26.01.2024 – Kategorie: Handel, IT

Request-to-Pay: Wie diese Zahlungsfunktion die Konversionsraten steigert

Derzeit nutzen viele Verbraucher Bezahlsysteme von Drittanbietern, sogenannten Wallets, die oftmals aus dem Nicht-EU-Raum kommen. Diese haben häufig auch Online-Händler als Bezahlmethode eingebunden. Die Account-to-Account-Zahlung per SEPA Request-to-Pay stellt eine kostengünstige Alternative für Händler, Banken und Kunden dar.

Das Bezahlverfahren SEPA Request-to-Pay bietet die Chance, den digitalen Zahlungsverkehr zu verändern und bringt positive Aspekte für den E-Commerce mit sich. R2P, das Banken und Sparkassen in ihre Banking-Apps integrieren können, ist ein im gesamten SEPA-Raum gültiges Zahlungssystem, bei dem beispielsweise Onlinehändler Zahlungsanforderungen an ihre Kunden senden. Diese werden dem Käufer direkt in die von ihm bevorzugte Mobile-Banking-App übermittelt und können entweder sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt werden, je nach Wunsch des Händlers. Der Vorteil: Der Käufer erhält eine bereits formatierte, ausgefüllte und digitale Zahlungsaufforderung, die eine Zahlung auslöst, sobald sie bestätigt wird. Dies garantiert darüber hinaus für den Händler eine 100-prozentige Zuordnung der Zahlung zur Bestellung.

Mit Request-to-Pay schnelle Identifikation in der Banking-App

SEPA Request-to-Pay trifft technisch eine Zahlungsvereinbarung zwischen Empfänger und Dienstleister, welche anschließend eine SEPA-Überweisung ausführt, entweder normal oder in Echtzeit. Bei aktuell verfügbaren Bezahllösungen, die auf Open Banking, also den PSD2- und PSD3-Standard setzen, ist es fast immer notwendig, sich in einem Portal mit den Login-Daten der Bank zu authentifizieren oder ein Drittgateway zu nutzen und sich dort bei der ersten Nutzung zusätzlich mit Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu registrieren. Im Gegensatz dazu findet bei SEPA Request-to-Pay die Authentifizierung des Zahlenden (Strong Customer Authentication) nahtlos über den Login der mobilen Banking-App statt, die auf dem Endgerät installiert ist. Die Zahlungsanfrage wird anschließend vom Zahlenden freigegeben, und die Überweisung gemäß der Vereinbarung ausgeführt. Durch diese tiefe Integration in die mobile Banking-App ist es wesentlich leichter, Kaufabbrüche zu reduzieren und ein einfaches Bezahlerlebnis zu schaffen.

Interesse der Verbraucher am Bezahlen via Hausbank

Die Funktion SEPA Request-to-Pay (R2P), über die Kunden ihre Onlinekäufe mit der Banking-App der Hausbank begleichen können, interessiert Verbraucher sehr: 54,3 Prozent würden darüber bezahlen, wenn sie in ihrem Online- oder Mobile-Banking zur Verfügung stehen würde. Das ist ein Ergebnis einer YouGov-Umfrage, die Gini in Auftrag gegeben hat. Demnach wären 21 Prozent der Befragten auch bereit, die bevorzugte Zahlungsmethode beziehungsweise den bevorzugten Zahlungsanbieter damit zu ersetzen.

Dabei zeigt sich bei den jüngeren Befragten sogar ein höheres Interesse an einer Bezahloption, die direkt über die Banking-App angeboten wird, als bei den älteren: 33,4 Prozent der 18- bis 34-Jährigen würde die bevorzugte Zahlungsmethode damit komplett ersetzen, bei den über 55-Jährigen sind es 12,5 Prozent. Die Umfrage belegt: SEPA Request-to-Pay stellt eine attraktive Alternative zu Bezahllösungen von Drittanbietern dar. Das ist eine Chance – sowohl für Banken, die Hoheit über Services zurückzugewinnen, aber auch für den E-Commerce. Dieser profitiert bei der Lösung auf mehreren Ebenen.

Die Vorteile von Request-to-Pay im Detail

Mit SEPA Request-to-Pay können Zahlungen bei Kunden schnell und transparent angefordert werden. Der Nutzer kann jederzeit den Verlauf einsehen und hat volle Transparenz über die Zahlungsabwicklung. Zahlungen können – je nach Selektion des Händlers und den Vorgaben – auch in Echtzeit ausgeführt werden, wodurch auch der Zahlungsvorgang selbst wesentlich beschleunigter abläuft als bei einer klassischen Überweisung.

