Mit dieser Assistenz-Software können Händler ihre Website barrierefrei gestalten

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Das Start-Up Eye-Able hat eine Assistenz-Software entwickelt, die Barrieren auf Websites und Onlineshops abbaut. Oliver Greiner, CEO von Web Inclusion, erklärt im Gespräch mit Chefredakteurin Christiane Manow-Le Ruyet, warum Barrierefreiheit ein riesiges Potenzial für Shop-Betreiber mit sich bringt.
Website barrierefrei gestalten

Quelle: Robert Kneschke/shutterstock

Onlineshops gibt es inzwischen sehr viele, aber nur die wenigsten Händler gestalten ihre Website barrierefrei. Menschen mit beispielsweise Sehschwächen tun sich deswegen schwer damit, Inhalte wahrzunehmen, geschweige denn von ihnen zu profitieren. Vielen bleiben E-Commerce verwehrt.

Christiane Manow-Le Ruyet: Euer Start-up Web Inclusion bietet eine Lösung, die Websites und auch Onlineshops barrierefrei macht. Mit welchen Schwierigkeiten sehen sich Menschen konfrontiert, die beispielsweise eine Rot-Grün-Sehschwäche haben?

Oliver Greiner: Die Probleme, mit denen es Menschen im Internet zu tun haben, sind sehr individuell und vielfältig. Menschen mit Seheinschränkungen, die nur noch Umrisse wahrnehmen, können beispielsweise Formularfelder oder generell Websites schlecht lesen. Das liegt meistens an den geringen Kontrasten, aber auch, wenn Inhalte zu klein auf den Seiten dargestellt werden. Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen haben es besonders schwer, mit Websites zurechtzukommen. Denn in der Regel sind Seiten nur mit der Maus bedienbar. Dabei ist es relativ einfach, dieses Manko zu lösen. Die Navigation muss eben auch über die Tastatur möglich sein. Genau dieses Problem und weitere lösen wir mit unserer Assistenzsoftware.

Bild: Christian Schmidt/Eye-Able

Um auf die Frage zurückzukommen: Menschen mit Farb-Seh-Schwächen können Inhalte auf Websites oft nicht richtig oder gar nicht wahrnehmen. Das ist extrem frustrierend für sie. Überleg‘ mal, wenn du nicht sicher sein kannst, ob du etwas richtig erkennst, dann verunsichert das enorm. Ein Beispiel dazu: Wer etwas falsch in ein Formularfeld eingegeben hat, bekommt eine Fehlermeldung angezeigt – in Rot. Wenn du aber eine Rotschwäche hast, kannst du die Meldung einfach nicht lesen.

Mein bester Freund Lennart beispielsweise hat eine genetisch bedingte Seherkrankung und dadurch nur noch wenig Sehkraft. Für ihn ist es nahezu unmöglich, eine gewöhnliche Webseite ohne Assistenztechnik zu bedienen. Wenn es um die Usability von Websites geht, werden viele Menschen vergessen – vor allem Ältere. Das haben wir bei unseren Interviews herausgefunden, die wir seit einigen Jahren führen. Oft wird das mit technischer Unwissenheit verbunden. Dabei liegt es aber meistens an den schlechten Kontrasten und zu vielen Inhalten. Da aber die Probleme, auf die Menschen beim Betrachten von Websites stoßen, sehr individuell sind, ist es schwierig eine einheitliche Lösung dafür zu finden. Wir müssen also den Usern die Möglichkeit geben, die Ansicht zu individualisieren. Das ist genau das, was wir mit unserer Assistenzsoftware Eye Able tun – wir bauen die Barrieren auf Websites und in Onlineshops ab.

Website barrierefrei gestalten – Die Chancen ergeben sich für Händler

Warum wird das Thema Barrierefreiheit im Internet noch immer so stiefmütterlich behandelt?

Ich denke, dass liegt am fehlenden Bewusstsein für diese Menschen und die Thematik. Es fehlt an Sensibilität, wenn es um Barrierefreiheit im Internet geht. Dabei haben es Website- und Onlineshop-Betreiber selbst in der Hand, Internetpräsenzen barrierefrei zu gestalten. Wir müssen aber von dem Gedanken wegkommen, dass alles neu aufgebaut werden muss, um barrierefreies Surfen zu ermöglichen. Es gibt viele Möglichkeiten. So kann beispielsweise Assistenzsoftware wie unsere integriert werden. User können damit verschiedene Funktionen aktivieren mit dem Ziel, Websites richtig wahrnehmen und bedienen zu können.

 Ist diese Zielgruppe nicht sehr klein und damit die Erklärung, warum so wenige Sites barrierefrei sind?

