Microsoft: Einfache Botschaften statt Techno-Marketing

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Die Windows-7-Kampagne von Microsoft setzt auf Kundennutzen, nicht auf technische Features im Ingenieurslatein.

IT-Fachmann Jörg Frey, Geschäftsführer der Freiburger Softwarefirma Haufe-Lexware, hält die Neuausrichtung von Microsoft für bemerkenswert, bei der Windows-7-Kampagne nicht mehr die technischen Features in den Vordergrund zu stellen, sondern den Kundennutzen. „Da sehe ich eine Abkehr von den klassischen Marketinginstrumenten, die in der IT-Branche bislang üblich waren und noch sind. Bei den Hardware-Anbietern erlebt man allerdings immer noch eine sehr techniklastige Litanei in der Kommunikation mit den Kunden. Mit einer Riesenliste von Aufzählungen über die Anwendungsmöglichkeiten des Systems geht man im Marketing an den Bedürfnissen der potenziellen Käufer vorbei“, so Frey.  Es gebe einen klaren Trend im Marketing, den Kunden selber zu Wort kommen zu lassen über die Sinnhaftigkeit des Produkts.

„Damit wird die Marke wesentlich glaubwürdiger und die Akzeptanz im Markt steigt. Darauf setzt auch die neue Windows-7-Kampagne“, sagt Frey. Viele IT-Firmen würden zu sehr die eigene Produktentwicklung bei den Botschaften einbeziehen und nur eine Flut von technischen Details in den Vordergrund stellen. „Das ist verständlich, weil man es hier mit Technikern zu tun hat. Auf der anderen Seite bei den Käufern sitzen aber häufig Nicht-Techniker, die mit den vielen Informationen nichts anfangen können. Man muss sich also mehr mit der Frage beschäftigen, warum ein Produkt wirklich gekauft wird. Kunden haben in der Regel ein Problem und suchen nach einer Lösung. Die Kluft muss man überbrücken“, empfiehlt der Geschäftsführer von Haufe-Lexware, die vor allen Dingen mittelständische Kunden ansprechen. „Einen Metzgermeister, einen Handwerksbetrieb oder Pizzabäcker interessiert überhaupt nicht, was unter der Haube steckt. Dieser Klientel muss man mit einer einfachen und klaren Sprache die wichtigsten Dinge einer IT-Anwendung vermitteln. Wenn ich einfach und glaubwürdig nach außen kommuniziere, muss das Produkt halten, was ich verspreche und es muss einfach zu bedienen sein“, so das Credo von Frey. So sieht es auch Peter B. Zaboji, Chairman des Frankfurter After Sales-Spezialisten Bitronic: „Obsessionen für technische Perfektion sind ja schön und gut. Am Ende des Tages ist der Markterfolg entscheidend und nicht die Selbstverliebtheit von Ingenieuren. In vielen IT-Unternehmen sind Marketing, Management und Führung immer noch viel zu herstellerorientiert“, kritisiert Zaboji.

Der Erfolg der Apps für Smartphones zeige sehr deutlich, dass man in der IT-Branche neue Geschäftsmodelle nur über den Nutzen etablieren kann und nicht über das Formulieren und Transportieren von technischen Features, sagt Oliver Kaltner, Country Manager Entertainment & Devices bei Microsoft Deutschland und ehemaliger Geschäftsführer von Sony Deutschland. Der „Erotikfaktor“ eines Betriebssystems wie Windows 7 sei relativ bescheiden. „In der Vergangenheit haben wir dazu tendiert, ein Betriebssystem wie ein Betriebssystem zu vermarkten, nämlich über technische Features. Bei Windows 7 haben wir uns deshalb mit der Firmenzentrale in Redmond auf zwei Strategieaspekte verständigt. Nummer eins: Wir zeigen nicht alles auf, was Windows 7 kann, sondern konzentrieren uns auf vier einfache Botschaften. Windows 7 macht deine Maschine schneller, gibt dir eine bessere Struktur mit einer intuitiven Benutzeroberfläche, macht dein System sicherer und richtet dir das Betriebssystem nach deinen Wünschen ein. Nummer zwei: Wir lassen diejenigen über die vier Botschaften sprechen, die am Ende des Tages das Produkt auch nutzen“, erläutert Kaltner.

„Was Nintendo mit der Wii geschafft hat, ist der Beleg für die These, dass es nicht mehr um die Hardware geht. Die Entwickler haben erkannt, dass ein Großteil der Kunden grundsätzlich am digitalen Spiel interessiert ist, aber Angst davor hat, Hardware in die Hand zu nehmen und steuern zu müssen. Der Zugang zum Spiel muss vereinfacht werden und die Hardware darf nicht im Wege stehen. Wir gehen jetzt deutlich in die nächste Generation, denn es ist überhaupt keine Hardware mehr im Spiel. Bei uns ist kein Controller mehr notwendig, zudem kommt das Element der Sprachsteuerung hinzu. Beides hat zum Ziel, möglichst viele Konsumenten zum interaktiven Spiel zu bewegen und als gesellschaftliches Erlebnis zu Hause werden zu lassen. Der Blamierungsfaktor strebt dann gegen null und geht weit über das Thema Gaming hinaus“, sagt der Country Manager. Natal sei der Weg zum „Gaming für jedermann“ unter Einbindung der Social Media Networks wie Facebook und Twitter. Es werde über das Spielerlebnis hinaus ein Eisbrecher für ein neues User Interface sein: „Die Kulturgeschichte des Spiels hat gezeigt, dass sie Einfluss genommen hat auf andere gesellschaftliche Entwicklungen. Dafür wird auch die Bewegungs- und Sprachsteuerung des ‚Projects Natal‘ sorgen“, so der Ausblick von Kaltner.

Info: Redaktion NeueNachricht www.ne-na.de (Autor: Gunnar Sohn)

 

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