Payment-Allianzen: „Win-Win statt Konkurrenzkampf“

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Viele Anbieter aus dem Payment-Bereich haben in den letzten Jahren Allianzen gebildet, mal ganz offen, mal etwas diskreter. Das e-commerce Magazin hat nun nachgefragt: Was erhofft sich die Branche aus diesen Allianzen und was bedeuten sie für den Handel?

payment-allianzen

ECM: Das Thema Kooperationen zwischen FinTechs und Banken ist aktuell in vieler Munde und einer der aktuellen Trends im Mega-Trend FinTech. Was versprechen sich beide Seiten von einer Zusammenarbeit? Riecht das nicht eher nach Konkurrenz?

Marc Berg (Klarna): Nein, keinesfalls. Wir müssen uns die Ausgangslage vor Augen führen: Die Digitalisierung der Finanzbranche schreitet immer weiter voran und mittlerweile bieten bereits alle großen Internetkonzerne (Google, Facebook, Apple, Amazon) Finanzdienstleistungen an. Diese Entwicklung  – insbesondere der damit verbundene Fortschritt im E- und M-Commerce  – zeigt deutlich: Die Banken müssen sich nun ernsthaft Gedanken machen, wie sie zukunftsfähige Payment-Lösungen entwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Eine Herausforderung dabei ist, dass es sich bei Banken um Großkonzerne handelt, die schon allein aufgrund ihrer Unternehmensstruktur nicht die Schnelligkeit eines FinTechs aufweisen können. FinTechs stehen neben Schnelligkeit auch für Flexibilität und Innovationen. Deshalb liegt eine Zusammenarbeit nahe. Denn nur so sind Banken in der Lage, Internetgiganten wie Google und Co. die Stirn zu bieten.

Wir von Klarna und SOFORT sehen uns deshalb auch nicht als Konkurrent, sondern als Partner, der die rechtlichen und strukturellen Prozesse der Banken nutzt, um Konsumenten eine verbesserte User Experience zu bieten. Peer2Peer Lösungen ermöglichen beispielsweise einen sehr smarten Geldtransfer zwischen Freunden ‒ Grundlage bilden hier Bankkonten. Wir freuen uns, den Dialog mit Banken kontinuierlich voranzutreiben und das Verhältnis zu ihnen zu stärken.

 

Frank Keller, Geschäftsführer PayPal Deutschland, Österreich und Schweiz. PayPal ist eine globale Bezahlplattform, die Menschen in 200 Märkten weltweit zur Verfügung steht.

Frank Keller (PayPal): In der Tat liest man häufig davon, dass FinTechs den etablierten Banken in vielen Bereichen Konkurrenz machen. Blickt man in die Praxis, geht der Trend mittlerweile aber tatsächlich mehr in Richtung Kooperation. Woran das liegt? Ich würde sagen, das lässt sich relativ einfach zusammenfassen: Was die einen haben, fehlt den anderen – und umgekehrt. Ein reines Konkurrenz-Dasein können sich weder Banken noch FinTechs auf Dauer leisten.

Gleichzeitig liegen die Vorteile einer Kooperation auf der Hand: Jede Seite bringt Stärken mit ein, von denen der jeweils andere Partner profitieren kann. Um das einmal beispielhaft zu skizzieren: FinTechs zeichnen sich durch eine hohe Innovationskraft und eine stark kundenzentrierte Entwicklung aus, haben allerdings gerade zu Beginn nur sehr wenige Kunden. Etablierte Finanzinstitute wiederum punkten mit einer breiten Kundenbasis, hinken aber häufig beim Thema Innovation hinterher. In diesen Stärken und Schwächen steckt sehr viel Potenzial für Synergien, so dass der Schritt hin zu einer Kooperation ein naheliegender ist.

So kann sich jeder auf seine Stärken konzentrieren, aufwändige Investitionen für den Aufbau fehlender Kompetenzen reduzieren und damit in Summe deutlich schneller neue Mehrwerte schaffen – von denen nicht nur FinTech und Bank profitieren, sondern vor allem die gemeinsamen Kunden.

