Mehrwegversandtaschen: Wie funktioniert Nachhaltigkeit im Onlinehandel?

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Mehrwegversandtaschen: Wie funktioniert Nachhaltigkeit im Onlinehandel?

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Nachhaltigkeit wird im Handel ein immer wichtigeres Thema. Mimi Sewalski erklärt, wie es funktioniert und wie sie ihre Position als weibliche CEO von Avocadostore im Retail-Business betrachtet.
Mehrwegversandtaschen

Quelle: Avocadostore

Nachhaltigkeit im Online-Shop durch Mehrwegversandtaschen? Mimi Sewalski stieg bei Avocadostore als Quereinsteigerin in 2010 ein und wurde bereits 2013 Geschäftsführerin. Als Nachhaltigkeitsexpertin brachte sie über 4.000 innovative Eco Brands und Startups mit über 260.000 Produkte zum Online-Marktplatz. Im Gespräch mit Christiane Manow-Le Ruyet, Chefredakteurin des e-commerce magazins, erklärt sie, wie Nachhaltigkeit im Handel funktioniert und welche Erfahrungen sie als Frau im Retail-Business gemacht hat.

Als Frau in der Männerdomäne

Auch der Onlinehandel ist männerdominiert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, als Sie mit Avocadostore an den Start gingen?

Mimi Sewalski: Da ich erst kurz nach der Gründung in 2010 dazugekommen bin, und die Gründer zwei Männer waren, habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht. Es war eher schwieriger, Menschen davon zu überzeugen, dass die Nische „Nachhaltigkeit“ eine gute Nische ist. Avocadostore war damals ein Pionier. Wir waren die ersten die zwei Megatrends – „Nachhaltigkeit“ und „Onlinehandel“ – in Form eines Marktplatzes kombiniert haben. Unsere Idee war es, für nachhaltige Marken, Startups und Ladengeschäfte eine Plattform zu schaffen, wo sie einfach und risikolos verkaufen können, und dem Kunden eine Adresse zu geben, wo er alles zum Thema „nachhaltiger Konsum“ auf einer Seite findet, Informationen bekommt und direkt vergleichen kann.

Mit welchen Vorbehalten im Retail-Segment mussten Sie als Frau kämpfen?

Avocadostore hat zu Beginn eher eine spitze Zielgruppe angesprochen. Deswegen habe ich vor allem Skepsis erlebt, wenn es um die Zielgruppe ging. Also genau genommen, ob es diese Zielgruppe überhaupt gibt und ob man diese digital erreicht. Man darf nicht vergessen, dass das Thema Nachhaltigkeit 2010 vor allem offline, in Ladengeschäften stattfand. Auch die Ökopioniere im Mode-Segment waren damals noch nicht sehr digital. Hier war es dann für mich oft schwer, das Insider-Wissen gut zu vermitteln. Wenn ich beispielsweise Landing Pages zum Thema „vegane Schuhe“ wollte, wurde ich manchmal eher belächelt, weil die Ansprechpartner sich nicht in die Zielgruppe reinversetzen wollten oder mir nicht vertraut haben. Heute ist „vegane Schuhe“ eine unserer erfolgreichsten Landing Pages, und unsere Partner sind dankbar für unsere Insights.

Auf das Bauchgefühl kommt es an

Wie können es Frauen Ihrer Meinung nach schaffen, sich im Retail-Business zu behaupten? Was würden Sie empfehlen?

Ich glaube nicht, dass man als Frau andere Mittel braucht, um sich zu behaupten. Es zählen generell gutes Timing, ein Händchen für die richtigen Produkte, sicheres Wissen über die Bedürfnisse der Zielgruppe und natürlich auch ein guter Werkzeugkoffer: die Klaviatur des Online Marktings muss beherrscht, an die richtigen Leute oder Agenturen abgegeben werden. Last but not least finde ich es auch immer gut, auf das Bauchgefühl zu hören und sich nicht nur auf KPIs zu verlassen.

Welche persönliche Strategie verfolgen Sie dabei?

