nTLDs – ICANN kippt “digital archery”!

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nTLDs – ICANN kippt “digital archery”!

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Die Bombe ist geplatzt: die Internet-Verwaltung ICANN hat verkündet, das “digital archery” getaufte Verfahren zur Ermittlung der Prüfungsreihenfolge von Bewerbungen um eine neue globale Top Level Domain (nTLD) vorläufig auszusetzen. Doch die Alternativen sind rar.


Die Lösung schien revolutionär: um die Reihenfolge (“batches”) zu ermitteln, in denen ICANN die 1.930 eingegangenen Bewerbungen um eine neue Domain-Endung prüft, sollte ein digitales Bogenschießen entscheiden. Vereinfacht ausgedrückt, hat es jeder Bewerber durch möglichst millisekundengenaues Anklicken eines Buttons selbst in der Hand, die Bewerbung und damit deren möglichen Einführungszeitpunkt weit nach vorne zu katapultieren oder sich in der Schlange weiter hinten einzureihen.Das Verfahren wurde von Anfang an kritisiert, da durch Klick-Scripts versucht werden könnte, den idealen Zeitpunkt automatisiert zu treffen. Zudem galten Netzwerk-Wartezeiten (Latenz) für die weltweit verteilten Bewerber als unkalkulierbares Risiko.


Welche Gründe genau zur vorläufigen Suspendierung des Bogenschießens geführt haben, teilt ICANN nicht mit. In der Pressemitteilung vom 23. Juni 2012 heisst es aber, dass hauptsächlich von Bewerbern gemeldete überraschende Resultate, die von den jeweiligen Umständen abhängig waren, für die Entscheidung maßgeblich waren; unabhängige Untersuchungen hätten diese Resultate bestätigt. Ohne Vorwarnung schloss ICANN daher noch am gleichen Tag das Zeitfenster für die ursprünglich bis 28. Juni 2012 geplante Teilnahmemöglichkeit am “digital archery”; zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings erst etwa 20 Prozent aller Teilnehmer ihren virtuellen Pfeil verschossen. Nach der Panne im TLD Application System, das zu einer wochenlangen Verzögerung des nTLD-Fahrplans geführt hatte, wollte ICANN offenbar kein neues Risiko eingehen. Ob Bewerber, die sich für einen der zahlreichen kostenpflichtigen Bogenschützen-Dienstleister entschieden hatten, mit einer Erstattung von Geldern rechnen können, blieb bis zuletzt offen.


Was die Aussetzung für das Bewerberverfahren bedeutet, ist aktuell noch nicht abzuschätzen. Eine Verteilung im Losverfahren muss ICANN ausschließen, da man Verstöße gegen Glücksspielrecht befürchtet. Die Prüfung aller Bewerbungen in nur einem einzigen Batch könnte hingehen die Prüfungsdauer insgesamt erheblich verlängern; allerdings ließe dies die Möglichkeit offen, erfolgreiche Bewerbungen nahezu zeitgleich freizugeben und damit einer Verwirrung in der Öffentlichkeit über zahlreiche verschiedene Starttermine vorzubeugen. Eine Musterlösung hat ICANN bisher jedenfalls nicht gefunden.


Autoren: Daniel Dingeldey, Rechtsanwalt Berlin; Florian Hitzelberger, Rechtsanwalt Holzkirchen; Florian Huber, Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth)


 


 


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