Anke Blietz( GFKL Pay Protect  & GFKL Financial Services): Die zunehmende Akzeptanz von digitalisierten Prozessen und auch Geschäftsbeziehungen im Finanzsektor, insbesondere im B2C-Umfeld, stellt etablierte Banken vor enorme Herausforderungen. Genau hier kommt die Digitale-DNA von FinTechs zum Tragen. FinTechs besetzen sehr schnell neue Nischen und zeigen im neuen Wettbewerbsumfeld wie unzureichend sich das Bankengewerbe mit dem Thema “Digitale Transformation” bisher beschäftigt hat.

Banken investieren teilweise selbst in FinTech-Unternehmen oder partizipieren von den Erfolgen von FinTech-Ideen indem sie diese als Basis zur eigenen digitalen Transformation heranziehen. FinTech-Unternehmen können von dem Spezialisten Know-how im Finanzsektor, hier insbesondere im B2B-Sektor, von den Banken lernen um auch hier neue Nischen zu erkennen und zu besetzen. Aktuell riecht es nach Konkurrenz, wie bereits in anderen Branchen könnte sich aber auch hier eine noch in der Zukunft zu definierende “Multichannel-Lösung” ergeben.

 

Ralf Gladis verantwortet als Gründer und Geschäftsführer die internationale Expansion sowie die strategische Ausrichtung von Computop. Im Jahr 1997 gründete Gladis gemeinsam mit Frank Arnoldt das Unternehmen. Als Software-Architekt entwickelte er die Plattform Paygate, das zentrale Zahlungsverkehrs-Portal von Computop. Die Grundlagen seiner Technologie-Kompetenz erwarb sich Gladis durch sein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität in Bamberg.

 

Ralf Gladis (Computop): Der Begriff FinTech klingt zwar nach neuen Konzepten, die Kooperation zwischen Banken und IT-Finanzdienstleistern ist aber seit über 20 Jahren ein ganz normales und erfolgreiches Konzept. Banken bündeln Angebote für ihre Kunden und kaufen viele Leistungen extern ein. Ein konkretes Beispiel ist der Zahlungsverkehr im Handel: Banken verkaufen ihren Firmenkunden POS-Terminals und Online-Payment, obwohl die Leistungen von PSPs und Netzbetreibern stammen. Die wenigsten deutschen Banken haben das Know-how dafür im Haus. Theoretisch sind beide zwar Konkurrenten. Praktisch profitiert die Bank von der Expertise der Payment-Spezialisten, und die PSPs profitieren von der großen Kundenzahl und der Reichweite der Banken. Win-Win statt Konkurrenzkampf.

John Alexander Rehmann (Payone): Banken und FinTechs können sich ideal ergänzen. Payone beispielsweise gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe, weil wir durch die Bündelung von Know-how die besten Leistungen bieten können. Wer clever Synergieeffekte von Kooperationen nutzt, bringt noch mehr Expertise und Innovation zu den Händlern.

 

Bernhard Linemayr ist bereits seit Gründung von Payolution 2011 an der strategischen und operativen Ausrichtung des White-Label-Experten für Zahlungsmethoden im Online-Handel beteiligt. Zu Beginn verantwortete er unter anderem das Produktmanagement für Kauf auf Rechnung und Ratenzahlung, seit Anfang 2015 steuert er als CEO für das gesamte Unternehmen alle Schritte, um das kontinuierliche Wachstum international voranzutreiben. Payolution ist Teil der Paysafe Group und bietet innovative Online-Zahlungslösungen wie Rechnungskauf, Ratenzahlung, Monatsrechnung und elektronische Lastschrift in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien.

 

Thorsten Holten (Wirecard): Es ist richtig, dass dieses Thema immer aktueller wird. Wir selbst sehen das im Tagesgeschäft – auf der einen Seite ist Wirecard selbst ein FinTech-Unternehmen der ersten Stunde, auf der anderen Seite bieten wir FinTech-Unternehmen unsere Banklizenz sowie generell unsere Technologie-Expertise an.

Immer mehr FinTech-Startups kommen auf uns zu, um genau diese sehr spezifischen Leistungen anzufragen. Daher sind wir der Meinung, dass eine Kooperation zwischen FinTechs und Banken sehr sinnvoll ist, da FinTechs oft innovative Ideen haben sowie erste Marketing-Kampagnen in der Schublade und Banken ihnen genau das bieten können, was sie oft nicht haben: Eine Banklizenz, die genaue Kenntnis aller Regulierungen, ausgereifte Technologiekonzepte. Deshalb sehen wir bei diesem Thema nicht den Konkurrenz-Aspekt, sondern das sich gemeinsame Ergänzen. Natürlich stehen Banken genauso vor der Herausforderung, innovative Finanzlösungen auf den Markt zu bringen, doch auch genau hier sehen wir mögliche Kooperationen viel eher als eine Konfrontation.

