfachere Lösung, bei der Verpackungsmittelbeschaffung auf möglichst wenige Varianten zu setzen, das macht die Kalkulation überschaubarer und wegen der damit verbundenen oft größeren Abnahmemengen den Stückpreis auch geringer. Aufseiten des Versenders ist das jedoch abermals oft verschenktes Geld. Das heißt: Je mehr Luft und Polstermaterial sich in einem Karton befinden, desto mehr zahlt man selbst unnötig, schließlich kalkuliert sich das meiste nicht so sehr über das Gewicht, wie es über die Abmessungen und Art der Verpackung berechnet wird.

Daher sollte versucht werden, Art und Größe seiner Verpackungsmaterialien maximal seinem Warenangebot anzupassen und ohnehin dabei das neu in Kraft getretene Verpackungsgesetz zu beachten. Art und Größe der Verpackungen anzupassen ist auch eine Fleißaufgabe, die man an die Kommissionierer und Verpacker weitergeben muss. Jeder Kubikzentimeter Luft, den man versendet, ist einer zu viel, der mit unnötigen Ausgaben verbunden ist.

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