01.12.2023 – Kategorie: eCommerce

Neolending: Wie E-Commerce-Start-ups an Kapital kommen können

NeolendingQuelle: RoBird- stock.adobe.com

E-Commerce-Start-ups haben es derzeit schwer, sich zu finanzieren. Weder Banken noch Venture-Capital-Gesellschaften stellen genug Kapital zur Verfügung. Das ist trotzdem kein Grund zur Sorge. Denn es gibt Alternativen.

Neolending als Lösung? Steigende Zinsen, sinkende Bewertungen und zurückhaltende Investoren – bereits im vergangenen Jahr war es für deutsche Start-ups deutlich schwerer, frisches Geld einzusammeln. Nach dem Rekordjahr 2021 erhielten Start-ups laut einer Studie von EY im Jahr 2022 43 Prozent weniger Kapital zur Verfügung gestellt. Vor allem im Bereich E-Commerce gab es einen starken Rückgang von 83 Prozent.

Neolending statt Bankkredit?

Durch die Pleite der Silicon Valley Bank wird deutlich, dass sich das Marktumfeld in diesem Jahr voraussichtlich nicht verbessern wird. Die Finanzmärkte bleiben volatil, die Zinsen sind trotz der Turbulenzen im Bankensektor zuletzt weiter gestiegen. Der Markt ist von Unsicherheiten geprägt. Risiko­kapital bleibt daher teuer. Gleichzeitig sind vor allem Banken, aber auch Venture-Capital- und Private-Equity-­Gesellschaften in der aktuellen Situation bei der Due Diligence, also der Prüfung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, penibel.

Abgesehen von der aktuellen Rezession sind diese Institutionen für schnell wachsende E-Commerce-Start-ups schon länger keine attraktiven Geldgeber mehr. Nicht jedes junge Unternehmen möchte seine Anteile durch Fremdka­pital verwässern. Die Banken selbst haben oftmals nicht die benötigte Infrastruktur, um junge digitale Unternehmen zu finanzieren. E-Commerce-Start-ups basieren in der Regel auf immateriellen Werten – sie haben also keine Sicherheiten für die Banken. Außerdem fällt es Bankberatern oftmals schwer, die Auswirkungen beispielsweise einer Social-Media-Kampagne auf ein Unternehmen zu bewerten.

Diversifizierung der Finanzierungsquellen ohne Verwässerung der Kapitalstruktur

Der E-Commerce-Markt in Deutschland richtet sich auf Wachstum ein. Laut Statistik soll der Umsatz in diesem Jahr von rund 100 Milliarden Euro auf etwa 122,40 Milliarden Euro steigen. Die Prognosen für 2027 liegen bei 167,30 Milliarden Euro, was einem jährlichen Wachstum von 8,13 ­Prozent entspricht. Doch wie kommen in der aktuellen Lage E-Commerce-Start-ups kurzfristig an Finanzierungen, um weiter zu wachsen? Eine Alternative sind sogenannte Neolender. Ihre Vorteile: einfache und schnelle Kreditvergabeprozesse, überschaubare Kosten, flexible Kreditkonditionen sowie eine Diversifizierung der Finanzierungsquellen ohne Verwässerung der Kapitalstruktur.

Der Begriff „Neolending“ beschreibt eine neue Art der Kapitalvergabe über eine Plattform, die moderne digitale Datenauswertungstechnologie und innovative Methoden zur Risikobewertung von Unternehmen nutzt. Neolender bieten Finanzierungen im Wert von 2.000 Euro bis 20 Millionen Euro an, zum Beispiel zur Finanzierung von Liquiditäts­engpässen, Lagerbeständen oder Marketing- und Werbekampagnen.

5 entscheidende Komponenten des Neolending

Die Vorteile von Neolending für E-Commerce-Start-ups lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Einfacher Zugang zur Finanzierung: Neolender bieten ein einfaches Antragsverfahren, das Start-ups den Zugang zur Finanzierung erleichtert. Das Verfahren dauert oft nur ein bis zwei Tage und ist damit wesentlich schneller als herkömmliche Kreditvergabeverfahren. Dabei verbinden sich die Neolender-Plattformen in Sekundenschnelle mit den Tools, die digitale Softwareunternehmen bereits nutzen, zum Beispiel Buchhaltungssoftware, Bankkonten sowie Marketing- und Vertriebsplattformen – natürlich datenschutzkonform.

2. Bessere Kostenübersicht: Während Unternehmen bei einem Bankkredit in der Regel Kapital plus Zinsen zurückzahlen, verfolgen einige Neolender andere Ansätze. Ein Neolender, insbesondere RBF-Plattformen, berechnet eine Kommission, die die Kosten des Kapitals überschaubarer macht. Angenommen, die Kommission beträgt fünf Prozent einer Finanzierung von 100.000 Euro. Das bedeutet, dass die Gesamtkosten der Finanzierung 5.000 Euro betragen, nicht mehr und nicht weniger. Selbst wenn der Rückzahlungszeitraum auf ein Jahr ausgedehnt wird, sind am Ende noch 105.000 Euro zurückzuzahlen.

3. Flexible Kreditbedingungen: Neolender bieten flexiblere Kreditbedingungen als traditionelle Kreditgeber. Entweder handelt es sich um feste Pläne, bei denen jede Woche der gleiche Betrag zurückgezahlt wird oder die Rückzahlung ist an die Einnahmen des Unternehmens ge­koppelt (RBF). In beiden Fällen wird am Ende der gleiche Betrag zurückgezahlt. Eine RBF-Finanzierung bietet die Flexibilität, den Rückzahlungszeitraum bei Bedarf zu verlängern.

4. Diversifizierung der Finanzierungsquellen: Neolending-Plattformen ermöglichen den Zugang zu Finanzmitteln aus einer Vielzahl von Bezugsquellen. Dies kann das Risiko einer übermäßigen Abhängigkeit von einem einzigen Finanzinstitut verringern und die Chancen erhöhen, das für das Wachstum des Unternehmens erforderliche Kapital zu erhalten. Die Pleite der SVB hat gezeigt, wie wichtig eine Diversifizierung ist, um sich nicht von einem einzigen Institut abhängig zu machen.

5. Keine Verwässerung der Kapitalstruktur: Neolender unterstützen das Wachstum von Unternehmen, die über die Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung hinaus diversifizieren wollen. Der Vorteil ist, dass diese Finanzierungen die Eigenkapitalstruktur nicht verwässern, d. h. die Unternehmen müssen keine Firmenanteile an Investoren abgeben. Gleichzeitig verwässern die Finanzierungen auch nicht den Umsatz, da die Rückzahlungsoptionen flexibel und ertragsabhängig gestaltet werden können.

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Bild: Silvr

Der Autor Nima Karimi ist Co-Founder und CEO von Silvr, Europas erstem Neolender.

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