 

Thorsten Holten ist Executive Vice President Sales Financial Institution and FinTech Europe bei Wirecard. Thorsten Holten startete seine berufliche Laufbahn als Bankkaufmann bei der Deutschen Bank im Bereich Private Banking. Seit Mai 2002 arbeitete er bei dem Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard. Er ist Executive Vice President Sales Financial Institution and FinTech Europe und berät zudem als Executive Vice President Treasury mit seinem Team die gesamte Wirecard-Gruppe in allen Facetten rund um das Thema Treasury.

 

Bernhard Linemayr (payolution): Die Lösung heißt  „coopetition“. Banken sind aufgrund ihrer Strukturen oft nicht flexibel genug, um rasch adäquat auf die neuen Anforderungen zu reagieren. Umgekehrt sind FinTechs, freundlich gesagt, etwas befangen im Umgang mit Auflagen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Aus dieser Not wurden Symbiosen zwischen beiden Partnern geboren, in die jeder seine Stärken einbringt. Payolution ist da keine Ausnahme, wir wollten bisher selbst auch nie eine Banklizenz lösen.

Mittelfristig wird sich schon die Frage stellen, ob FinTechs die Banken wirklich brauchen, weil sie selbst sich entsprechend weiterentwickeln. Beim Payment im Handel wird dieses Modell aber bald zusammenbrechen, denn die Banken kaufen POS-Terminals bei Netzbetreibern ein und Online-Payment bei PSPs. Das sind in 99 Prozent der Fälle Silo-Lösungen, die den Ansprüchen an Omnichannel Payment nicht gerecht werden. Ein Händler mit Omnichannel-Strategie muss sich entscheiden, mit welchem PSP oder Netzbetreiber er zusammenarbeiten will. Das wird nicht leicht, denn die meisten Netzbetreiber beherrschen Online-Payment nur mangelhaft, und für viele PSPs in der Online-Welt sind die POS-Investitionen zu groß.

Computop hat als Online-PSP über vier Jahre lang mehrere Millionen Euro in einen eigenen POS-Netzbetrieb investiert, um dem Handel Omnichannel Payment anzubieten. Die Banken haben zwar oft POS und Online-Payment, aber nur als schlecht oder gar nicht integrierte Silo-Lösungen. Das Geschäftsmodell ist zum Scheitern verurteilt, weil die Zukunft Omnichannel Payment mit vernetzten Daten gehört. Doch auch das muss kein Konkurrenzkampf sein. Nur die Allianzen werden sich verschieben.

ECM: Aus welchen Gründen setzen Sie auf Allianzen und in welchen Bereichen?

John Alexander Rehmann (Payone): Im Bereich FinTech gibt es unheimlich viel Bewegung am Markt. Das bedeutet unglaublich viel Innovation in sehr vielen Bereichen und Nischen. Deshalb bündelt Payone als Gatekeeper diese Lösungen auf einer einzigen Plattform. So können die Kunden beziehungsweise Händler ein viel breiteres Leistungsspektrum für sich beanspruchen. Aufgrund von Allianzen erweitert sich das Leistungsspektrum für den Händler ganz deutlich.

Der Händler profitiert also von dem Besten aus allen FinTech-Bereichen.  Das betrifft nicht nur die alltäglichen Payment-Bereiche wie Zahlungsabwicklung, Risikomanagement oder Rechnungsstellung, sondern wie bieten beispielsweise auch Analysetools für Reportings. Ein Beispiel ist die Erstellung von Nebenbüchern für die Finanzbuchhaltung. Diese kann der Händler mittlerweile so unkompliziert digital erstellen, dass ein Knopfdruck dafür ausreicht. Der Trick ist, dass das Tool unseres Partners mit unseren Zahlen automatisch beliefert wird.

