Payment im Ausland: Darauf müssen Online-Händler achten

Es ist das Horrorszenario für Online-Händler: Kunden füllen ihren Warenkorb und verlassen den Shop anschließend, ohne zu bezahlen. Das Baymard Institute ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen und hat spannende Insights zutage gebracht: Neben wenig überraschenden Ausflüchten der Kunden wie zu hohen Versandkosten oder komplizierten Registrierungsverfahren geben sie auch eine mangelnde Auswahl bei den Bezahlmethoden als Grund für den Kaufabbruch an. So verließ im vergangenen Jahr fast jeder zehnte US-amerikanische Online-Kunde den Shop, weil er unter den angebotenen Bezahlarten nicht seine bevorzugte fand. Damit drohen Online-Händlern hohe Umsatzeinbußen, nur weil sie ihren Kunden nicht die passenden Bezahlmethoden anbieten.

(Bildquelle: Statista)

 

Die Vorlieben in Sachen Bezahlarten auf dem heimischen Markt genau einzuschätzen, ist schon eine Herausforderung. Eine ganz andere Hausnummer ist es jedoch, dies im Falle einer Auslandsexpansion zu managen. Neben dieser Herausforderung stehen Online-Händler aber noch vor vielen weiteren, wenn sie die Online-Aktivitäten internationalisieren wollen. Wie kann man das notwendige Inkassoverfahren im Ausland managen? Wie sind die AGBs zu ändern? Und wie schützt man sich am besten vor Betrügern? Dass die Shop-Internationalisierung gelingen kann, zeigt das Unternehmen Helpling: Im Jahr 2014 in Berlin gestartet, beschäftigt das Portal mittlerweile 250 Mitarbeiter in mehr als 200 Städten in 12 Ländern. Hier fünf Tipps für E-Shop-Betreiber, wie auch sie das Online-Geschäft im Ausland gut und – vor allem – sicher zum Erfolg führen können.

Zahlungsgewohnheiten überprüfen

Die Vorlieben von Online-Käufern sind in Deutschland und im europäischen Ausland unterschiedlich. Das ist beim Bezahlen nicht anders. Überprüfen Sie deshalb unbedingt, welche Zahlungsarten in ihren anvisierten Zielländern von den Online-Kunden favorisiert werden. Dabei ist nicht die Menge an Zahlungsoptionen entscheidend, sondern der passende Mix für die jeweiligen Käufer im Zielland. Als Daumenregel gilt hier: Es sollten zwischen drei und sieben der national beliebtesten Zahlungsarten angeboten werden. Aber welche Zahlarten sind in den jeweiligen Ländern auf der Hitliste?

In Deutschland sowie in Österreich, der Schweiz und in Polen erfreut sich beispielsweise der Rechnungskauf besonderer Beliebtheit. Hierzulande bevorzugt beispielsweise fast jeder dritte Online-Kunde den Rechnungskauf noch vor Anbietern wie Paypal.

In Sachen Kreditkartenzahlung zeigen sich die Deutschen gewohnt vorsichtig – dies spiegelt sich auch im Angebot der Shops wider: In rund jedem zehnten deutschen Online-Shop kann man nicht mit Kreditkarten bezahlen. Die polnischen Käufer ticken hier ähnlich. Sie zeigen neben ihrer Vorliebe für die Nachnahme und die Vorkasse auch eine besondere Präferenz für den Rechnungskauf. In den Niederlanden hingegen ist vor allem das Onlineüberweisungsverfahren iDEAL, also das holländische Pendant zu giropay oder sofortueberweisung.de, beliebt.

