nTLDs – Zahl der Bewerber klettert auf 839!

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nTLDs – Zahl der Bewerber klettert auf 839!

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Kurz vor Ende der Bewerbungsphase um eine neue globale Top Level Domain scheint die Zahl der Interessenten zu explodieren: wie die Internet-Verwaltung ICANN bestätigt hat, ist die Gesamtzahl der akkreditierten Organisationen auf 839 gestiegen. Doch wie will ICANN dieser Zahl Herr werden?


Wir schreiben Donnerstag, den 29. März 2012, und damit den bisher wichtigsten Tag des TLD-Programms von ICANN. Wer sich bis heute um 23.59 Uhr (UTC), was 21.59 Uhr deutscher Sommerzeit entspricht, nicht über das TLD Application System (TAS) akkreditiert hatte, kann am weiteren Bewerbungsverfahren nicht mehr teilnehmen. Endgültig geschlossen wird das Zeitfenste am 12. April 2012, ebenfalls um 23.59 Uhr (UTC). Mit dieser knapper werdenden Zeit scheinen auch immer mehr potentielle Bewerber aus der Deckung zu kommen: waren es am 19. März 2012 noch 329 akkreditierte Organisationen, sind es nur sechs Tage später am 25. März 2012 bereits 839. Geht man davon aus, dass sich jede Organisation um bis zu 50 Domain-Endungen bewerben kann, bedeutet dies eine Spanne von (theoretisch) gar keiner bis zu 41.950 neuen Top Level Domains. Als realistisch gilt jedoch eine Zahl von zumindest über 1.000 Bewerbungen, über deren Einführung ICANN nach den Regeln des Bewerberhandbuchs zu befinden hat. Gewissheit besteht aber spätestens am 1. Mai 2012, wenn ICANN alle potentiellen neuen Domain-Endungen veröffentlicht.


Mit der steigenden Zahl der Bewerber wächst auch das Interesse an dem Verfahren, in welcher Reihenfolge die Prüfung durch ICANN erfolgt (so genanntes „batching“). Das Bewerberhandbuch sieht vor, dass die Bewerbungen gebündelt und in „batches“ von zunächst 500 und sodann 400 abgearbeitet werden. Damit kann der Zeitpunkt der Einführung einer neuen Endung wesentlich davon abhängen, in welchen „batch“ die Bewerbung kommt. Hierfür hat sich ICANN ein „Target Time Variance“-System ausgedacht; dabei soll jeder Bewerber ein Datum in der Zukunft auswählen und über das Klicken eines Buttons an ICANN mitteilen; je näher ein Bewerber an seine Wunschzeit heranklickt, desto höher rutscht sie im Batching-Prozess. Sind alle Zeiten eingesammelt, wählt ICANN den jeweils schnellsten aus einer der fünf ICANN-Regionen aus, dann den zweitschnellsten und so weiter, offenbar um auch einer gerechten geographischen Verteilung Rechnung zu tragen. Ob ein solches System all jenen Vorteile verspricht, die über ausreichend Kompetenz im Umgang mit solcher Technik verfügen, wurde zuletzt beim ICANN-Meeting in Costa Rica heftig diskutiert; allerdings soll jeder Teilnehmer Testmöglichkeiten erhalten.


Ein Losverfahren hat ICANN dagegen wegen eines Verstosses gegen gesetzliche Glücksspielregelungen kategorisch ausgeschlossen. Doch keine Lösung ohne neues Problem: möglicherweise verstösst die nun geplante Regelung gegen Vorschriften zum Schutz gegen Behinderung und Zugangsbeschränkungen. Wohl aus diesem Grund steht die abschließende Entscheidung des ICANN-Vorstands, ob das „Target Time Variance“-System zum Einsatz kommt, noch aus. Für alle Bewerber bleibt damit bis zuletzt die Unsicherheit, sich auf einen ungewissen Verteilungsprozess einlassen zu müssen – weiterer Streit scheint damit vorprogrammiert.


Autoren: Daniel Dingeldey, Rechtsanwalt Berlin; Florian Hitzelberger, Rechtsanwalt Holzkirchen; Florian Huber, Wirtschaftsjurist (Univ. Bayreuth)


 

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