Emmanuel Kirse (Novalnet): Novalnet  pflegt Kooperationen in alle Richtungen und setzt sowohl auf technische als auch vertikale und diagonale Allianzen in der gesamten Wertschöpfungskette. Im Bereich Technik mit einem Unternehmen, dass eines der modernsten und sichersten Rechenzentren in Europa betreibt, im Bereich Sicherheit mit einem akkreditierten Qualified Security Assessors (kurz QSAs), um die Einhaltung der strengen Sicherheitsstandards der Payment Card Industry (kurz PCI) zertifizieren zu lassen.

Im Bereich Betrugsprävention mit einem Anbieter von Auskunfteien und im Bereich Inkasso- und Forderungsmanagement mit namhaften Inkassodienstleistern, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit den bestehenden Allianzen können wir uns somit noch besser auf das Erreichen der selbstgesteckten Ziele konzentrieren – auf das Vorantreiben der eigenen Visionen und insbesondere darauf, dem äußerst dynamischen und hartumkämpften Payment-Markt zusätzliche Impulse zu bescheren. Der Online-Händler ist somit bei der Wahl eines Full Payment Service Providers klar im Vorteil: Keinen vielfachen Integrations- und Verwaltungsaufwand, keine gegenseitig inkompatiblen Module und Prozesse, keine unterschiedlichen Vertragslaufzeiten, nur einen Ansprechpartner, keine langen Bearbeitungszeiten, volle Kostentransparenz und als Ergebnis die bestmögliche  Übersicht, den höchstmöglichen Komfort und damit das effektivste Ergebnis!

Anke Blietz( GFKL Pay Protect  & GFKL Financial Services): Die E-Commerce Lösungen unserer Gruppe konzentrieren sich auf einzelne Glieder der gesamten Kunden-Wertschöpfungskette. Beginnend mit dem Antragsmanagement und abschließend mit dem Management von zahlungsgestörten Forderungen. Wir nutzen bestehende Payment-Allianzen um zum Beispiel echtes Factoring, vollumfängliche Buchhaltungslösungen oder weitere Bezahlmethoden neben dem Kauf auf Rechnung über eine Schnittstelle bzw. Integration unseren E-Commerce-Kunden anzubieten und das Kauferlebnis der Konsumenten zu optimieren. Die Lösungen sind technisch und prozessual entweder auf Allianzen und Partnerschaften oder etablierte Prozesse bei unseren Kunden ausgelegt.

Frank Keller (PayPal): Wir bei PayPal haben das Thema Partnerschaften im vergangenen Jahr sehr stark vorangetrieben und es zu einem zentralen Bestandteil unserer Unternehmensstrategie gemacht. Dahinter steht als Ziel, dass wir unseren Kunden mehr Flexibilität und Auswahlmöglichkeiten beim Bezahlen geben möchten. Hinzu kommt, dass wir unsere Plattform durch solche Partnerschaften in neuen Kontexten anbieten können, beispielsweise in Apps oder in Läden.

Warum wählen wir hierfür den Weg über Partnerschaften? Sicherlich hat jedes Unternehmen in unserer Branche seinen ganz eigenen Ansatz und Angebot. Am Ende eint uns alle aber ein gemeinsames Ziel: bestehende Ineffizienzen rund um das Thema Bezahlen aus dem Weg zu räumen. Durch Partnerschaften sind wir in der Lage, gemeinsam mit anderen Unternehmen unseren Service für Verbraucher besser zugänglich zu machen und unseren Händlern dabei zu helfen, ihre Konversionsraten zu erhöhen.

Beispiele für Partnerschaften, die wir in den vergangenen 12 Monaten geschlossen haben: Auf dem Mobile World Congress 2016 haben wir unsere Kooperation mit Vodafone angekündigt. Vodafone ist einer der größten Mobilfunkanbieter in Europa. Im Rahmen der geschlossenen Partnerschaft geben wir unseren gemeinsamen Kunden die Möglichkeiten, PayPal als Bezahlmethode im Vodafone Wallet zu hinterlegen und so kontaktlos mit dem Smartphone zu bezahlen. Aktuell ist dies bereits in Spanien, Italien, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland möglich. Eine weiterer Mobilfunkanbieter, mit dem wir kooperieren, ist America Movil.
Im Juli 2016 haben wir unsere Partnerschaft mit Visa bekanntgegeben. Die zunächst für die USA geschlossene Vereinbarung soll Verbrauchern mehr Auswahl beim Bezahlen bieten. Von diesem Mehr an Effizienz und dem verbesserten Kundenerlebnis profitiert wiederum auch die Händlerseite.