Das haben wir in den vergangenen Jahren sehr oft gehört. Dem ist aber nicht so. Jeder zwölfte Mann in Deutschland hat eine Farbschwäche. Und jeder zweite Deutsche ist über 50 Jahre alt. Statistisch gesehen, steigt damit das Risiko, altersbedingt an Sehkraft zu verlieren. Das kann jeden von uns, mehr oder weniger, betreffen. Dadurch wird aber schnell klar, wie groß die Zielgruppe ist, die barrierefreie Websites benötigen. Ebenso groß ist das Umsatzpotenzial, dass damit verbunden ist.

Welche neuen Chancen ergeben sich für Onlineshop- und Website-Betreiber, wenn sie ihre Websites barrierefrei gestalten?

Dadurch wird eine ganz neue kaufkräftige Zielgruppe erschlossen. Wenn du dir vorstellst, du willst als Mensch mit Seherkrankung online einkaufen und ein Shop-Betreiber hat seine Seite barrierefrei gestaltet. Dann wirst du natürlich in diesem Onlineshop einkaufen, denn du hast kein Problem damit, das Angebot wahrzunehmen. Shop-Betreibern bringt das nicht nur mehr potenzielle Käufer, sondern auch eine positive Unternehmens-Reputation. Denn der Shop-Betreiber vertritt eine klare Haltung zum Thema digitale Inklusion. Das ist gerade jetzt besonders wichtig, da der E-Commerce-Markt hart umkämpft ist. Da kommt es darauf an, sich mit Alleinstellungsmerkmalen vom Mitbewerb abzuheben. Mit digitaler Barrierefreiheit kann das gelingen. Es ist also eine gute Investition in die Zukunft.

Website barrierefrei gestalten
Bild: Christian Schmidt/Eye-Able

Wenn wir über Zukunft sprechen, ist es auch wichtig, den European Accessibility Act, den EAA, zu erwähnen. Im Rahmen dieser Richtlinie ist geplant, die gesamte E-Commerce-Branche dazu zu verpflichten, Onlineshops barrierefrei zur Verfügung zu stellen – und das in absehbarer Zeit. Hinzu kommt, dass auch Google Barrierefreiheit zu einem immer wichtigeren Ranking-Faktor hochstuft. Barrierefreie Websites sind also nicht nur eine Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben, sondern bieten grundsätzlich jedem Nutzer, mit oder ohne Einschränkung, Websites ihren individuellen Bedürfnissen nach einzustellen und zu nutzen. Ein echtes Plus für die Usability.

Welche Punkte müssen beachtet werden, damit Websites und Shops barrierefrei werden? Kannst du bitte einen kurzen Überblick geben?

Einen kurzen Überblick gibt hierzu der internationale Standard für Barrierefreiheit, die Web Content Accessibility Guidelines. Sie beschreiben viele Anforderungspunkte. Beispielsweise müssen Informationen und Inhalte für alle wahrnehmbar sein. Es gilt aber auch Aspekte wie ausreichende Kontraste und Schriftgrößen stets zu berücksichtigen. Damit jeder User eine Website bedienen kann, muss sie auch mit der Tastatur steuerbar sein und nicht nur mit der Maus. Für blinde Nutzer ist es wichtig, dass stringent Alternativtexte hinterlegt sind. Außerdem sind Bilder und Menüs angemessen und sinngemäß zu beschreiben. Werden neue Inhalte erstellt, ist es wichtig darauf zu achten, die genannten Punkte zu berücksichtigen. Nur so können blinde User die Inhalte einer Website auch über Sprachausgabe erfassen. Es sollte aber auch die Möglichkeit geben, die Ansicht der Seite zu vergrößern.

Website barrierefrei gestalten ohne Relaunch

Wie können bestehende Websites und Shops barrierefrei umgestellt werden, ohne dass ein größerer Relaunch nötig wird?

Um einfach und schnell einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, kann eine Assistenzsoftware wie unsere installiert werden. Das Gute daran ist: Die Webseite muss hierfür nicht verändert oder angepasst werden, es ist also kein Relaunch notwendig.

Stell dir das so vor: Du klickst als eingeschränkte Person auf einen Onlineshop und hast nun die Möglichkeit, den Kontrast, die Schriftgröße und die Webseiten-Inhalte so einzustellen, dass sie lesbar und bedienbar werden. Mein Freund Lennart beispielsweise würde sich die ganze Seite auf Schwarz-Weiß-Kontrast einstellen, die Ansicht um 1000 Prozent vergrößern und Bilder generell ausblenden.

