Progressive Web App – das neue Asset im E-Commerce

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Lösen Progressive Web Apps (PWA) gerade native Apps ab? Oder sind sie nur ein kurzfristiger Hype? Und wenn nicht, welche Auswirkungen haben sie auf die Strategie von Online-Händlern? Marius Bruns von hmmh multimediahaus geht dem Thema auf den Grund.
Progressive Web AppQuelle: Production Perig - Shutterstock

Eines der derzeit heißesten Themen im E-Commerce lautet Progressive Web App, kurz PWA. Der Hybrid aus mobiler Website und App wirbelt den Online-Handel gerade richtig auf. Gut nachvollziehbar angesichts der Kennziffern von Unternehmen, die auf pwa.bar veröffentlicht sind: So verzeichnete Trivago seit der Umstellung auf eine Progressive Web App eine deutlich höhere Conversion als mit ihrer nativen App, die Klickrate auf Hotelbuchungen stieg sogar um 97 Prozent.

Forbes verzeichnet 43 Prozent mehr Sitzungen pro Nutzer und eine doppelte so lange Verweildauer und Lancôme konnte mit der PWA die Absprungrate der Besucher um 15 Prozent verringern sowie die Conversion-Rate um 17 Prozent steigern. Kein Wunder, dass beispielsweise die Analysten von Gartner prognostizieren, dass schon im kommenden Jahr die Hälfte aller mobilen Apps für Verbraucher durch Progressive Web Apps ersetzt sein werden.

Vorteile einer Progressive Web App gegenüber nativen Apps

Angesichts solcher Zahlen kommen viele Händler ins Grübeln und stellen ihre gesamte Online-Strategie in Frage: mobile Website und/oder Progressive Web App und/oder native App? Aus Anwendersicht lässt sich das vergleichsweise einfach beantworten: Während die Progressive Web App besonders für Gelegenheitsnutzer geeignet ist, sind native Apps besonders sinnvoll für treue Nutzer, die regelmäßig darauf zurückgreifen. Denn während PWAs Nutzern Flexibilität und die Möglichkeit bieten ihre Daten geräteübergreifend über eine Website zu nutzen, bieten native Apps hingegen maximale Stabilität sowie Kompatibilität mit dem Endgerät.

Da eine Progressive Web App über einen Link erreichbar ist und nicht gedownloadet werden müssen, brauchen Kunden für die mobile Nutzung nicht den Umweg über einen App-Store gehen. Auch gegenüber der Konkurrenz kann das ein ausschlaggebender Faktor sein, warum Kunden sich für oder gegen eine App entscheiden. Zudem ist der Update-Prozess wesentlich unkomplizierter, Aktualisierungen können sofort an den Nutzer ausgeliefert werden, eine Prüfung durch App-Shop-Betreiber entfällt. Die Unabhängigkeit von App-Stores ermöglicht es Anbietern außerdem, ihre Anwendungen ohne Vorgaben von Unternehmen wie Apple und Google zu gestalten.

Dank Service Worker, den die App im Hintergrund ausführt, funktioniert eine Progressive Web App auch im Offline-Modus. Das führt dazu, dass Nutzer auch bei Netzabbrüchen, zum Beispiel in der U-Bahn, durch einen Webshop navigieren können und sich nur für den Bezahlvorgang mit dem Internet verbinden müssen. PWAs sind einfach über einen Link erreichbar, sofort einsatzbereit und da der Download über den App Store oder Google Play entfällt, benötigen sie kaum Speicherplatz auf dem Smartphone.

Diese Kriterien waren beispielsweise für die „Ferienregion Lübecker Bucht“ ausschlaggebend, als erste Destination im deutschen Raum auf eine Progressive Web App anstatt auf eine klassische App für die digitale Gästebegleitung zu setzen. Da davon auszugehen war, dass Urlauber die App nur temporär während ihres Aufenthalts nutzen und die Lübecker Bucht noch keine Website hatte, war die PWA auch aus Kosten- und Zeitgründen die erste Wahl.

