14.12.2022 – Kategorie: eCommerce

Plattformbetreiber: Wie sie die passende Zahlungslösung finden

Refurbished Plattformbetreiber Online-MarktplätzeQuelle: molpix - Adobe Stock

Egal ob B2C-, B2B- oder C2C-Plattform: Was die Zahlungsabwicklung betrifft, gibt es einiges, was Plattformbetreiber leisten müssen. Doch es gibt auch spezifische Funktionen, die nur für bestimmte Plattformen relevant sind. Wie Betreiber die passende Zahlungslösung für ihre Plattform finden.

Alle Marktplätze sind als Plattformbetreiber Drittanbieter, unabhängig davon, mit welchen Waren oder Dienstleistungen sie handeln und mit welchen Akteuren. Auch wenn sie eigene Produkte im Angebot haben, bieten sie zusätzlich externen Händlern eine Plattform. Das gilt für Onlinehändler, die ihren Webshop für andere Anbieter öffnen, ebenso wie für Großhändler, die mit ihrem Warenangebot als Zwischenhändler im B2B-Bereich auftreten. Auch Betreiber von Online-Flohmärkten oder Community-Plattformen, auf denen Waren unter Privatpersonen ausgetauscht werden, gelten als Drittanbieter.

Plattformbetreiber verantworten den Zahlungsverkehr

In allen Fällen erhalten die Plattformbetreiber Provisionen und/oder erheben Gebühren für ihre Services. Und sie sind verantwortlich für den reibungslosen Zahlungsverkehr zwischen Käufern und Verkäufern. Dazu gehört etwa, dass Käufer in einer Transaktion Waren von verschiedenen Anbietern erwerben können und die Plattformbetreiber die geleisteten Zahlungen auf die verschiedenen Verkäufer aufteilen. Und auch, dass die Gelder auf einem Treuhandkonto sicher hinterlegt werden, bis der Käufer die Lieferung erhalten hat, gehört heute zum Standard. Plattformen müssen ihre Kunden vor Betrug schützen und beim Onboarding jedes Akteurs dessen Identität prüfen – Stichwort: Know your Business (KYB) beziehungsweise Know your Customer (KYC). Die gesetzlichen Anforderungen sowie EU-Vorschriften geben den rechtlichen Rahmen vor.

Anpassung der Zahlungsprozesse auf Marktplätzen

Immer mehr E-Retailer hosten auf ihrem Webshop auch Anbieter von Waren, die die eigene Produktpalette ergänzen, und bauen ihre Online-Shops so zu Marktplätzen aus. Damit folgen sie dem Trend der letzten Jahre, der zeigt, dass sich der Online-Handel immer mehr in Richtung der Plattformen verschiebt. So erwirtschafteten bereits 2020 Marktplätze die Hälfte aller Umsätze im E-Commerce, Tendenz steigend. Für Online-Händler ist es wichtig, dass beim Umbau ihres Webshops zum Marktplatz keine bereits vorhandenen Kunden verloren gehen. Die bewährten Checkout-Wege sollen beibehalten und bestehende Infrastruktur weiter genutzt werden.

Auch wenn es für die Käufer nicht sichtbar ist, müssen die Prozesse im Hintergrund dafür grundlegend angepasst werden. Das liegt auch daran, dass sich die rechtliche Grundlage für die Zahlungsabwicklung ändert, wenn der Webshop eines E-Retailers zum Marktplatz ausgebaut wird. Gemäß der EU-Zahlungsdienstleister-Richtlinie Payment Services Directive 2 (PSD2) müssen alle Marktplätze entweder selbst als Finanzinstitut von den zuständigen Aufsichtsbehörden anerkannt sein. Oder sie beauftragen einen bereits anerkannten Zahlungsdienstleister mit der Zahlungsabwicklung.

Der zweite Weg ist meistens der einfachere, da die Plattformbetreiber hier auf die bereits etablierten Zahlungsfunktionen des Dienstleisters zurückgreifen kann.  Dazu gehören beispielsweise anpassbare E-Wallet Umgebungen oder auch eine automatisierte Identitätsprüfung. Und auch eine unkomplizierte Einbindung nationaler und internationaler Anbieter kann die Skalierung des Marktplatzes entscheidend voranbringen.

Flexible Zahlungsbedingungen auf B2B-Plattformen ermöglichen

Der B2B-Handel tut sich weiterhin schwerer mit der digitalen Transformation als B2C- oder C2C-Shops. Dies liegt auch daran, dass im Großhandel oft sehr viel flexiblere Zahlungsmöglichkeiten angeboten werden. So handeln Anbieter und Käufer häufig eigene Bedingungen aus. Es reicht also im B2B-Bereich nicht aus, dass die Betreiber gemischte Warenkörbe mehrerer Anbieter ermöglichen. Sie müssen auch den deutlich größeren Spielraum individueller Vertragsbedingungen zwischen Händlern und Kunden bei der Abwicklung der Zahlungsflüsse berücksichtigen. Hier können E-Wallets eine Lösung sein, um die Zahlungen gemäß den jeweils ausgehandelten Bedingungen an verschiedene Verkäufer und Zwischenhändler aufzuteilen.

