24.05.2012 – Kategorie: IT, Technik

nTLDs – Bewerbungssystem wieder frei geschaltet!

Neustart für das TLD Application System (TAS): die Internet-Verwaltung ICANN hat das Bewerbungsfenster um eine neue globale Top Level Domain (nTLD) am 22. Mai 2012 wieder geöffnet. Doch arg viel Zeit bleibt den Bewerbern nicht.


Knapp sechs Wochen Auszeit seit dem 12. April 2012, dann kam die erlösende Nachricht aus dem ICANN-Maschinenraum: die laut CEO Rod Beckstrom „extrem raffinierte“ technische Störung im TAS ist beseitigt, so dass das Bewerbungsverfahren um nTLDs fortgeführt werden kann. Seit vergangenen Dienstag haben alle Bewerber wieder die Möglichkeit, sich einzuloggen, eingereichte Bewerbungen zu überprüfen und bei Bedarf zu vervollständigen. Eine zehn Punkte umfassende Liste mit den „Top Things Users Should Know When TAS Reopens“ dient dabei als Orientierungshilfe. So weist ICANN darauf hin, dass pro Bewerber nur ein Login möglich ist; damit ist ausgeschlossen, dass mehrere Personen gleichzeitig im TAS an der Bewerbung arbeiten. Neubewerbungen sind seit dem 29. März 2012 ohnehin ausgeschlossen, es können also lediglich bereits eingereichte Bewerbungen weiter bearbeitet werden. Wer es sich noch einmal überlegen möchte, hat zudem Gelegenheit, die Bewerbung über das TAS zurückzuziehen; in diesem Fall werden sämtliche Gebühren erstattet. Um weiteren Störungen vorzubeugen, hat ICANN nach Angaben von COO Akram Atallah zudem die HTML-Vorschaufunktion sowie die Systemleistung insgesamt verbessert.


All zu viel Zeit, das TAS auf Herz und Nieren zu überprüfen, bleibt den Bewerbern jedoch nicht: bereits am kommenden Mittwoch, den 30. Mai 2012 um genau 23.59 Uhr (GMT/UTC) schliesst es endgültig seine Pforten. Wer also bis dahin seine Bewerbung nicht vervollständigt und abgeschickt hat, insbesondere auch die Bewerbungsgebühr von US$ 185.000,- nicht ordnungsgemäß einbezahlt hat, scheitert bereits aus formalen Gründen. Wann ICANN dann den „reveal day“ ansetzt und damit verbindlich bekannt gibt, wer sich um welche Domain-Endung beworben hat, ist bisher noch offen; ein Datum wurde bisher nicht genannt. Allerdings sprach Beckstrom davon, noch vor dem für 24. bis 29. Juni 2012 angesetzten Meeting in Prag an die Öffentlichkeit gehen zu wollen.


Doch am Horizont lauert bereits neues Ungemach. Nach Einschätzung von ICANNs Intellectual Property Constituency (IPC) ist das „Digital Archery“-System, mit dem die Bewerber in verschiedene „batches“ zur zeitlichen Abarbeitung eingeteilt werden, komplex, ungetestet und eine offene Aufforderung zum Spielen.


Die mehrwöchige Panne im TAS stelle in Frage, ob ICANN überhaupt in der Lage ist, ein weiteres neuartiges und technisch hochkomplexes System zu implementieren. Eine weitere Panne zu einem frühen Zeitpunkt berge das Risiko, das Ansehen und die Glaubwürdigkeit ICANNs dauerhaft zu beschädigen und die Stellung der Organisation als Verwalter des Domain Name System in Frage zu stellen. Harter Tobak aus den eigenen Reihen ICANNs; ob er zu einem Umdenken führt, bleibt abzuwarten.


Autoren: Daniel Dingeldey, Rechtsanwalt Berlin; Florian Hitzelberger, Rechtsanwalt Holzkirchen; Florian Huber, Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth)Reopens“


 


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