Payment-Alternative paydirekt – muss sich PayPal warm anziehen?

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Die Deutschen Banken machen mobil und haben sich zu einer Allianz gegen PayPal zusammengeschlossen. Paydirekt. Geschäftsführer Niklas Bartelt (im Bild) spricht hierzu im Interview. Kommentare zu paydirekt finden Sie in der print-Ausgabe des e-commerce Magazins (ecm 08/2015)

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Ecm: Das hat ja was von einer geheimen Allianz: Offiziell wurde der Zusammenschluss vieler deutschen Banken zur Gestaltung einer PayPal-Alternative erst im März 2015 bekannt gegeben. Wie lange hat das schon im Vorfeld gegärt?

Niklas Bartelt: Die Vorgängergesellschaft der paydirekt, die Gesellschaft für Internet- und mobile Zahlung, kurz GIMB; haben wir im Frühjahr 2014 gegründet. Seither arbeiten wir im Auftrag und natürlich auch gemeinsam mit der deutschen Kreditwirtschaft aktiv an der Entwicklung von paydirekt. Und bauen so ganz nebenbei die GmbH auf, die seit Frühjahr 2015 in paydirekt umfirmiert hat.

Ecm: Ein solcher Zusammenschluss provoziert doch sicherlich auch Reibereien.  So hat ja der Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon sich jüngst durchaus negativ über die neue Lösung geäußert, obwohl ja die Sparkassen auch an paydirekt beteiligt sind. Wie gravierend sind diese  Unstimmigkeiten, wenn sie sogar nach außen dringen?  Könnte es sein, dass diese Äußerungen der Enttäuschung geschuldet sind, dass man sich nicht entschlossen hat Giropay, die Online-Payment-Lösung der Sparkassen, als Basislösung weiterzuentwickeln? Giropay gibt es ja immerhin schon seit 2006.

Niklas Bartelt: Einige Learnings aus Giropay sind in die Entwicklung unseres Systems eingeflossen. Wir denken aber, dass wir mit der branchenweiten Kooperation und mit einem System, das mit allen Beteiligten gemeinsam entwickelt wurde, ein noch breiteres Publikum erreichen und überzeugen können. paydirekt erfüllt den Kundenanspruch an einfache Bedienbarkeit verbunden mit hoher Sicherheit. Die Entwicklung eines völlig neuen Systems in Zusammenarbeit mit nahezu der gesamten deutschen Kreditwirtschaft bedeutet natürlich aber auch Gespräche und Verhandlungen mit den Beteiligten, für die wir uns die nötige Zeit nehmen. Ich empfinde die Zusammenarbeit in aller Regel als sehr vorwärtsgerichtet, man merkt, dass wir ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und im Endeffekt macht dieser Dialog, frei nach dem Motto „keiner weiß so viel wie alle“, das Produkt immer besser. Unterschiedliche Auffassungen in Einzelfragen konnten wir bisher immer erfolgreich ausräumen. 

Ecm: Muss eigentlich jede Bank die teilnehmenden Händler selbst akquirieren oder gibt es hier auch einen Zusammenschluss der deutschen Banken.

Niklas Bartelt: Die Gespräche mit den Händlern führen in der Regel die Betreuer der jeweiligen Hausbank des Händlers.

Ecm: Wie überzeugen Sie die Händler, bei paydirekt mitzumachen?

Niklas Bartelt: Dafür gibt es tatsächlich viele gute Argumente. Gut kommt in der Regel die Transaktionssicherheit an, autorisiert die Bank die Zahlung, hat der Händler Zahlungssicherheit. Außerdem hat jeder Kunde den Authentifizierungsprozess einer deutschen Bank oder Sparkassen nach den strengen deutschen Regeln durchlaufen und auf Wunsch kann der Händler auch eine Altersverifikation anfordern. Deutscher Bankenstandard und Datensicherheit ist für Händler wie Kunden ein Pluspunkt. Gerade für die Händler zählt auch, dass die Warenkorbdaten ihrer Kunden nicht an Dritte weitergegeben werden. Und natürlich ist auch das Kundenpotenzial interessant, das die deutschen Banken und Sparkassen mitbringen. Viele dieser Kunden bezahlen heute tatsächlich noch gar nicht online, in letzten Jahr betrug lt. Bundesbank der Anteil von Internetbezahlverfahren am Gesamtumsatz in Deutschland gerade mal 2,8%. Hier besteht also immer die Möglichkeit, sich neue Kundengruppen zu erschließen. Und last not least erhofft sich der Handel von jedem neuen Wettbewerber genau das: mehr Wettbewerb.

Ecm:  Paydirekt ist ein rein nationales System. Passt dies eigentlich noch in die internationale, globale Welt des Onlinehandels?

Niklas Bartelt: Das ist richtig, wir werden zunächst in Deutschland starten. Paydirekt ist aber als offenes System gebaut und bereits so angelegt, dass eine Weiterentwicklung einfach möglich ist. Wir beobachten hier, gemeinsam mit unseren Gesellschaftern, den Markt. Den Ausschlag für die Weiterentwicklung werden, wie schon bei der Konzeption des Systems, die Bedürfnisse der Nutzer geben.

Ecm: Paydirekt positioniert sich klar gegen PayPal. Bemerken Sie schon, dass sich Paypal gegen paydirekt rüstet?

Niklas Bartelt: PayPal ist derzeit der Marktführer für Internetbezahlverfahren. Mit einem Anteil am Umsatz von weniger als 2,8%. Wir haben in Deutschland Aufholbedarf, was Internetbezahlverfahren und mobiles Bezahlen angeht, der Markt wächst, das Potenzial ist ganz sicher da. Deshalb entwickeln wir ein Internetbezahlverfahren für die Kunden der deutschen Banken und Sparkassen. Deren Bedürfnisse und Anforderungen stehen im Mittelpunkt. Und, das wissen wir aus verschiedenen Studien, ein wichtiges Bedürfnis der deutschen Nutzer ist der Datenschutz. Hier hat paydirekt aus unserer Sicht einen ganz entscheidenden Vorteil: es ist direkt mit dem bewährten Girokonto verknüpft, es ist kein Dritter dazwischen geschaltet, die Daten des Kunden bleiben in Deutschland, sensible Kontodaten verlassen die Bank nicht. Für viele Kunden ist das ein wichtiges Argument. Deshalb sind wir sicher, dass unser System für viele eine interessante Alternative darstellen wird. Unser Antrieb ist es, zusätzliche Kunden vom Bezahlen im Internet überzeugen zu können.

ECM: Wie wollen Sie als Banken von paydirekt profitieren? Welche Ertragsmodelle gibt es?

Niklas Bartelt :Dazu können wir als paydirekt leider keine Stellung nehmen, hier verweisen wir auf unsere Bankenpartner.

Das Interview erschien erstmals im e-commerce Magazin 08/2015.

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