Die Übermittlung der Rechnung erfolgt bei dieser Zahlungsfunktion zusammen mit der Zahlungsaufforderung und wird somit direkt mit dem zahlungspflichtigen Kunden geteilt – als ein Teil des SEPA-Request-to-Pay-Schemas. Die Effizienz der Rechnungsstellung wird so erheblich gesteigert. Die Zahlungshistorie lässt sich dadurch für den Nutzer an einer zentralen Stelle nachvollziehen: in der Umsatzliste der Hausbank. Der Nutzer muss nicht mehr von Zahlungsdienstleister zu Zahlungsdienstleister springen, um Zahlungen einzusehen und zu prüfen. Alle Daten stehen in der Banking-App zur Verfügung. Damit erhöht sich die Transparenz über Zahlungen für den Nutzer deutlich.

Intuitives Benutzererlebnis mit SEPA Request-to-Pay

Im Gegensatz zu Lösungen, die auf Open Banking basieren, bietet SEPA Request-to-Pay eine Alternative: Das Nutzererlebnis ist deutlich intuitiver und einfacher gestaltet. Der Nutzer wird automatisch in seine Banking-App weitergeleitet und muss die Zahlung dort nur noch bestätigen. Kunden zahlen folglich so, wie sie es gewohnt sind und mit der Zahlungsmethode, der sie bereits vertrauen – ihrer Hausbank. Anschließend werden sie wieder zum Shop zurückgeleitet. SEPA R2P stellt aufgrund seiner Einfachheit eine ernstzunehmende Herausforderung nicht nur für Open Banking-Lösungen, sondern auch für andere Bezahlmethoden wie Lastschrift und Kreditkarte dar. Mit SEPA R2P werden der Aufwand für die Integration eines neuen Bezahlverfahrens und auch für die Ausweitung der Nutzung deutlich reduziert. Auf Seiten der E-Commerce-Händler kann die Integration beispielsweise über APIs oder das Plugin von Gini für native Apps (SDK) erfolgen. Dadurch bleibt der gesamte Integrationsprozess einfach und kostengünstig.

Überblick über die verschiedenen Zahlungs-Accounts behalten

Aber nicht nur für Händler, auch für deren Kunden eröffnet SEPA Request-to-Pay Vorteile. Dabei ist es beispielsweise nicht mehr nötig, neue Accounts bei unterschiedlichen Zahlungsanbietern zu eröffnen, da die Bezahlung über die Hausbank möglich ist. Das Risiko, den Überblick über unterschiedliche Accounts und die damit zusammenhängenden Finanzen zu verlieren, verringert sich so signifikant. Und auch die Anzahl an unterschiedlichen Apps, die man für Online-Zahlungen bei verschiedenen Anbietern benötigt, reduziert sich deutlich. Darüber hinaus erfahren Kunden die Sicherheit durch ihre Hausbank, die sie bei finanziellen Angelegenheiten in der Regel präferieren. Ihre Erfahrungswerte sind verbunden mit einem hohen Sicherheitsstandard und großem Vertrauen – ein wesentlicher Aspekt im Vergleich zu Nicht-EU-Diensten.

Auswirkungen auf den Onlinehandel

Das Vertrauen in eine Zahlungsmethode, die im Falle von SEPA R2P die eigene Hausbank der Kunden bietet, ist stark und sichert dem Onlinehändler Konversionsrate oberhalb von 80 Prozent. Mit der Einbindung von SEPA Request-to-Pay in den Checkout, wird demnach eine schlanke Account-to-Account Lösung etabliert, die im Vergleich zu Open Banking oder der klassischen Überweisung das Potential hat, hohe Cart Shares zu generieren, und damit signifikant zu Kosteneinsparungen beizutragen.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage von YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von Gini, an der 2.129 Personen zwischen dem 17. und 22.10.2023 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Request-to-Pay Gini
Martin Meinert ist Director E-Commerce & Partnerships bei Gini. (Bild: Gini)

Über den Autor: Martin Meinert ist Director E-Commerce & Partnerships bei Gini. Er ist langjähriger Experte im E-Commerce und E-Payment. Bevor er 2007 in die Beratung mit Fokus auf digitale Transformation einstieg, studierte er Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruhe Institute of Technology und an der University of Johannesburg. Nach mehreren Projekten im Bereich Mobile Payment, Banking und Commerce wechselte er 2016 zu Amazon Pay und zeichnete sich hier für den Bereich Partnerships und Inbound Growth verantwortlich. Seit 2020 ist Meinert in der Fintech-Szene tätig, zuletzt leitete er als Country Manager das Deutschlandgeschäft des BNPL-Anbieters Sezzle und des Open-Banking-Anbieters Montonio. Zudem betreibt Martin seit 2013 gemeinsam mit seiner Frau einen eigenen Onlineshop, der es ihm ermöglicht, die Anforderungen eines Onlinehändlers bestens zu verstehen. (sg)

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