Auch die Einbeziehung zusätzlicher Partner kann B2B-Marktplätze attraktiv für Anbieter und Kunden machen. Mithilfe von Dienstleistern, die verschiedene Finanzierungsoptionen absichern oder eine unkomplizierte Rechnungsstellung erleichtern, können die Betreiber das Zahlungserlebnis auf ihrer Plattform optimieren. Je flexibler sie die Zahlungsabwicklung an die Bedürfnisse der verschiedenen Kundengruppen wie Großunternehmen, KMU oder auch Freiberufler anpassen können, desto interessanter wird ihr Marktplatz für Verkäufer und Käufer. Außerdem ist die schnelle Identitätsprüfung zum unkomplizierten Onboarding von Verkäufern für jede Art von Plattform ein Wettbewerbsvorteil. Insbesondere bei B2B-Plattformen kann es entscheidend sein, dass Identitätsnachweise und Firmenregistrierungsunterlagen zur Händlerüberprüfung (KYB) automatisiert abgefragt und neue Verkäufer schnell auf die Plattform integriert werden.

Plattformbetreiber: Marktplätze für nicht-professionelle Anbieter

Betreiber von C2C-Plattformen wie Vermietungs-, Händler- oder Community-Marktplätzen für den Austausch zwischen privaten Verkäufern und Käufern müssen in besonderem Maß darauf achten, ihre Kunden mit passenden Präventionstools vor Betrug zu schützen. Eines davon ist das Treuhandkonto, auf dem eingegangene Zahlungen hinterlegt werden, bis der Empfang der Ware oder Dienstleistung bestätigt wurde. Entsprechende Transfer- und Provisionsregeln muss jede Plattform angepasst an die Bedürfnisse ihrer Nutzer festlegen. Persönliche E-Wallets erlauben Anbietern wie Käufern jederzeit einen Überblick über den aktuellen Stand der Zahlungen.

Käufer wissen die große Auswahl an Anbietern auf einem C2C-Marktplatz zu schätzen. Sie interessieren sich aber nicht für die komplexen Prozesse im Hintergrund, die damit verbunden sind. Auch auf einer Plattform für den Austausch unter Privatpersonen wollen die Käufer ihren gesamten Einkauf in nur einer Transaktion abwickeln. Für ein reibungsloses Zahlungserlebnis sind hier der gemischte Warenkorb und die Möglichkeit geteilter Zahlungen wesentliche Voraussetzungen.

Für Verkäufer sind Marktplätze attraktiv, die ihnen eingegangene Zahlungen nach Lieferung der Ware schnell weitergeben. Ebenso wichtig ist gerade bei nicht-professionellen Anbietern, dass sie keine größeren Hürden für die Zulassung als Händler überwinden müssen. Eine automatisierte Identitätsprüfung (KYC), die Verkäufer innerhalb weniger Minuten verifiziert, ist daher ein unbedingtes Plus.

Für jede Plattform gibt es die passende Zahlungslösung

Eine Zahlungslösung muss immer so individuell sein, dass sie an die Erfordernisse der Plattformbetreiber ebenso angepasst ist wie an die Bedürfnisse der Verkäufer und Käufer. Grundsätzlich sollten alle Lösungen darauf ausgerichtet sein, den Nutzern ein reibungsloses Zahlungserlebnis zu bieten, gemischte Warenkörbe zu ermöglichen, Zahlungen erst nach Lieferung freizugeben, diese dann aber umgehend an die Verkäufer auszuzahlen, ein schnelles Onboarding zu erleichtern und alle Beteiligten vor Betrug zu schützen. Welche Funktionen für ihre Plattformen besonders relevant sind, müssen die Betreiber individuell für ihr Business-Modell entscheiden. Dies hängt ebenso von den Anforderungen ihrer Kunden ab, wie auch davon, ob sie eine B2C-, eine B2B- oder eine C2C-Plattform betreiben.

Plattformbetreiber Mangopay
Guido Kuhring ist Head of Sales Central and Northern Europe bei Mangopay. (Bild: Mangopay)

Über den Autor:

Guido Kuhring ist als Head of Sales Central and Northern Europe bei Mangopay für die Geschäftsentwicklung und das Wachstum in Mittel- und Nordeuropa verantwortlich. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in leitenden Positionen bei PSPs und in Vertriebsfunktionen verfügt er über Know-how in der Entwicklung und Skalierbarkeit von Marktplätzen und Plattformunternehmen. Die Umsetzung einer Akquisitionsstrategie und der Ausbau des Partnernetzwerks sind wichtige Grundpfeiler seines Aufgabenbereichs. Der 42-Jährige hat an der Universität Potsdam und Rotterdam International Business und Marketing studiert. Zunächst als Brand Manager für Reckitt aktiv, wechselte er 2011 als Business Development Manager Eastern Europe zu Henkel. 2018 wechselte er als Sales Director Germany and Switzerland zu PayPal, wo er zuletzt Head of Marketplace Sales DACH war.

Mangopay will die Plattformökonomie mit seinem umfassenden Zahlungsökosystem stärken. Das 2013 gegründete Unternehmen betreut mehr als 2.500 Marktplätze und innovative Scale-ups. Das End-to-End-Ökosystem basiert auf einer programmierbaren Escrow- und Ledger-Lösung. Dieses deckt alle Anforderungen der Plattformzahlungen ab und bietet eine vollständige Integrationsflexibilität und Workflows für jedes Geschäftsmodell. (sg)

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