Ich denke viel aus der Sicht unserer Kund:innen. Das liegt daran, dass wir immer noch ein Nischenmarktplatz sind und dass sich das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und stark an Reichweite gewonnen hat. Unsere Zielgruppe ist nicht homogen und befindet sich im Wandel. Außerdem hinterfragt sie viel und ist sehr informiert. Ich würde jedem, der eCommerce betreibt, empfehlen, bereit zu sein, bestehendes Wissen zu hinterfragen und Strukturen, Prozesse und Gelerntes wieder zu verändern. Egal ob Frau oder nicht: Im Retail-Business ist es immer gut, das Bauchgefühl mit Zahlen zu untermauern, aber auch andersherum.

Nachhaltigkeit im E-Commerce ist für Händler nicht einfach umzusetzen – gerade in Punkto Retourenmanagement hilft kein erhobener Zeigefinger, um Kunden auf ein umweltbewusstes Agieren aufmerksam zu machen. Auf welches Konzept setzen Sie bei Avocadostore?

Unsere Kund:innen kommen zu uns mit dem Gedanken, nachhaltiger zu konsumieren, d.h. hier herrscht oft schon ein Bewusstsein für die Retourenproblematik. Wir versuchen durch gute Produktbeschreibungen, Maßtabellen und einen guten Kundenservice Retouren möglichst zu vermeiden. Unsere Kund:innen rufen oft lieber einmal durch und fragen nach der richtigen Größe, bevor sie eine Auswahlbestellung treffen. Vermeiden können wir Retouren so natürlich auch nicht ganz – gerade weil wir auch viel Mode verkaufen. Aber unsere Retourenquote auf dem Marktplatz ist meist um die 30 Prozent, was zeigt, dass unser Konzept hier gut aufgeht.

Mehrwegversandtaschen Avocadostore
Mimi Sewalski ist Geschäftsführerin von Avocadostore. (Bild: Avocadostore)

Ökostrom, Mehrwegversandtaschen und mehr

An welchen Stellschrauben können Onlinehändler, Ihrer Meinung nach, drehen, um für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen – Stichworte Supply Chain, Logistik, Verpackung.

Nachhaltigkeit hat immer mit Ganzheitlichkeit zu tun. Im Grunde kann man von der Produktion, über den Transport und die Verpackung bis hin zum Betriebsort bzw. Büro mehr für das Thema Nachhaltigkeit tun. Eine der einfachsten Maßnahmen ist auf Ökostrom umzusteigen. Eine weitere Stellschraube ist beim Inhalt eines Päckchens auf unnötiges Material und Beileger zu verzichten. Darüber hinaus sollten Rechnungen und Lieferscheine zweiseitig und auf Umweltpapier gedruckt werden. Klingt für viele vielleicht banal, hat aber in der Summe einen großen Impact und ist leicht umzusetzen.

Was halten Sie von CO2-Kompensationsmodellen für Onlineshops, um das CO2-Aufkommen zu verringern? Oder kommt da schnell der Verdacht des Green Washings auf?

Avocadostore versendet alle Bestellungen inklusive der Retouren klimaneutral. Wir kompensieren, indem wir Aufforstungsprojekte – beispielsweise in den Alpen – finanziell unterstützen. In 2021 werden wir auch unser gesamtes Unternehmen klimaneutral aufgestellt haben. Prinzipiell ist es natürlich immer besser, nicht zu kompensieren, sondern das CO2-Aufkommen von Anfang an zu vermeiden. Aber wenn es das Geschäftsmodell nicht erlaubt, ist es ein guter Weg, um mehr für Nachhaltigkeit zu tun. Auch hier finde ich die Ganzheitlichkeit wieder wichtig: Ist es nur ein Punkt im Gesamtkonzept, reicht es nicht. Dann hat es durchaus etwas von „Ablasshandel“ oder Green Washing.