Mit Mastercard haben wir im September 2016 eine ähnlich geartete Kooperation vereinbart. Quasi eine Erweiterung der Partnerschaften mit Visa und Mastercard sind die Kooperationen mit Citi und FIS. Weitere zu nennende Partner sind Facebook und Alibaba.

Thorsten Holten (Wirecard): Wir setzen in zwei Bereichen auf Kooperationen, sowohl mit FinTechs als auch mit Banken. FinTechs bieten wir in erster Linie unsere Bankdienstleistungen an, damit sie in der Lage sind, Transaktionen abzuwickeln. Wir unterstützen sie aber auch mit unserem technologischen Know-how, womit wir auch Banken bedienen. Davon profitieren alle Seiten.

Marc Berg (Klarna): Bei unseren strategischen Partnerschaften handelt es sich um klare Win-Win-Situationen. Die Banken profitieren davon, dass SOFORT das Online-Banking stärkt und das eigene Online-Banking-Angebot ergänzt. Das bedeutet konkret: Sobald der Kunde einer Bank beim Online-Einkauf SOFORT Überweisung als Zahlungsmöglichkeit auswählt, werden die Bestelldaten automatisch übernommen.

Lediglich Bankleitzahl und Zugangsdaten müssen eingegeben werden und die Überweisung wird wie gewohnt mittels TAN freigegeben. Die Daten werden dann verschlüsselt an das Konto übermittelt. Der Onlinehändler erhält eine Echtzeitbestätigung über die erfolgreiche Bezahlung und kann die Ware sofort versenden. Ein wichtiger Punkt für die Zusammenarbeit ist auch, dass SOFORT das Geld nicht auf andere Konten “abzieht”, wie es zum Beispiel bei den elektronischen Geldbörsen, sogenannten Wallets, der Fall ist. Wir als Finanzdienstleister profitieren hingegen von dem großen Vertrauen, das in traditionelle Bankhäuser gesetzt wird.

Auch die durch die Banken angebotene SEPA-Infrastruktur nutzen wir bei Klarna. Nach Erteilung eines Lastschriftmandats können unsere Endkunden Rechnungen mit nur einem Klick bezahlen. Nur gemeinsam können wir wachsen und gleichzeitig die Zukunft des Geschäftsmodells absichern.

Bernhard Linemayr (Payolution): Es geht primär um Geschwindigkeit und schlanke Strukturen. Wer sich auf Kernkompetenzen konzentriert, kann bis auf weiteres andere Themen auslagern, etwa auch langwierige Prozesse wie Factoring oder Inkasso, wo es entsprechende Qualifikationen und Lizenzen braucht. Ein ganz anderes Thema sind Vertriebspartnerschaften. Hier sind PSPs und Agenturen interessante Ansprechpartner, Banken hingegen weniger.

Payolution hat eine Kernkompetenz in Sachen Technologie, Produkt, Prozesse, Risk usw., hier sind wir alleine bestens unterwegs. In den anderen Bereichen gibt es durchaus auch wechselnde Kooperationen mit mehreren Partnern. Das sichert uns ab und erhöht zugleich den produktiven Wettbewerb.

Ralf Gladis (Computop): Computop baut seit 20 Jahren auf Allianzen. Anstatt eigene Finanzdienstleistungen zu verkaufen, verbindet Computop seine Kunden mit den besten Acquiring-Banken überall auf der Welt. Die große Auswahl unter 100 Acquirern weltweit gibt unseren Händlern Flexibilität und eine starke Verhandlungsposition, weil sie Acquirer bei Bedarf leicht austauschen können. Das ist im internationalen Umfeld wichtig, weil Leistung und Konversion der Acquirer international sehr unterschiedlich sind. Darüber hinaus können Banken und PSPs das Computop Paygate auch im eigenen Namen weiterverkaufen.

Die HypoVereinsbank – heute UniCredit – verkauft seit 15 Jahren das Computop Paygate an seine Kunden im Handel. So bekommt Computop Zugang zu den Kunden der Bank, und die UniCredit kann seinen Kunden weltweit Omnichannel Payment anbieten. Von dieser Allianz profitieren Händler, Bank und Computop.

