PSD2-Richtlinie: Viele Verbraucher sind über Veränderungen nicht informiert

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Das Bankenmonopol auf Kontodaten endet – doch die Kunden sind ahnungslos. So haben die Hälfte der Deutschen hat noch nie von PSD2 gehört – dabei nutzen 90 Prozent Online- oder Mobile Banking. 70 Prozent verwenden Finanz-Apps, die nicht von der eigenen Bank bereitgestellt werden. Vertrauenswürdigster Anbieter ist für rund zwei Drittel ihre Hausbank, nur acht Prozent vertrauen Facebook.
PSD2-Richtlinie

Quelle: roman dementyev - Shutterstock

„PSD2-Richtlinie? Nie gehört!“ Trotz anderthalb Jahren Vorlaufzeit und einer breiten Medienberichterstattung sind die neue EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 und ihre Auswirkungen bei vielen deutschen Verbrauchern überhaupt nicht präsent: Laut einer repräsentativen Online-Umfrage im Auftrag des Informationsdienstleisters Crifbürgel hatten 59 Prozent der befragten Teilnehmer im August 2019 noch nie von der zweiten Payment Services Directive (PSD2) gehört. Die übrigen 41 Prozent kannten zwar den Begriff, doch nur sieben Prozent der Befragten wussten auch, was sich dahinter verbirgt.

PSD2-Richtlinie: Einblick von Unternehmen in Kontodaten

Laut der EU-Richtlinie PSD2 müssen die Banken ab September anderen, bei der Finanzaufsicht registrierten Unternehmen den Einblick in dessen Kontodaten gewähren, wenn der Kontoinhaber dem zustimmt. Die Datenschnittstellen dazu stellen die Banken, doch diese funktionieren oft nur eingeschränkt. Daher verschob die deutsche Finanzaufsicht BaFin den Start von PSD2, der ursprünglich für den 14. September geplant war, und gibt den Banken Zeit zum Nachbessern.

„Diesen Aufschub sollten die Banken jetzt nutzen, auch in der Kundenkommunikation. Aufklärung tut Not und gerade jüngere Kunden haben großes Interesse an PSD2-basierten Diensten. Hier können die Banken mit Transparenz und Service punkten, denn für viele Verbraucher sind sie immer noch die erste Adresse in Geldangelegenheiten“, erklärt Christian Bock, Geschäftsführer bei Crifbürgel. Als wichtigste Quelle zum Thema PSD2-Richtlinie nannten 15 Prozent der Befragten ihre Bank, dann erst folgen klassische Medien mit elf Prozent und soziale Medien mit zehn Prozent.

PSD2-Richtlinie: Nutzen schlägt Wissen

Nur 17 Prozent der Befragten haben schon einmal Services genutzt, bei denen der Nutzer den Zugriff auf sein Bankkonto erlaubt hat. Das sind etwa Online-Vergleichsseiten oder Banking-Apps. 83 Prozent geben an, bisher solche Dienste nicht genutzt zu haben. Allerdings verwenden 70 Prozent der Befragten diverse Finanz-Apps externer Anbieter: 59 Prozent tätigen damit Überweisungen, zum Beispiel mit Paypal. 35 Prozent der Befragten prüfen ihren Kontostand mit einer Mobile-Banking-App wie Numbrs und weitere 24 Prozent nutzen Apps zum Bezahlen mit dem Smartphone.

PSD2-RichtlinieQuelle: Crifbürgel

„Dass solche Funktionen auch mit Kontodaten arbeiten, die EU-Richtlinie daher auch für Paypal und Co. gilt, und wie Zugangswege und Bezahlvorgänge genau verlaufen, erschließt sich den Nutzern offenbar noch nicht vollständig. Nutzen schlägt hier also Wissen“, ist Bock überzeugt.

PSD2-Richtlinie: Überwachung der Anbieter durch die BaFin

Bisher gaben die Nutzer solchen Diensten oft einfach die Login-Daten zu ihren Konten und diese griffen dann auf die Daten zu. Das wird mit der PSD2-Richtlinie anders: Die Anbieter brauchen nun die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer, gesichert durch PIN und andere Authentifizierungen – je nach Vorgabe der Bank muss die Einwilligung alle drei Monate erneuert werden. Überdies werden die Anbieter nun von der BaFin überwacht, das war zuvor nicht der Fall.

PSD2-RichtlinieQuelle: Crifbürgel

Mit der PSD2-Richtlinie wird also der Verbraucherschutz gestärkt und es werden neue, pfiffige Services möglich: So können Vergleichsportale künftig nicht nur die günstigsten Versicherer oder Stromanbieter auflisten, sondern auf Basis der Kontodaten des Kunden prüfen, ob er oder sie für Versicherung oder Strom zu viel bezahlt.

PSD2-Richtlinie: Cyber-Schutz ist der gefragteste Service

Grundsätzliches Interesse an solchen PSD2-basierten Diensten besteht: Großen Anklang bei 45 Prozent der Befragten finden Benachrichtigungen, wenn durch einen Vertragswechsel – etwa beim Stromanbieter oder der Versicherung – Geld gespart werden kann. Oder wenn Kunden auf Basis ihrer Kontodaten unverbindlich individuelle Angebote für Kredite oder einen neuen Stromtarif erhalten: Ein solcher Service findet bei 34 Prozent der Befragten Zuspruch. (sg)

Lesen Sie auch: Zahlungsverfahren: Junge Verbraucher wünschen sich mehr Optionen beim Bezahlen

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