Steht mit der Progressive Web App das Ende der nativen App bevor?

Läuten PWAs damit das Ende der nativen Apps ein? So einfach ist das nicht. Überall dort, wo große Datenmengen und komplexe 3D-Grafiken benötigt werden, sind native Apps weiterhin die erste Wahl. Zudem bieten sie häufig eine höhere Kompatibilität zu Endgeräten und Betriebssystemen. Das trifft besonders auf die Bereiche Gaming sowie auch auf Banking und zum Teil Loyality-Programme zu.

Bei rechenintensiven Anwendungen sind PWAs nativen Applikationen zum Teil noch unterlegen. Ohne eine besondere Sorgfalt der Entwickler werden Nutzer ansonsten durch unsaubere Animationen und lange Ladevorgänge in ihrem Nutzungserlebnis eingeschränkt. Auch Anwendungen, die große Datenmengen auf den Endgeräten speichern und/oder durchsuchen sollen, beispielsweise bei Apps zur Erstellung von Bildergalerie, sind auf einer nativen Basis überzeugender.

Ein großes Plus für native Apps ist außerdem die maximale Verfügbarkeit von Hardwareschnittstellen. Sie sind darüber nämlich in der Lage auf sämtliche Gerätesensoren wie Beschleunigung und Ausrichtung zuzugreifen und arbeiten im Hintergrund. Zwar holen PWAs hier auf, aber noch ist es beispielsweise über sie nicht möglich via iOS Push-Nachrichten zu verschicken. Allerdings ist davon auszugehen, dass mit der wachsenden Unterstützung von Browser-Herstellern wie Mozilla und Google auch diese Hürde gemeistert werden kann.

Progressive Web App: Einsatz hängt von der Zielsetzung hängt ab

Ob PWA oder native App die richtige Wahl ist, muss immer für den Einzelfall betrachtet werden. Zu viele Faktoren sowie der Status-quo der gesamten mobilen bzw. digitalen Strategie sind ausschlaggebend für die richtige Entscheidung. Wichtig ist aber immer, schon frühzeitig die strategische Zielsetzung der Anwendung zu definieren sowie die existierenden Systemstrukturen genau zu betrachten. Nur dann kann eine Entscheidung getroffen werden, die auch zu langfristigem Erfolg führt. Für Unternehmen, die noch keine responsive Website nutzen bzw. gerade in der Entwicklung einer solchen stecken, bietet es sich an, direkt auf eine PWA aufzurüsten. Das spart sowohl Kosten als auch Zeit bei der Entwicklung. Sofern allerdings bereits über eine feststehende native App eine nennenswerte Anzahl an Installationen erfolgt ist, sollte der Kanal selbstverständlich weiter genutzt und nicht durch eine Progressive Web App kannibalisiert werden.

PWAs sind alles andere als ein Hype. Bei der Planung und Umsetzung mobiler Strategien sollten Unternehmen diese definitiv mit berücksichtigen und genau abwägen, warum sie sich dafür oder dagegen aussprechen. Denn wer seine Web-Applikationen und Web-Plattformen jetzt nicht PWA-fähig entwickelt, wird das in den nächsten Jahren ohnehin tun müssen.

Über den Autor: Marius Bruns ist Unit Director User Interfaces & Website Solutions bei der hmmh multimediahaus AG. Bruns, seit 2012 bei hmmh tätig und 20 Jahre Erfahrung in der Digitalbranche hat, ist für die Entwicklung von individuellen Frontend- und Weblösungen verantwortlich. Agile und nutzerzentrische Arbeitsmethoden in Software- und Designprojekten gehören dabei zu seinen Schwerpunkten. Außerdem treibt er Themen wie die Organisationsentwicklung und New Work voran.

Lesen Sie auch: Mobiler E-Commerce: 50 Prozent mehr Einkäufe über Apps

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