Übrigens wird immer angenommen, dass der Onlinehandel automatisch klimaschädlicher ist, als der stationäre Einzelhandel. Bisher zeigen aber alle Studien dazu, dass dies nicht stimmen muss. Der Onlinehandel kann aufgrund seiner Skalierung und der daraus folgenden Effizienz durchaus nachhaltiger sein, sogar inklusive der Retouren. Ladengeschäfte haben immense Stromkosten (Beleuchtung, Klimaanlagen, Heizung). Sie brauchen ebenfalls Lagerflächen und auch dort wird die Ware in Kartons geliefert und geht oft in Tüten an die Kund:innen. Bei einer solchen Betrachtung fällt der Transport im Onlinehandel nicht so ins Gewicht, wie man oft denkt.

Würden Sie sagen, dass Kunden umweltbewusster geworden sind und nachhaltiger agieren? Warum?

Die Aspekte Nachhaltigkeit und Klimawandel sind inzwischen auch in den Medien ein großes Thema. Hinzukommt, dass die zunehmende Trockenheit uns die Folgen des Klimawandels direkt spüren lässt. Und auch Covid-19 hat bei vielen Menschen dazu geführt, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Ich glaube, dass der Trend zu einem „buy less but better“ gehen wird. Was auch hilft, ist die Tatsache, dass Nachhaltigkeit – vor allem im Modebereich – nicht immer sehr teuer sein muss, sondern im Preis-Leistungs-Verhältnis mehr Qualität für einen guten Preis bietet. Wir kommen langsam von einem „Warum ist bio immer so teuer?“ zu einem „Warum sind herkömmliche Produkte eigentlich so günstig?“

Mehrwegversandtaschen
Bild: Avocadostore

Bitte erklären Sie, was es mit dem Forschungsprojekt praxPack auf sich hat?

PraxPack ist ein mehrjähriges Forschungsprojekt. Hier beschäftigt sich Avocadostore in Zusammenarbeit mit Ökopol und anderen Partner wie Otto und Tchibo mit dem Thema Mehrwegversandtaschen im Online-Versandhandel. Alle Partner haben im Sommer 2020 einen Piloten im laufenden Betrieb gestartet, wo Mehrweg-Verpackung, wie die RePack-Versandtasche, zum Einsatz kam. Ziel war es, rauszufinden, unter welchen Bedingungen die Mehrwegversandtaschen skalierbar und nachhaltig sind und ob sie von Kund:innen auch wieder in den Umlauf gebracht werden.

Avocadostore hat außerdem getestet, ob Kund:innen bereit sind, für Mehrwegversandtaschen höhere Versandkosten zu bezahlen, was wir für unsere Kund:innen bereits bejahen können. Alle anderen Ergebnisse sind auf der Ökopol-Website veröffentlicht. Das Projekt ist aber noch nicht abgeschlossen. Weitere Testphasen und Ergebnisse werden noch folgen.

Erste Ergebnisse des Pilottests mit Mehrwegversandtaschen

Wie wollen Sie es für Avocadostore nutzbar machen?

Schön wäre es, wenn Avocadostore als Marktplatz wirklich nachhaltige Mehrwegversandtaschen für all unsere 3.000 Anbieter:innen zur Verfügung stellen könnte. Ein Ergebnis des Pilottestes war bereits, dass eine Mehrweg-Verpackung relativ viele Umläufe braucht, um wirklich nachhaltiger zu sein, als zum Beispiel ein Karton aus Recycling-Material. Wie man das schafft, gehört noch zu den offenen Fragen des Projektes.

Wie sieht Ihre Version vom E-Commerce der Zukunft aus?

Ich freue mich auf E-Commerce, der noch besser versteht, was Kund:innen wirklich wollen. Indem personalisierte Inhalte angezeigt werden, die Kund:innen auch mitbestimmen können. Ich wünsche mir einen Weg, der es uns erlaubt sinnvoller zu kaufen, Dinge zu reparieren und auch die Entsorgung von Produkten berücksichtigt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es im E-Commerce der Zukunft auch wichtiger sein wird, als Marke Gesicht zu zeigen, transparent zu sein und darzustellen, dass die Produktion fair, sozial und umweltfreundlich ist.

Lesen Sie auch: Re-Commerce: Wie der Handel mit Restposten den Trend zur Nachhaltigkeit unterstützt

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