Onlineshop-Systeme als Grundpfeiler für den digitalen Wandel im Buchhandel

Das Fraunhofer IML liefert mit der neuen Marktstudie „Onlineshop-Systeme zur Digitalisierung des Handels“ einen umfassenden Überblick über auf dem deutschen Markt etablierte und führende Anbieter.  In der Studie wurden Systeme im Frontend und Backend detailliert beleuchtet. Nicht alle eignen sich für den Buchhandel.

Im Rahmen der neuen Marktstudie des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) wurden 19 Onlineshop-Systeme im Blick auf verschiedene funktionaler Kriterien analysiert und verglichen. Unter anderem untersuchte das Institut die Shopsysteme, inwieweit sie in der Lage sind, digitale Medien wie etwa E-Books und Streaming-Produkte zu integrieren. Bei der Studie handelt es sich um die bislang detaillierteste Untersuchung der auf dem deutschen Markt verfügbaren Shopsysteme für den Mittelstand. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht alle Systeme die notwendigen Funktionen mitbringen, die ein für die Zukunft gerüsteter Buchhändler benötigt.

Vertriebsmodelle neu denken

Die beschriebenen Entwicklungen zwingen Unternehmen, die im Buchmarkt tätig sind, zu einem grundsätzlichen Umdenken bisheriger Vertriebsmodelle. Die Frage ist, wie insbesondere kleine und mittelständische Händler künftig mit dem digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft umgehen. Klassische Verlagshäuser, deren Hauptgeschäftsmodell die Distribution von Printmedien ist, kämpfen mit rückläufigen Auflagen und Abonnementzahlen. Stationäre kleine Buchhandlungen müssen aufgrund stagnierender Abverkaufszahlen handeln, da sonst ihre Existenz bedroht ist. Die Fachexperten sind sich hier einig: Verlage und Buchhändler müssen sich der digitalen Transformation stellen, um ihr Überleben zu sichern, um beispielsweise mit großen Marktplatz-Anbietern wie Amazon oder etablierten Unternehmen wie Thalia mithalten zu können.

Fraunhofer

 

Einführung von E-Commerce als Baustein der Digitalisierungsstrategie

Eine mögliche Strategie kann darin bestehen, die eigene Stellung im Wettbewerb durch die Einführung von E-Commerce zu sichern. Konkret ist damit der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen des Buchhandels in einem Onlineshop sowie digitalen Marktplätzen gemeint. Einer aktuellen Studie des KFW Research zufolge hinken deutsche Mittelstandsbetriebe auf diesem Gebiet noch hinterher. Während junge Unternehmen, die nicht länger als 10 Jahre am Markt bestehen, die Chance des E-Commerce schon längst zu nutzen wissen, werden E-Commerce-Projekte bei etablierten Unternehmen eher verhalten umgesetzt. Dabei ist die Einführung eines Onlineshops der konsequente und logische Schritt zur Digitalisierung der Vertriebsprozesse mit Endkunden oder Geschäftspartnern.

Der digitale Vertriebskanal kann das technische Grundgerüst schaffen, um neben klassischen Printbüchern auch E-Books und Streaming-Dienste anbieten zu können und das Angebot des stationären Geschäfts ideal zu ergänzen. Denn eins zeichnet sich deutlich ab: Klassische Print-Bücher werden zunehmend durch E-Books verdrängt. Auch der Service des Book-Sharings, sowie die Bedeutung von Social Media im Zusammenhang mit der Vermarktung von neuen Medien wird künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen. Somit steigt auch die Notwendigkeit zur Integration von digitalen Produkten und Geräten, sogenannten Devices.

Der Erfolg eines E-Commerce Projekts hängt maßgeblich von einer guten Konzeption sowie einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur ab. Die IT-Infrastruktur muss einen attraktiven, stets erreichbaren und performanten Onlineshop zu tragbaren Einführungs- und Unterhaltskosten sicherstellen, der mit bereits vorhandenen IT-Systemen echtzeitnah kommuniziert. Ein Onlineshop-System sollte dabei Omni-Channel-Strategien hinreichend unterstützen, damit der parallele Betrieb von stationären Geschäften und Shop reibungslos funktioniert.

Nicht leicht – die Wahl des Shopsystems

Die Auswahl eines geeigneten Shopsystems gestaltet sich in der Praxis jedoch schwierig. Die Anzahl an Beratern, die sich auf die Auswahlberatung im E-Commerce-Sektor spezialisiert hat, ist enorm. Allerdings trägt die Vielfalt an Marktübersichten und Anbieterlisten im Internet nicht zu mehr Transparenz bei. Der Markt für Shopsysteme ist groß und undurchsichtig. In Deutschland werden über 84 Lösungen angeboten. Weltweit sind es 300 unterschiedliche Produkte. Es gibt sehr viele kleine, mittelgroße sowie wenige große Anbieter auf dem Markt. Die Abgrenzung der einzelnen Systeme voneinander ist ohne Vorerfahrung und entsprechendes Hintergrundwissen schwierig. Die Funktionsbeschreibungen sowie Lizenz- und Abrechnungsmodelle sind aktuell außerordentlich heterogen. Häufig sind insbesondere KMU von dem Angebot der Lösungen und Editionen mit abgestuften Systemumfängen überfordert.

Das Fraunhofer IML setzt hier an und liefert mit der neuen Marktstudie „Onlineshop-Systeme zur Digitalisierung des Handels“ einen umfassenden Überblick über auf dem deutschen Markt etablierte und führende Anbieter. In der Studie des Fraunhofer IML wurden neben allgemeinen Informationen (z.B. Herkunft, Unternehmensgröße, Partnernetzwerk, strategische Ausrichtung und Branchenfokus) die Funktionalitäten der Systeme im Frontend und Backend detailliert beleuchtet.

Entscheider in Unternehmen erhalten damit wertvolle Hinweise, worauf bei einer Systemauswahl geachtet werden sollte. Ferner wurde untersucht, wie innovativ die Anbieter mit Blick auf die Integration von neuen Technologien sind, die im Zusammenhang mit der Industrie 4.0 stehen. Die Untersuchung basiert auf einer schriftlichen Befragung von 19 Anbietern von E-Commerce-Lösungen, die Ende 2017 durchgeführt wurde.

Herkunft der auf dem deutschen Markt tätigen Onlineshop-System-Anbieter

Die spezifischen Anforderungen des Buchhandels im Fokus, können einige Differenzierungsmerkmale der Anbieter identifiziert werden. Nicht alle Anbieter sind auf den Buchmarkt ausgerichtet. 16 Prozent der Hersteller weisen keine Aktivitäten in der Buchbranche aus. Interessant ist ferner, dass vier von 19 Anbietern aktuell technisch nicht in der Lage sind, digitale Produkte wie etwa Musik, Videos oder E-Books zu integrieren. Diese Funktionen sind jedoch für einen für die Zukunft gerüsteten Buchhändler oder Verlag essentiell.

Auch sind nur 63 Prozent der Anbieter in der Lage, eine Lösung für den Business-to-Business (B2B)-Bereich anzubieten. Sofern ein Verlag oder Großhändler beabsichtigt, den elektronischen Vertriebskanal mit seinen Geschäftskunden aufzubauen, sollte dies bei der Auswahl eines Systems beachtet werden.

Über die Autoren: Dipl-Kff. Katharina Kompalka, Dipl.-Kff. Dietmar Ebel

 

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