ECM: Für Konsumenten macht das sehr dichte Geflecht an Kooperationen – sofern sie es überhaupt mitbekommen – einen eher undurchsichtigen Eindruck. Sollte ein Händler seine Payment-Kooperationen und deren Subpartner darstellen oder irritiert das eher?

Thorsten Holten (Wirecard): Wir können nachvollziehen, dass die vielen Kooperationen für Konsumenten teilweise unübersichtlich erscheinen mögen. Man sollte allerdings unterscheiden, wann Händler die Wahl haben, Payment- oder Banking-Kooperationen zu nennen und wann nicht. Zum Beispiel muss jeder Kunde wissen, mit welcher Bank im Hintergrund er eigentlich einen Vertrag eingeht.

Inwiefern die Anbieter darüber hinaus in der weiteren Kommunikation diese Verbindungen nach außen darstellen, bleibt ihnen überlassen. Ein konkretes Beispiel: Als das FinTech-Startup Number26 gestartet ist, waren wir die Bank im Hintergrund. Zu wissen, bei welcher Bank die Kunden ein Konto eröffnen, hat sicherlich für Transparenz gesorgt und Vertrauen geschaffen. Nichtsdestotrotz stand für die Kunden im Vordergrund, dass sie mit Number26 eine innovative Banking-Lösung nutzen können.  

Emmanuel Kirse (Novalnet): Konsumenten großer Händler mit einer starken Marke schätzen es, wenn möglichst viele Prozesse wie etwa der Warenversand, die Zahlungsabwicklung, die Kundenkommunikation unmittelbar durch den Händler erfolgt und die Kooperationspartner in den Hintergrund treten. Weiterleitungen innerhalb des Bestellprozesses zu unbekannten (Zahlungs-) Dienstleistern führen dabei eher zu Kaufabbrüchen.

Auf der anderen Seite können gerade kleine Händler durch die transparente Offenlegung von Payment-Kooperationen mit seriösen und zertifizierten Zahlungsanbietern wie  Novalnet  für ein deutlich größeres Vertrauen beim Konsumenten und somit zur Umsatzsteigerung beitragen. Die Konsumenten achten dabei sehr häufig auch auf entsprechende Sicherheits- und Gütesiegel des Zahlungsanbieters, wie etwa PCI DSS usw., damit sie wissen, dass ihre Zahlungsdaten sicher sind.  Novalnet bietet ihren Händlern beide Möglichkeiten. Für welche Variante sich der  Händler entscheidet, ob White Label oder nicht, unterliegt am Ende der individuellen strategischen Zielsetzung.

Ralf Gladis (Computop): Der Konsument ist schon seit Jahren daran gewöhnt, dass nicht die Bank, sondern andere Marken den Payment-Bereich dominieren: Auf POS-Terminals steht selten der Name einer Bank, sondern Markennamen wie CCV, Pax oder Verifone. Im Online-Umfeld sind Marken wie PayPal oder Sofortüberweisung etabliert, weil die Banken es versäumt haben, sich rechtzeitig zu platzieren. Das kennen die Konsumenten seit vielen Jahren und sind daher sicher nicht irritiert.

Bei Computop beobachten wir, dass sich der Handel immer häufiger direkt an PSPs und Netzbetreiber wendet, anstatt sich bei der Bank zu erkundigen. Da Banken diesen Service meist auslagern, fehlt ihnen oft die Expertise, um komplizierte Fragen zu Omnichannel oder internationalem Zahlungsverkehr zu beantworten. Das verlagert das Geschäft von den Banken zu den PSPs und Netzbetreibern. Wer als Gewinner aus dem Rennen hervorgehen will, braucht eine Omnichannel-Payment-Software, die Zahlungen weltweit abwickeln kann. Darüber wird viel geredet, aber kaum jemand kann das wirklich.

Bernhard Linemayr (Payolution): Ganz klar: Der Konsument will und braucht diesen Durchblick nicht, er wäre für die Payment Experience nur hinderlich. Daher setzt payolution ganz auf den White Label Approach, wo wir im Hintergrund bleiben und der Kunde nur seine Händlermarke sieht. Er vertraut ja diesem Händler und nicht uns – daher würde es die Conversions nur drücken, wenn wir uns hier in der Vordergrund stellen wollten.