Die Integration unserer Assistenzsoftware ist unkompliziert in jede Website möglich – über eine einzige Zeile Code, die in den Header eingebunden wird. Sie ermöglicht dem Nutzer, unabhängig vom Endgerät, ein breites Spektrum an Funktionalitäten, die wir gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigungen in den vergangenen vier Jahren entwickelt haben.

Aber generell läuft die Einbindung von Eye-Able so ab: Der Kunde entscheidet, welches Icon er für die Software vorsieht und welche Farben das Tool haben soll. Wir passen die Software entsprechend an die Seite an und übermitteln den Code. Gewöhnlich dauert dieser Prozess nicht länger als drei Werktage. Auf Wunsch kann die Software auch über einen eigenen Server gehostet werden. Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass unsere Assistenzsoftware die Performance der Seite nicht beeinflusst und wir keinerlei Nutzerdaten tracken. Auch der Funktionsumfang an sich ist komplett individualisierbar. 

Website barrierefrei gestalten
Bild: Christian Schmidt/Eye-Able

Was kostet eure Lösung?

Eye-Able kostet zwischen 149,90 und 449,90€ pro Jahr, Updates und Wartung sind inbegriffen. Hier unterscheiden wir nach dem durchschnittlichen monatlichen Traffic, denn je höher der Traffic, umso höher der Datenverbrauch und damit unsere Serverkosten. Mir ist immer wichtig zu betonen, dass wir neben der Assistenzsoftware unseren Kunden als Ansprechpartner zum Thema Barrierefreiheit im Internet zur Verfügung stehen. Wir sind im stetigen Austausch mit Barrierefreiheitsinstituten und informieren über neue Entwicklungen, auch in Bezug auf kommende Gesetzgebungen.

„Es liegt an uns, Barrieren abzubauen und jedem Menschen Zugang zu digitalen Angeboten zu gewährleisten”

Warum greift ihr als Start-up das Thema Barrierefreiheit auf? Wie ist es dazu gekommen?

 Das hat schon in meiner Kindheit begonnen. Gemeinsam mit meinem Freund Lennart habe ich die Grundschule und danach das Gymnasium besucht. Normal Sehende kommen wohl erst gar nicht auf den Gedanken, dass jemand nicht in der Lage sein kann, die Schrift auf der Tafel zu lesen. Bei Lennart war das jedoch so. Also las ich ihm die Inhalte an der Tafel vor. Diese analogen Barrieren spiegeln sich aber auch digital wider. Deshalb war es mir ein Anliegen gemeinsam mit Menschen wie Lennart eine Lösung zu schaffen, die ihnen eine Teilhabe ermöglicht. Denn nur weil es für uns „normal Sehende“ schwer zu verstehen ist, dass diese Barrieren existieren, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Und noch viel weniger bedeutet das, nichts dagegen tun zu müssen.

Wer sich gedanklich in Lennart hineinversetzt, versteht schnell, wie wichtig Barrierefreiheit ist, um ein selbstständiges Leben führen zu können und sich nicht ausgeschlossen zu fühlen. Durch mein Studium im Bereich E-Commerce wurde mir früh bewusst, dass Webseitenbetreiber oft nicht die nötige Zeit haben, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Doch wir haben es in der Hand, etwas zu verändern, um digitale Teilhabe zu ermöglichen.

Vor vier Jahren haben wir deshalb als Team begonnen, Interviews mit Menschen mit verschiedenen Einschränkungen zu führen. Die Probleme, die bei der Website-Bedienung auftraten, bildeten die Grundlage für unsere Assistenzsoftware. Der Nutzer steht dabei im Mittelpunkt aller Entwicklungen. Mit jedem Interview, das wir führten, wurde uns bewusst, wie wichtig es ist, Barrierefreiheit großflächig umzusetzen. Mit unserer Lösung wollen wir allen Nutzern Zugang zu digitalen Angeboten ermöglichen, in dem wir es Websitebetreibern leicht machen, Barrierefreiheit auf ihren Sites umzusetzen.

Genau wie ich Lennart in der Schule geholfen habe, Barrieren zu überwinden, wollen wir das auch in der digitalen Welt möglich machen. Es liegt an uns, Barrieren abzubauen und jedem Menschen Zugang zu digitalen Angeboten zu gewährleisten.

Website barrierefrei gestalten, Eye-Able Gründerteam
Bild: Christian Schmidt/Eye-Able

Lesen Sie auch: Digitale Barrierefreiheit – Diesen Fehler machen immer noch die meisten Onlinehändler.

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One Response

  1. Veronika Schmidt sagt:

    Mega! Weiter so, Jungs!

Comments are closed.

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