Als einer der Vorreiter in Sachen Kartenzahlung gelten vor allem die Briten und die Franzosen. Dort dominiert die Kartenzahlung den Online-Handel. Kurios: In Italien zahlen Web-Shopper gerne per Postanweisung. Dabei handelt es sich um die Rechnungsbegleichung in bar direkt bei der Postannahmestelle. Die Post leitet den Betrag anschließend an den Empfänger weiter. Damit sind die Unterschiede in den Bezahlvorlieben grundsätzlich auf kulturelle, wirtschaftliche und infrastrukturelle Gegebenheiten zurückzuführen. Aber auch geschlechtsspezifisch gibt es Unterschiede: So zahlen die Frauen hierzulande am liebsten per Rechnung (58,1 Prozent), wohingegen sich die Herren eher für Angebote wie Paypal (54,1 Prozent) entscheiden.

Bonitätsprüfungen einschränken

Um den Kauf auf Rechnung als Bezahlart anbieten zu können, benötigen Online-Händler eine Bonitätsprüfung. Diese ist – der heutigen Technik sei Dank – bereits im Bestellprozess und für den Kunden unbemerkt durchzuführen. Die Bonitätsprüfung des Kunden kann damit bereits erfolgen, bevor der Kunde sich überhaupt für ein Bezahlverfahren entscheidet. Der Vorteil für den Händler: Er stellt bereits vor dem Kaufabschluss fest, ob der Kunde in der Lage ist zu zahlen. Eventuelle Zahlungsausfälle können somit bereits im Vorfeld minimiert werden.

Der Nachteil jedoch: Bonitätsprüfungen sind kostenintensiv und im Ausland sogar noch einmal deutlich teurer als hierzulande. Die aktive Zahlartensteuerung ist damit außerhalb Deutschlands für heimische Händler nicht zu empfehlen. Lassen Sie also lieber erst nach Auswahl der Zahlungsart Rechnungskauf eine Bonitätsprüfung des Kunden durchführen. Denn wenn die Bonitätsprüfung nachgelagert ist, halten Sie nicht nur die zu prüfende Stichprobe in Grenzen, sondern auch die Kosten.

Risikomanagement betreiben

Betrug ist im Online-Handel ein großes Thema und die Betrugsvarianten sind facettenreich. So passiert es häufig, dass Ware bestellt, aber nicht bezahlt wird. Betrüger kaufen mit gestohlenen Kreditkarten oder benutzen für den Bestellprozess fiktive Daten. Bonitätsprüfungen allein bieten hier häufig keinen ausreichenden Schutz. Für Online-Shops im Ausland kommt erschwerend hinzu, dass die internationale Strafverfolgung deutlich komplizierter ist als im eigenen Land. Eine Betrugsprävention ist deshalb unabdingbar.

Das gilt umso mehr bei teuren Produkten, die sich für Betrüger auch noch problemlos wiederverkaufen lassen. Schauen Sie deshalb genau hin: Bestellen auffällig viele Kunden aus der gleichen Straße? Ordern Neukunden besonders große Warenmengen? Ist der Artikel bereits bei anderen Betrugsversuchen aufgefallen? Insbesondere bei hochpreisigen Technik-Artikeln wie Notebooks oder Smartphones ist besondere Vorsicht geboten. Und: Ist die Rechnungsanschrift auch die Lieferanschrift? Passen Name und E-Mail zusammen?

Denn: Ehrliche Käufer geben meist ihren echten Namen an, Betrüger vermeiden das verständlicherweise. Außerdem zu hinterfragen ist: Gehen viele Bestellungen mit gleicher E-Mail oder Telefonnummer ein? Was ergibt die Abfrage der IP-Adresse? Verbirgt sich dahinter eventuell ein Anonymisierungsdienst? Sollten sie mit dieser Risikoprüfung Betrügern auf die Schliche kommen, sperren sie umgehend ihr Kundenkonto. Tatsache ist, dass ein gutes Risikomanagement den Online-Händler vor Zahlungsausfällen schützen kann. Trotzdem erfordert so etwas in der Praxis Erfahrung und Augenmaß. Denn um zu verhindern, dass Kunden in einer zu streng konfigurierten Risikoprüfung fälschlicherweise aussortiert werden, sollten sie die Instrumente zur Risikoprävention unbedingt überwachen.