Wer es wirklich wissen will, kann sich informieren – aber wie gesagt will das praktisch kein Käufer, und es wäre kontraproduktiv, hier Informationsbedürfnisse künstlich zu wecken, die der Konsument von sich aus überhaupt nicht hat.

Marc Berg (Klarna): Meiner Einschätzung nach muss der Händler dafür sorgen, dass der Kunde eine auf sein Nutzerverhalten angepasste Payment-Lösung vorfindet. Wenn die Zahlungsart zu 100 Prozent den Anforderungen des Kunden entspricht, ist es für ihn sekundär, welche Subpartner involviert sind. Letztendlich wollen Kunden eine sichere, schnelle und einfache Bezahlung und das machen wir möglich.  

John Alexander Rehmann (Payone): Der Payment-Dienstleister des Händlers ist sehr transparent und schnell herausgefunden oder zum Teil schon im Kleingedruckten angegeben. Das Geflecht an Kooperationen hinter diesem Dienstleister darzustellen, wird aber vom Verbraucher nicht verlangt. Der Endkunde möchte einfach nur, dass es funktioniert. Für ihn ist der Händler sein Geschäftspartner, und an diesen kann er sich bei allen Fragen wenden. Daher ist es am Ende auch für den Händler am unkompliziertesten, alle Payment-Dienstleistungen in einem Partner zu bündeln, da er für alle Belange einen konkreten Ansprechpartner hat.

Frank Keller (PayPal): Wenn es um das Bezahlen geht, wünscht sich der Konsument vor allem Sicherheit und Komfort, wobei letzteres sowohl Bequemlichkeit als auch Einfachheit beinhaltet. Für den Händler heißt dies, dass er beim Thema Payment unbedingt auf Klarheit setzen sollte. Mit Blick auf Kooperationen ergibt sich daraus, dass der Händler seinen Käufern stets die Informationen anzeigen sollte, die für sie im Moment des Bezahlens relevant sind. Das soll jetzt nicht pauschal „weniger ist mehr“ im Sinne eines Weglassens von Informationen heißen. Es geht vielmehr darum, dass dem Käufer das notwendige Maß an Transparenz und Information geboten wird, ohne ihn dabei mit zu vielen Informationen zu im Hintergrund laufenden Zusammenarbeiten zu verwirren.

Dieser Beitrag erschien erstmals im e-commerce Magazin 03/2017.

(jm)

Die weiteren Interviewpartner:

  1. Marc Berg ist seit August 2016 ‒ gemeinsam mit Jens Lütcke ‒ sowohl als Geschäftsführer von Klarna als auch von SOFORT tätig. Seit 2009 war Berg in unterschiedlichen Positionen für die Otto Group unterwegs: Er verantwortete die Konzernstrategie, bevor er Anfang 2013 innerhalb der Otto Group die Geschäftsführung von Finnovato übernahm. In dieser Funktion entwickelte er Unternehmen im Bereich digitaler Finanzleistungen. Zum Portfolio von Finnovato  gehörten neben RatePay unter anderem auch die Mobile-Payment-Unternehmen Yapital, RiskIdent sowie der Otto-Group-interne Company Builder LiquidLabs. Klarna wurde 2005 in Stockholm mit der Idee gegründet, das Einkaufen zu vereinfachen.
  2.  Emmanuel Kirse ist in seiner Funktion als Chief Operations Officer (COO) von Beginn an in die Umsetzung der strategischen Visionen und Innovationen von Novalnet  involviert. Als Zahlungsinstitut für die elektronische Zahlungsabwicklung bietet Novalnet  Kunden Full-Service-Payment-Lösungen.
  3. Seit Oktober 2011 ist John Alexander Rehmann Head of Marketing & Communication bei Payone. Der 41-jährige Marketingstratege bringt sein Wissen aus seinen langjährigen Tätigkeiten in der Banken- und Finanzbranche mit. Rehmann leitet das Marketing-Team und verantwortet die Marketing- und Kommunikationsstrategie, Public Relations und ist an der Umsetzung der Unternehmensstrategie beteiligt.
  4. Anke Blietz ist Geschäftsführerin GFKL Pay Protect & GFKL Financial Services. Das Unternehmen firmiert ab April als GFKL Lowell Gruppe.

 

 

 

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