Scorecard: Kluft zwischen den Geschlechtern schränkt Potenzial von Unternehmerinnen weltweit ein

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Dell hat vor einiger Zeit die Global Women Entrepreneur Leaders Scorecard vorgestellt. Sie offenbart, dass geschlechtsspezifische Unterschiede die Entwicklung von Unternehmerinnen in der ganzen Welt hemmen.
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Die von Dell in Auftrag gegebene Scorecard ist die erste weltweite Analyse, die sich auf die Herausforderungen und Chancen von Unternehmerinnen konzentriert. Ihr Ziel ist es, den untersuchten Ländern ein Diagnose-Tool zu bieten, mit dem sie die Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen verbessern können. Dazu liefert sie eine umfassende Sicht auf die derzeit herrschenden Bedingungen, stellt Best Practices heraus, identifiziert fehlende Daten und schlägt Verbesserungen vor.

Die Scorecard 2015 baut auf den Untersuchungen von Dell aus den Jahren 2013 und 2014 auf und untersucht 31 Länder anhand von 21 Indikatoren. Die dafür verwendeten Daten stammen aus international anerkannten Datenpools wie dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) beziehungsweise von renommierten Institutionen wie dem Weltwirtschaftsforum, der Weltbank, der UNESCO oder der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Die Ergebnisse: Über 70 Prozent der untersuchten 31 Länder erreichen ein Gesamtergebnis von unter 50 Prozent; sie zeigen signifikante Wachstumsunterschiede zwischen Unternehmen, die Männern gehören, und denen, die Frauen gehören.

Platz eins der Scorecard nehmen die USA ein, was sie hauptsächlich den generell förderlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verdanken haben. Dennoch erreichen die USA lediglich ein Gesamtergebnis von 71 Prozent; wäre die Gründungsrate amerikanischer Frauen genauso hoch wie die der Männer, würde das Land binnen zwei Jahren schätzungsweise 15 Millionen neue Jobs gewinnen. Deutschland kommt in der Scorecard auf ein Gesamtergebnis von 61 Prozent und landet im weltweiten Ranking damit auf dem siebten Platz.

Die Scorecard zeigt außerdem, dass alle Länder von besseren Bedingungen für Unternehmerinnen profitieren können und sie alle geschlechtsspezifische Unterschiede im unternehmerischen Handeln aufweisen. Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

  • Frauen benötigen einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen. Geht es um den Zugang von Frauen zu grundlegenden Ressourcen wie Bildung, Internet, Bankkonten oder unternehmerische Schulungsprogramme gibt es nach wie vor große Ungleichheiten. Die geringsten Unterschiede zwischen Männern und Frauen finden sich dabei in Großbritannien. Beim Schlusslicht Pakistan dagegen haben lediglich zehn Prozent der Frauen Zugang zum Internet und lediglich drei Prozent verfügen über eine Bankkonto.
  • Der Zugang zu Kapital und Innovations-Ökosystemen ist selbst in Ländern mit günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch eine Herausforderung. Generell weisen alle in der Scorecard führenden Länder stabile wirtschaftliche Bedingungen auf. Dazu zählen hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung, leistungsfähige Innovations-Ökosysteme und Verfügbarkeit von Kapital in Kombination mit relativ niedriger staatlicher Regulierung, geringer Korruption und wenig Marktmonopolen. Die USA sind auch in diesem Bereich führend, trotzdem finden sich dort in den Start-up-Geschäftsleitungen nur 13 Prozent Frauen; lediglich drei Prozent der Start-ups mit einem weiblichen CEO erhielten im Jahr 2014 Risikokapital.
  •  Die spezifischen Stärken und Schwächen unterscheiden sich von Land zu Land. Nigeria weist unter allen untersuchten Ländern den höchsten Prozentsatz an Frauen auf, die glauben, die nötigen Fähigkeiten für eine Unternehmensgründung zu besitzen. Die Schwächen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Nigeria verhindern aber ein Wachstum dieser Unternehmen. Ganz im Gegensatz dazu bietet Japan äußerst günstige und stabile Rahmenbedingungen, dort sind aber nur ganz wenige Frauen der Meinung, über die nötigen Fähigkeiten für eine Unternehmensgründung zu verfügen. In Indien sehen ebenfalls sehr wenige Frauen diese Fähigkeiten, dort trifft diese Einschätzung aber zusätzlich noch auf mangelnde Geschlechtergleichheit bei Rechten sowie beim Zugang zu Kapital und zum Internet.
  • Unternehmensführung bleibt eine Männerdomäne. Die Untersuchung zeigt, dass weibliche CEOs, leitende Managerinnen und weibliche Vorstände in der Regel höhere Gehälter sowie bessere Bedingungen für Mitarbeiterinnen bedeuten – und damit auch bessere Chancen für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung. In vier Ländern (China, Brasilien, Malaysia und Nigeria) haben Frauen aber nur fünf Prozent der CEO-Positionen in börsennotierten Unternehmen inne, in sechs Ländern sind es sogar null Prozent. Mit Polen, Jamaika und Russland gibt es lediglich drei Länder, in denen Frauen 35 Prozent oder mehr der leitenden Management-Positionen bekleiden; Frankreich ist das einzige Land, in dem Frauen 30 Prozent der Vorstandssessel besetzen.
  • Die Regierungen spielen eine entscheidende Rolle. Die öffentliche Beschaffung macht in Entwicklungsländern 30 bis 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Industrieländern 10 bis 15 Prozent. Weltweit wird schätzungsweise aber nur ein Prozent aller öffentlichen Aufträge an Unternehmen vergeben, die Frauen gehören. Von den 31 durch die Scorecard bewerteten Ländern sind die USA und Südafrika die einzigen, die Unternehmerinnen durch öffentliche Vergaberichtlinien gezielt fördern. Wichtig für eine positive Entwicklung des weiblichen Unternehmertums ist auch die Erhebung geschlechterspezifischer Daten. Deutschland, Frankreich, Schweden und die USA tun dies jährlich, Mexiko wertet alle staatlich finanzierten Unternehmer-Programme geschlechtsspezifisch aus. Chile ist das einzige Land, das beides tut.
  •  Geschlechtsspezifische Unterschiede hemmen Unternehmensgründungen. In allen 31 untersuchten Ländern kennen Frauen nur selten persönlich einen Unternehmer. Das bedeutet, dass ihnen sichtbare Vorbilder ebenso fehlen wie Verbindungen in die Unternehmer-Community – und das wirkt sich wiederum negativ auf ihre Bereitschaft zur Unternehmensgründung aus. In über zwei Dritteln der Länder sehen Frauen signifikant weniger Möglichkeiten, ein Unternehmen zu starten, als Männer; in praktisch allen diesen Ländern sind sie aber davon überzeugt, dass sie dazu dieselben Fähigkeiten haben.

 

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