Inkassoverfahren klären

Erinnerungs-Mail, erste Mahnung, zweite Mahnung, Übergabe an ein Inkassobüro: Ganz so einfach wie in Deutschland ist das Geldeintreiben im Ausland nicht. Online-Shops können das Inkassoverfahren über ihren deutschen Dienstleister abwickeln, wenn dieser mit ausländischen Partnern zusammenarbeitet. Allerdings ist das nur dann sinnvoll, wenn der Händler lediglich einen geringen Teil seiner Waren ins Ausland verkauft – als Faustregel gelten hier etwa zehn Prozent. Liegen Händler deutlich über diesem Wert, empfiehlt sich die Kooperation mit einem nationalen Inkassobüro im Zielland.

Für welche Alternative sich Online-Händler auch entscheiden, sie sollten unbedingt darauf achten, welche Gebühren bei Inanspruchnahme der Inkassodienstleistung anfallen. Entscheidend ist außerdem, in welcher Reihenfolge verrechnet wird – also ob der Händler oder der Inkassodienstleister bei einer (Teil-)Zahlung zuerst bedient werden. Auch, wer für Auslagen für Adressermittlung und Gerichtsgebühren aufkommt, sollte unbedingt vorab geklärt werden. Manche Inkassodienstleister übernehmen hier auf Wunsch auch das komplette Debitoren-Management.

 

(Bildquelle: PNO Inkasso)

Konto im Zielland eröffnen

Seit der Einführung von SEPA (Single Euro Payments Area) im Jahr 2014 ist die Überweisung ins Ausland problemlos und ohne zusätzliche Gebühren möglich. Allerdings stehen immer noch viele Online-Käufer dieser Zahlart skeptisch gegenüber. Es lohnt sich deshalb, vor Ort ein nationales Konto zu eröffnen. Falsch wäre es dabei jedoch, die Zahlungen nur alle 14 Tage zu checken und gegebenenfalls zu mahnen. Kunden mit betrügerischen Absichten tätigen oft innerhalb kürzester Zeit eine zweite und dritte Bestellung. Verbuchen Sie deshalb täglich die eingehenden Zahlungen.

Außerdem ist hier auf das gewählte Zahlungsziel zu achten: Wählen Sie kein zu langes – bei einem Zahlungsziel von beispielsweise 30 Tagen geraten Rechnungen häufig in Vergessenheit. Als Idealwert gilt hier grundsätzlich ein Zahlungsziel von 14 Tagen. Dieser Richtwert wiederum setzt eine reibungslose Retourenabwicklung voraus. Kann diese aufgrund von Schwierigkeiten nicht gewährleistet werden, haben sich auch 21 Tage bewährt.

Fazit: Auch wenn Rechnungskauf und Lastschrift im europäischen Ausland nicht so weit verbreitet sind wie in Deutschland, lohnt es sich, diese Zahlarten anzubieten. Voraussetzung ist allerdings, ein solides Risikomanagement aufzusetzen und einen Inkassodienstleister ins Boot zu holen. Zudem hilft die Eröffnung eines Kontos im Zielland dabei, das Vertrauen des Kunden zu gewinnen.


Autor: André Boeder ist Inhaber und Geschäftsführer von Paymorrow. Zuvor war er neun Jahre lang Geschäftsführer des E-Payment-Anbieters ExperCash. Im Online-Handel ist Boeder bereits seit 2000 tätig. Paymorrow zählt im deutschsprachigen Raum zu den führenden Anbietern von Zahlungslösungen im Internet und ist spezialisiert auf die Bezahlformen Rechnungskauf und SEPA-Lastschriftverfahren. Paymorrow bietet Händlern käuferfreundliche und kaufabschlusssteigernde Zahlungslösungen.

(jm)

 

0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

CAPTCHA
Diese Frage stellt fest, ob du ein Mensch bist.

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags