Patent Excellence: Wenn Erfindung, Recht und Strategie zusammenkommen

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Patent Excellence: Wenn Erfindung, Recht und Strategie zusammenkommen

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Wie wichtig Patente im weltweiten Wettbewerb sind, zeigt sich unter anderem an den aktuellen Patentrechtsklagen. Da klagt Yahoo gegen Facebook, Apple gegen Samsung, Oracle gegen Google, Nike gegen Adidas. „Patente sind das neue Schlachtfeld des globalen Wettbewerbs geworden“, sagt Rolf Buchholz, Geschäftsführer der Hamburger Key Values.


ECM: Herr Buchholz, Key Values beschäftigt sich mit Innovationsentwicklung und -steuerung. Sie selbst haben mit Patent Excellence einen neuen Begriff geprägt. Was genau ist Patent Excellence eigentlich?


Rolf Buchholz: Wie in anderen Geschäftsbereichen auch, streben wir beim Patent Management nach einer neuen Qualität, die uns effektiver und effizienter macht. Wir verstehen unter Patent Excellence die permanente und systematische Überprüfung von Patent-Optionen zur Erreichung der Unternehmensziele.


ECM: Und was bietet Patent Excellence in diesem Zusammenhang, was es nicht schon gibt und wie kommt eine neue Qualität in´s Spiel?


Rolf Buchholz: Das Patent Management ist heute oft noch opportunistisch geprägt. Meist erarbeiten R&D-Manager und Patentanwalt gemeinsam die Basis für eine Patentanmeldung und melden Patente in den angestrebten Bereichen an. Das ist gängige Praxis und hat viele Jahre gut funktioniert. Heute müssen Unternehmen allerdings globaler, strategischer, sowie vorausschauender denken und agieren. Dazu gehören Antworten auf Fragen wie:


-Kann ich Patente in meinem strategischen Geschäftsfeld lizenzieren oder kaufen? Wie finde ich diese gezielt, schnell und weltweit, um damit früher Vermarktungschancen und Wettbewerbsvorteile zu sichern?


-Wie kann ich einen gezielten Wissenstransfer erzeugen, wissend, dass 85 bis 90 Prozent des weltweit veröffentlichten technischen Wissens in der Patentliteratur enthalten sind?


-Wie bewerte ich Patente objektiv und wie entwickeln sich die dahinterliegenden Technologiefelder in den nächsten Jahren?


-Wie kann über Patente mein Risiko minimiert und neue Chancen maximiert werden?


ECM: Das klingt nachvollziehbar, aber auch komplex. Wie kann Patent Excellence das erreichen? Können Sie die Inhalte an Beispielen konkretisieren?


Rolf Buchholz: Innerhalb von Patent Excellence können die Datenbanken der Patentämter weltweit über eine Systematik gezielt nach erfolgskritischen Technologiefeldern durchforstet werden – meist reicht ein Auszug. Eine bahnbrechende Erfindung kann eben auch von einem Studenten aus Korea kommen, der vielleicht sogar bereit wäre, sie zu verkaufen. Aber auch die Daniel Düsentriebs dieser Welt und renommierte Institute verkaufen oder lizenzieren Patente. Patent-Optionen werden von unternehmensinternen und externen Experten bewertet – darunter mitunter Professoren technischer Universitäten, Institute etc. Gleichzeitig erfolgt ein Abgleich mit den Prognosen anerkannter technischer Analysten, wie Gartner oder IDC. Sie können durch ein Mapping Technologie-Trends identifizieren, oder den Wettbewerb beobachten, indem zum Beispiel Anmeldeklassen der Wettbewerber und deren Anmeldungsintensität überwacht werden – um nur einige Beispiele zu nennen. In der Essenz schafft Patent Excellence temporäre Monopole. 


ECM: Können Unternehmen das alles denn leisten?


Rolf Buchholz: Nein, nur selten. Ihnen fehlen hierzu oft das Know-how, die Tools, Ressourcen und auch die Objektivität, um ein gezieltes Patent Excellence System zu etablieren und zu kultivieren. Alleine 600.000 Patentanmeldungen jährlich in Europa zeugen von Erfinderreichtum und doch werden die Potenziale der verbrieften Rechtssicherheit bei weitem nicht ausgeschöpft. Deshalb gibt es Dienstleister, die solche Services anbieten oder implementieren. Zudem versuchen wir F&E, Rechtsabteilung und Business Unit an einen Tisch zu bringen, sowie externe Experten punktuell nach Bedarf. Meist erkennen alle die Vorteile eines systemischen und integrierten Ansatzes. Spätestens das Ergebnis spricht für sich.


ECM: Und was müssen die Unternehmen dazu beitragen, das ein systemisch integrierter Ansatz auch Früchte trägt? Was sind da Ihre Erfahrungen?


Rolf Buchholz: Ein zentraler Punkt ist die Anbindung an das Zielsystem des Unternehmens. Das bedeutet auch, dass die unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und Motive in den Unternehmen in einem integrierten Ansatz zusammengeführt werden. Bei arbeitsteiliger Organisation und definierten Schnittstellen der Zusammenarbeit ist das dann kein Problem, wenn jeder den Vorteil für seinen Bereich sieht.


Die Vorteile für das Unternehmen liegen auf der Hand: Risikominimierung und Sicherheit, entscheidende Zeitersparnis, die rechtliche Besetzung von strategischen Technologiefeldern, eine höhere Produktivität, erhebliche Kostenersparnis, erhöhte Wettbewerbsfähigkeit, sowie die Früherkennung von Technologietrends und Zukunftssicherheit.


ECM: Die Vorteile sind deutlich geworden. Was können Unternehmen denn dadurch konkret im Ergebnis erreichen?


Rolf Buchholz: Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Stellen Sie sich nur einmal vor, was die 180 Patente, die Amazon im letzten Jahr erteilt wurden, für den E-Commerce in den nächsten 10 Jahren an Wert dar-stellen können. Wer sich in Wachstumsmärkten über Patente temporäre Monopole erschließen kann – und dabei besser ist als andere – sichert die Zukunft des Unternehmens für eine ganze Dekade. Dies ist eine neue Form des Wettbewerbs und der Wertschöpfung, wie wir sie noch nicht kennen und in den nächsten Jahren verschärft erleben werden. Die Anzeichen hierfür gibt es heute schon. Apple, RIM und Microsoft haben alleine 4,5 Mrd $ gezahlt, nur damit die Nortel-Patente nicht in die Hände von Google geraten. Ein weiteres Beispiel dafür, wie heute Wettbewerb über Patente gelebt wird.


ECM: Stimmt. Was raten Sie Ihren Kunden, um nicht plötzlich hohe Geldstrafen zahlen zu müssen, oder Ihre Produkte vom Markt nehmen zu müssen.


Rolf Buchholz: Zunächst ist Transparenz, die eigene, sowie die über Markt und Wettbewerb eine wichtige Voraussetzung. Anschließend müssen Patent-Potenziale und -Optionen aus strategischer wie operativer Sicht gezielt überprüft und bestmöglich umgesetzt werden. Die Zeiten, wo es ausreichte, anmeldefähige Patente aus der F&E zur Anmeldung zu bringen, sind längst vorbei. Gleichzeitig bieten sich viele neue Chancen, so dass dieses „trockene Thema“ erfolgsentscheident sein kann.


Rolf Buchholz ist Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Key Values GmbH, einem spezialisierten Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen für Innovation und Business Development. Er ist darüber hinaus Lehrbeauftragter für Innovation Management an der Hamburg School of Business Administration (HSBA), sowie Mitbegründer der Innovation Alliance, einem Netzwerk von Innovationsunternehmen.


Info: www.key-values.com


 


 


 

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